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Teil 2 unserer Mittelspunkt-Serie: Eine private „Mittelpunkt“-Geschichte

Unsens Mitte liegt im Garten von Familie Kunze

UNSEN. Wir suchen Hamelns geografische Mittelpunkte und starten mit unserem 2. Teil in Unsen: Von ihrem Wohnzimmer aus können Heiko und Viola Kunze sie sehen, Unsens Mitte. Sie liegt auf ihrem Grundstück, am hinteren Rand, dort, wo der Feldweg regelmäßig Spaziergänger ins Grüne und unterhalb des Schweinebergs entlangführt.

veröffentlicht am 22.03.2018 um 14:43 Uhr
aktualisiert am 22.03.2018 um 15:28 Uhr

360 Unsen
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Die goldene Mitte ist entweder total langweilig oder erstrebenswert. Im Mittelpunkt zu stehen, genießen die einen und hassen die anderen. „Die Mitte“ findet sich in Politik, Mathematik und Geografie. Und weil sie eine so zentrale Rolle spielt, widmen auch wir uns der Mitte, genauer: den Mittelpunkten Hamelns, gemessen an den Gemarkungsgrenzen. Wo sind sie, was ist dort – Wohnzimmer oder Acker? Zusammen mit dem Katasteramt Hameln haben wir uns auf die Suche begeben. Heute: Unsen.

Mittelpunkt von Unsen - Spherical Image - RICOH THETA


Als Kunzes das Haus gekauft haben, konnten sie dagegen nicht viel sehen. Hohe, dunkle Tannen säumten 1996 und lange vorher den östlichen Rand des Grundstücks und haben den Blick Richtung Süden versperrt. „Ich dachte, das Grundstück hat vielleicht was mit dem Unsener Wappen zu tun“, erzählt Heiko Kunze. Das zeigt drei Tannen mit einem Bach.

Die Tannen bei Kunzes sind längst als Brennholz verfeuert worden. „Da war ordentlich zu tun“, erzählt Kunze über das „ziemlich verwilderte“ Grundstück, auf dem sich sogar noch ein eingelassener Pool versteckt gehalten hatte, und der erst spät entdeckt wurde. Damals hatte es der Schau-Familie gehört, dem Arzt vor Ort. Nach dessen Tod stand das Haus leer. Davon, dass es verkauft werden sollte, sei nirgends die Rede gewesen, erzählt Heiko Kunze. Eher zufällig habe er dann von dem zuständigen Nachlassverwalter gehört, habe ihn angesprochen – und am Ende mehrerer Gespräche den Kaufvertrag unterzeichnet.

Unsens errechneter Mittelpunkt liegt bei den Koordinaten N 52 08,724 O 009 23,850. Karte: LGLN
  • Unsens errechneter Mittelpunkt liegt bei den Koordinaten N 52 08,724 O 009 23,850. Karte: LGLN
Quelle: OpenStreetMaps
  • Quelle: OpenStreetMaps

Heute reicht das Auge vom Esstisch über die Felder rechts hinüber zum Waldrand und bis zum Horizont, wo die Flügel der Windräder am Himmel drehen. „Nö, die haben uns nie gestört“, sagt Heiko Kunze. Wer von Atomenergie und Kohlekraft wegwill, muss das in Kauf nehmen, so seine Überzeugung. Und wer Freiheit will auf seinem Grund, lässt Grenzen fallen.

Weder Zaun noch Hecke zeigen markieren, wo das große Grundstück endet. „Ein Morgen“, sagt Kunze, ist es groß, mehr oder weniger exakt 2520 Quadratmeter. Größer, als das Ehepaar beim Kauf angenommen hatte. „Irgendwann, als wir überlegt haben, was machen wir mit dem Grundstück, habe ich auf die Pläne geguckt und gedacht: Huch, unser Grundstück sieht doch ganz anders aus“, erzählt Viola Kunze. Tatsächlich fanden sie dann einen Grenzpunkt, der noch hinter jenen verdunkelnden Tannen lag, die bis dato den Grenzverlauf markiert hatten. Milo jedenfalls, der zweijährige zutrauliche Mischlingshund aus Spanien, hält sich auch ohne Zaun an sein Revier. Meistens.

„Es war richtig toll“, schwärmt Viola Kunze von den 22 Jahren, die ihre Familie an diesem Ort gelebt hat. Drei Kinder wuchsen in dem über 200 Quadratmeter großen Haus auf, das Anfang der 1950er Jahre gebaut worden war. Für Kinder ein Paradies: viel Grün, Bäume zum Klettern, der Feuerbach, auch Herksbach genannt, zum Stauen, Schiffchen-Fahren-Lassen, zum Nasse-Füße-Holen. Damals, erinnert Kunze sich, kostete der Liter Öl noch 30 Pfennig. Die Bushaltestelle – „die hieß früher sogar Unsen Mitte“, jetzt heißt sie „Ortsfeld“ – liegt direkt vor der Haustür, was den Kindern den Schulweg nach Holtensen und später nach Hameln erleichtert hat. Später dann bot das Zuhause reichlich Platz zum Partysfeiern, für nicht enden wollende Treffen vor Osterfeuern. „Unsen war die Zeit mit den Kindern“, sagt Viola Kunze. Sie und ihr Mann sitzen am Esstisch in dem Raum mit Ofen und Sofa-Ecke. Innerlich ist das Paar seit einiger Zeit auf dem Absprung. Trotz der imposanten Naturschauspiele, die sich von der überdachten Terrasse aus beobachten lassen, wenn der Regen „wie eine Wand vom Wald herunterkommt“, wie Viola Kunze erzählt. Trotz der schönen Jahre, trotz des vielen Platzes, den das Haus bietet. „Man konnte sich hier gut aus‘m Weg gehen“, sagt sie lachend. Eben nicht trotz, sondern gerade wegen des Platzes spielen Kunzes seit geraumer Zeit mit dem Gedanken, sich etwas Kleineres zu suchen und ihr Haus am Mittelpunkt des kleinen, ehemaligen Luftkurortes zu verkaufen. Vielleicht wieder in Hameln, wo beide geboren sind. Die drei Kinder hätten jedenfalls kein Interesse, das Elternhaus zu behalten. Alle sind verstreut, teils im Ausland, und längst nicht mehr am idyllisch gelegenen Nabel von Unsen.



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