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Abweisung beim Fitnessstudio wirft bei Leser Frage nach Diskriminierung auf

Unerwünscht als Flüchtling oder Mann?

HAMELN. Amir Rahman (Name von der Redaktion geändert) würde gerne Sport im Fitnessstudio treiben. Doch von dem Hamelner Fitnessstudio seiner Wahl wurde er Anfang Mai abgewiesen. Mit der Begründung: Es würden derzeit keine Männer mehr aufgenommen werden, er könne sich aber auf eine Warteliste setzen lassen. Rahman ist ein Flüchtling aus Syrien. Ein deutscher Freund von Rahman, Leser dieser Zeitung, wähnt einen Verstoß gegen das „Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz“ und wendet sich mit dem Fall an die Redaktion der Dewezet.

veröffentlicht am 16.05.2017 um 20:11 Uhr

In einem Hamelner Fitnessstudio sei jeder willkommen, auch Flüchtlinge. Nur Männern werde von Zeit zu Zeit die Aufnahme verweigert. Foto: BilderBox
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Grund für den Verdacht des Lesers, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte: Nur wenige Tage nach der Anfrage von Rahman bekundete der Sohn unseres Lesers bei dem (der Redaktion bekannten) Fitnessstudio telefonisch Interesse an einer Aufnahme in dem Fitnessstudio. Kein Problem, habe es am anderen Ende der Telefonleitung geheißen. Er könne sofort vorbeikommen und sich anmelden. Sind in dem Fitnessstudio Flüchtlinge beziehungsweise Menschen mit Migrationshintergrund nicht willkommen?

Der Geschäftsführer des Fitnessstudios bestätigt auf Nachfrage der Dewezet die Anfrage von Rahman. Allerdings lasse sich nicht mehr rekonstruieren, welcher Mitarbeiter an diesem Tag Rahmans Anfrage bearbeitet hat. Dasselbe gelte für das Gesuch des Sohns unseres Lesers. Von daher sei nicht auszuschließen, dass in letzterem Fall voreilig eine Zusage erteilt worden ist. Denn eine Männerquote gebe es in der Tat. Die solle dafür sorgen, dass die Männeranzahl nicht überhandnimmt, sodass sich auch Frauen in dem Fitnessstudio noch wohlfühlen können. „Dies ist uns von der Zentrale so auch vorgegeben“, sagt der Geschäftsführer der Hamelner Filiale. Allerdings sei dieser vorübergehend verhängte Aufnahmestopp für Männer inzwischen wieder aufgehoben worden. „Wir telefonieren die Warteliste gerade ab“, so der Leiter. Amir Rahman dürfe also damit rechnen, dass sich das Fitnessstudio in Kürze mit ihm in Verbindung setze.

Die Abweisung Rahmans habe jedenfalls nichts damit zu tun, dass dieser Flüchtling beziehungsweise kein Deutscher sei. Sowohl unter den Mitarbeitern als auch unter den Mitgliedern des Fitnessstudios gebe es viele Menschen mit Migrationshintergrund – darunter auch syrische Flüchtlinge. Einzige Ausschlusskriterien seien, wenn jemand den Mitgliedsbeitrag nicht aufbringen könne oder ein Verhalten an den Tag lege, das andere Mitglieder beeinträchtige. „Vom Grundsatz her sind wir offen für alle.“

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Die Dewezet wollte es genau wissen. Ein junger Mann mit Migrationshintergrund und gebrochenem Deutsch machte für die Redaktion den Test und bat bei dem Fitnessstudio um Aufnahme. „Kein Problem“, sagte er hinterher. Er sei freundlich willkommen geheißen und ihm angeboten worden, sofort das Anmeldeformular auszufüllen.

Auch bei einem anderen Hamelner Fitnessstudio sei die Herkunft der Interessenten keinerlei Ausschlusskriterium. Ausreichend Deutschkenntnisse seien allerdings schon nötig. Allein um den Vertrag abschließen zu können und das Mitglied in die Geräte und Übungen einweisen zu können, um so das Verletzungsrisiko so niedrig wie möglich zu halten, sagt der Inhaber. Ansonsten seien Zahlungsfähigkeit und ein umgängliches Verhalten Kriterien für die Aufnahme. Eine Männerquote gebe es indes nicht, wie der Fitnessstudiobetreiber betont. Er vermutet dahinter eher ein Instrumentarium für die Ablehnung unliebsamer Besucher.

Kein Männerlimit gibt es auch in einem weiteren Hamelner Fitnessstudio. Im Gegenteil: „Wir haben sogar mehr Männer als Frauen“, heißt es aus der Leitung. Eigens für Flüchtlinge gebe es aber „flexible Verträge, die sich nach dem Aufenthaltstitel“ und der daraus resultierenden, genehmigten Aufenthaltsdauer richteten. Ein Aufnahmekriterium seien zudem „ausreichend Deutschkenntnisse“, sagt die Leiterin. „Für die Verständigung bei Vertragsabschluss, Verhaltensregeln und Trainingseinweisung.“

In solchen Fällen versucht die Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe des Landkreises Hameln-Pyrmont zu vermitteln. „Ehrenamtliche Dolmetscher und Integrationslotsen können von den Flüchtlingen zur Unterstützung angefragt werden, damit fehlende Sprachkenntnis zu Beginn kein Hindernis darstellen, wenn Verträge – wie zum Beispiel im Fitnessstudio – abgeschlossen werden müssen“, teilt Sprecherin Sandra Lummitsch auf Anfrage mit. Beschwerden über Diskriminierung von Flüchtlingen oder Migranten in Fitnessstudios seien bei der Koordinierungsstelle bislang keine eingegangen.

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