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Eltern in Holtensen wollen kein Provisorium im Klassenraum / Mutter: „Nur die Verzweifelten melden an“

Ungeliebtes Kindernest

HOLTENSEN. Die Eltern in Holtensen sind nicht glücklich über den Plan der Stadtverwaltung, einen Klassenraum der Grundschule für ihre Kleinkinder umzufunktionieren. Sie sähen lieber einen Container als Betreuungsstätte für ihre Krippenkinder.

veröffentlicht am 17.12.2017 um 13:59 Uhr
aktualisiert am 18.12.2017 um 08:30 Uhr

Derzeit plant die Stadtverwaltung, einen Raum der Grundschule Sünteltal in Holtensen für die Krippenkinder umzufunktionieren. Foto: Dana
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Er ist groß, hell, hat eine Küchenzeile und Sanitäranlagen. Rund 120 000 Euro würde der kindgerechte Kita-Container kosten, nach dem die Eltern in Holtensen sich erkundigt haben. Container als Kitaräume sind keine Seltenheit mehr in einem Land, das mit der Schaffung von Kita-Plätzen nicht so recht hinterherkommt. Im Hamelner Ortsteil Holtensen, in dem 61 Kinder auf der Warteliste stehen (allerdings auch als Zweit- und Drittwünsche), würden sich die Eltern freuen über eine solche Lösung, sagt ein Mitglied des Kita-Elternrats. Denn bis die klamme Stadt an der Holtenser Kita anbaut, werde mehr Zeit ins Land gehen, als die Politiker sagen, vermuten einige Eltern.

Wenn dort überhaupt gebaut wird. Bisher gibt es nur eine erste, grobe Berechnung, die von 815 000 Euro für einen zweigeschossigen Anbau ausgeht. Darüber entschieden werden soll 2018, sodass das Geld in den Haushalt 2019 eingestellt werden könnte. Bis 2021 wird nach derzeitigem Stand jeder neu geschaffene Kita-Platz mit 12 500 Euro vom Land gefördert. Es könnte also knapp werden, glauben die Eltern. Sie würden deshalb lieber Plätze in einem Container auf dem Gelände der Kita mit dem Personal der Kita bezuschussen lassen – das geht nämlich auch. Der Träger der Holtenser Kita, die evangelische Kirche, würde sogar mitmachen – immer vorausgesetzt, dass alle Vorgaben von Stadt und Land erfüllt wären. Das bestätigt Christiane Heinz, Geschäftsführerin des evangelischen Kindertagesstättenverbandes in Hameln, auf Anfrage.

Vom Container halten allerdings weder die Stadt noch der Ortsrat viel. Sie haben als Übergangslösung einen etwa 60 Quadratmeter großen Klassenraum vorgesehen, in dem zehn Kinder in einem Kindernest (Großtagespflegestelle) betreut werden können (wir berichteten).

Doch die meisten Eltern mögen das Provisorium nicht, so eine Mutter (Name ist der Redaktion bekannt) und auch die Kirche möchte dort nicht als Träger fungieren. „Wir möchten unser Profil nicht auf die Großtagespflege ausweiten“, sagt Heinz.

Nur diejenigen, die beruflich nicht anders könnten, würden ihre Kinder dort anmelden, heißt es. Die meisten hätten kein gutes Gefühl bei der abstrakten Lösung. Sie könnten sich nur schwer vorstellen, wie Spielen, Schlafen, Wickeln, Kochen und so weiter im derzeitigen Klassenraum realisiert werden soll. Und sie hätten gerne die künftige Erzieherin und die beiden Tagesmütter kennengelernt, die vom Träger, der Impuls GmbH, kommen sollen.

Im Klassenraum selbst müsste eine Küchenzeile geschaffen werden, die Klos seien für unter Dreijährige weit entfernt, der zweite Rettungsweg umständlich. Zudem müsste die Schule den Werkraum, den sie gerade geschaffen hat, zum Klassenzimmer umfunktionieren. Und wenn sich in Holtensen 2019 dann noch so viele Kinder für die Schule anmelden, das zwei Klassen gebildet werden müssen, hätte man erneut ein Raumproblem. Die Chancen dafür stehen gut, denn im Sünteltal gibt es wieder viele Kinder.

Doch der Raum in der Schule ist immerhin umsonst. Möglichst zum 1. Februar sollen die Eltern ihre Kinder bringen können, wenn acht Anmeldungen zusammenkommen. Sieben sind es bis jetzt. Ulrike Cott, im Rathaus zuständig für die Abteilung Kindertagesbetreuung, will mit dem Träger, der Impuls GmbH, verhandeln, damit das Kindernest auch zustande kommt, wenn es bei sieben bleibt. Priorität habe aber momentan, kurzfristig alles unter Dach und Fach zu bekommen. „Die Zeit rennt“, so Cott. Weitere sieben Anmeldungen gebe es für den 1. Juni, beziehungsweise 1. August 2018 .

Über die ablehnende Reaktion auf die Kindernester ist Cott verwundert, ihr Eindruck bei der Informationsveranstaltung, bei der sich auch der Träger vorgestellt hat, sei ein ganz anderer gewesen.

Zudem glaubt sie, dass die Stadt mit dem verfügbaren Zeitrahmen gut planen könne. Priorität habe jetzt die Entscheidung über den Krippen An- oder Neubau.

Ähnlich geht es Ortsbürgermeisterin Bettina Schultze (SPD). Die Containerlösung sei für sie schon lange vom Tisch, ebenso der Vorschlag, den Mehrzweckraum neben der Turnhalle umzufunktionieren. Dem würden langfristige Verträge von VHS und Vereinen entgegenstehen und eine Mehrfachnutzung (morgens Kinder, abends der VHS-Kurs) werde nicht genehmigt.

Einen Container auf dem Gelände des Kindergartens aufzustellen, sei zudem schwierig: Das Gelände sei uneben, Anschlüsse müssten geschaffen und eine Genehmigung eingeholt werden. Den Klassenraum umzufunktionieren wäre die schnellere Lösung und Schultze ist es wichtig, den Eltern bereits zum Februar eine Betreuungsmöglichkeit zu bieten zu können.

Ebenso wie Ulrike Cott hat die Ortsbürgermeisterin Angst, Fördergelder zu vergeben. Sie weiß, dass der Kampf für die Krippe in Holtensen kein einfacher ist, wenn zugleich eine große Krippe in der Nordstadt im Gespräch ist. Und je weniger Eltern das Kindernest nutzen, desto schwieriger wird die Argumentation für Holtensen.

Mein Standpunkt
Dorothee Balzereit
Von Dorothee Balzereit

Bettina Schultze wird bei einigen Eltern noch Überzeugungsarbeit leisten müssen. Nicht ganz einfach, wenn der Grat so schmal ist: Im besten Fall bekommt Holtensen seinen Kita-Anbau, und alle Beteiligten können froh sein, wenn bis dahin keine Fördergelder verschwendet wurden. Im schlimmsten Fall bekommt der Ort den Anbau nicht und die Stadt muss erneut nach einem Ort für das Kindernest gehen, weil die Schule den Raum bald selbst braucht.



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