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Anwohner und Helfer setzen große Hoffnung in neuen Eigentümer

„Unglaubliche Chance für den Kuckuck“

ROHRSEN. Am Kuckuck soll jetzt alles besser werden. Diese Hoffnung ruht auf dem neuen Eigentümer, der Arsago GmbH, die seit Anfang des Jahres über das Gros der Mehrfamilienhäuser am Kuckuck verfügt. Es tut sich etwas. Wohnungen werden entmüllt und renoviert, die neue Hausverwaltung ist präsent (wir berichteten). Unsere Zeitung wollte wissen, wie die Menschen vor Ort über die neue Situation denken.

veröffentlicht am 05.06.2017 um 19:28 Uhr
aktualisiert am 05.06.2017 um 20:00 Uhr

Es tut sich was am Kuckuck: Ein Angestellter der Hausverwaltung mäht den Rasen. Aber nicht alle Anwohner sind zufrieden. Foto: wal
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Mathias Rübe bückt sich, um das Papier eines Schokoriegels aufzuheben. „Mit Frau Wessel hat sich das Blatt zum Guten gewendet“, sagt der 52-Jährige über die Leiterin der neuen Hausverwaltung und zeigt um sich. „Alles ist wieder sauber“, sagt er und entsorgt das Papier in einem Mülleimer. Die Abfälle sind mit dem Müllaufkommen der vergangenen Jahre nicht zu vergleichen. Immer wieder türmten sich regelrechte Müllberge am Straßenrand (wir berichteten). Zum Ärger vieler Anwohner. Aber den ehemaligen Hauseigentümern und der vorherigen Hausverwaltung war das egal.

Mathias Rübe hat einen Großteil der Entwicklung am Kuckuck miterlebt. Er wohnt seit 1984 in der Siedlung, die in den 1960er Jahren in Rohrsen errichtet wurde. „Der Kuckuck war ja schon früher berüchtigt als Ghetto“, sagt er. Aber so schlimm, wie viele sagten, die niemals am Kuckuck lebten, sei es nie gewesen, sondern erst in den letzten Jahren geworden. „Bergab ging es, als die HWG (die Hamelner Wohnungsbau-Gesellschaft; Anm. d. Red.) die Häuser verkauft hat“, sagt Rübe. Im Auftrag des Rats hatte die Stadtverwaltung die Häuser um 2006 für angeblich 3,5 Millionen Euro an private Eigentümer verkauft. „Dabei hatten wir hier alles: einen Edeka-Laden, einen Zigarettenautomaten, Hausmeister, Vizewirte, zwei Bushaltestellen“, sagt Rübe wehmütig. Aber auch ohne diese Infrastruktur fühle er sich in seiner Straße inzwischen wieder wohl.

Das einzige, was ihn jetzt noch störe, sei, wenn am Wochenende mal wieder die Straße blockiert werde. Dann spielten die Kinder der verhältnismäßig neuen Mieter, vor allem Rumänen, auf der Straße, machten es sich die Erwachsenen auf Stühlen bequem. Warum sie sich nicht auf die Wiese setzten, könne er sich auch nicht erklären. Aber sonst sei im Laufe dieses Jahres alles schon viel besser geworden.

So sieht es auch Mehmet Karakaya. Er führt dies neben der „strukturellen Veränderung“ – neuer Eigentümer und neue Hausverwaltung, die sich um Wohnungen und Anliegen der Mieter kümmerten – auch auf die Arbeit von sich und seinen Kollegen des 2015 initiierten Projekts „Zusammen am Kuckuck“ (ZaK) zurück. Mit ihren Angeboten und Aktionen hätten sie inzwischen das Vertrauen der zunächst sehr misstrauischen, osteuropäischen Bewohner gewonnen. Gabriele Brakemeier sieht den Eigentümerwechsel als „unglaubliche Chance für den Kuckuck“. Sie ist die zweite Vorsitzende des Vereins „SAM“, der am Kuckuck das Familien- und Kinderangebot „Kuckucksnest“ betreibt. Die Arsago und die Hausverwaltung arbeiteten eng mit SAM zusammen, sagt sie. Ein gemeinsames, langfristiges Ziel sei ein „Bewohnertreff“.

Doch Gerüchten zufolge treiben am Kuckuck „Betrüger“ ihr Unwesen. Gehört hat davon auch Mehmet Karakaya. Dabei handele es sich um Rumänen von außerhalb, die ihren neuankommenden Landsleuten „Hilfe“ anböten, etwa beim Stellen von Anträgen für Kindergeld – und dafür dann 600 Euro kassierten. „Die Menschen zahlen, weil sie es nicht besser wissen“, sagt Karakya. Vielleicht auch aus Angst, mutmaßt er. Dass jemand Anzeige erstattet habe, sei ihm jedenfalls nicht bekannt. Inzwischen spreche sich aber herum, dass Hilfestellung bei behördlichen Formularen, wie etwa fürs Kindergeld, bei ZaK kostenlos zu bekommen ist.

Das weiß auch Cristian-Dorel Bidiga. Der 35-jährige Familienvater kam vor gut drei Jahren nach Deutschland, lebt seitdem am Kuckuck und verdient sich seinen Lebensunterhalt in der Gastronomie. Bidiga habe etwas von den dubiosen „Hilfsangeboten“ gewisser Landsleute mitbekommen – aber „kein Interesse“ gehabt. Er habe ja „Mehmet“.

Die Veränderungen, die mit dem neuen Eigentümer einhergehen, sieht auch Bidiga. Und die seien auch überwiegend „positiv“. Auch wenn ihm der Umgangston vonseiten der Hausverwaltung mitunter etwas zu schroff sei. Eine Kritik, die auch von anderen Anwohnern zu vernehmen ist. Die Hausverwaltung gehe „aggressiv“ gegen unliebsame Mieter vor, sagt ein Mann, sie würde Wohnungstüren aufbrechen, die Bewohner vor die Tür setzen, sagt eine Frau.

Achim Böttcher, Mitarbeiter der Arsago GmbH, räumt ein, dass in einem Fall eine Wohnungstür aufgebrochen wurde. „Das war allerdings ein Versehen“, sagt Böttcher. „Die neuen Mieter standen schon vor der Tür und wollten in ihre Wohnung.“ Und bei dem Bewohner habe es sich, wie sich zeigte, um einen Schwarzmieter gehandelt. „Der wohnt jetzt offiziell bei uns“, sagt Böttcher und fügt hinzu. „Wir halten uns an das Gesetz.“ Gleichwohl lege die Hausverwaltung in der Tat und durchaus im Interesse der Arsago eine „relativ hemdsärmelige Herangehensweise“ an den Tag, um sich gegen Mieter, die sich nicht an den Mietvertrag halten, durchsetzen zu können.

Heike Wessel, Leiterin der Hausverwaltung Aventura, sagt: „Wir haben ein Herz für sozialschwache Leute.“ Wenn jemand mal in Rückstand mit der Miete gerät, weil er seinen Job verlor, dann finde sich – wie bereits geschehen – eine Lösung, etwa in Form von Ratenzahlung. „Aber“, fährt sie fort, „so wie es in den Wald hineinruft, so schallt es auch heraus.“



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