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…und das Essen kommt aus der rustikalen Feldküche

veröffentlicht am 19.07.2011 um 17:16 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:35 Uhr

Von Karin Rohr
Hameln. Aus dem Rohr im Erdhügel, der wie ein überdimensionierter Maulwurfshügel ausschaut, qualmt es: Rauchwolken wabern über die Wiese. Essensgeruch liegt in der Luft. Die Feuerstelle erkennt man erst beim Näherkommen: Es ist eine Feldküche, die Soldaten des 28. britischen Pionierregiments eigens für die 20 Gäste des Dewezet-Sommerabenteuers eingerichtet haben – „unter realistischen Bedingungen“, erzählt Captain Kevin McDonnell. Das heißt: Erst wurde ein Loch ausgehoben, dann Holz aufgeschichtet, eine alte Blechtonne darüber aufgebockt und mit Erdreich abgeschottet. Nur die Seite, wo das Feuer gezündet wird, bleibt frei. Über ein Rohr wird der Rauch abgeführt und die Backofen-Tonne provisorisch mit einem Blechdeckel verschlossen. „Alles Altmetall, also Zeug, was hier irgendwo rumlag und was man überall finden kann“, meint Sergeant Graham Jackman, der gerade eine duftende Hähnchen-Lasagne aus der Ofen-Tonne holt. Er hat die Feldküche im Griff: „Eine halbe Stunde hat der Aufbau gedauert“, berichtet er. Die Zuschauer sind fasziniert. Und nicht minder beeindruckt von dem, was Jackman aus den Rationspackungen zaubert, mit denen britische Soldaten verpflegt werden. Nicht nur die Lasagne auch Nudeln, Hühnchen-Curry, Reis, würzige Stampfkartoffeln, Gemüse und die obligatorischen weißen Bohnen in Tomatensoße werden aufgetischt – auch typisch britische Süßspeisen wie Rhubarb Crumble (Rhabarber mit Streuselkuchenteig) und Sponge & Custard (Biskuitkuchen mit Vanille-Soße) gibt’s zu Kaffee, Tee oder Saft. „Lecker!“, schwärmen die Gäste, inspizieren neugierig die einzelnen Beutel und Dosen eines Rationspaketes, das zur Anschauung aufgebaut ist – und staunen: Unglaublich, aus diesen Zutaten wurde die ganze Mahlzeit zubereitetet? „Ja“, bestätigt Jackman und erzählt, dass in den Lebensmitteln, die zehn Jahre halten, alle wichtigen Proteine, Mineralien und Vitamine stecken.

Der Feldküchen-Lunch ist ein Highlight – und der gesellige Abschluss eines spannenden Vormittags in der Linsingen-Kaserne. An fünf Stationen haben die verschiedenen Kompanien des Pionierregiments zuvor gezeigt, mit welchem Gerät sie arbeiten, wozu dieses dient, wie ihre Ausrüstung und ihr Arbeitsalltag aussehen. Vorsorglich steht an jeder Station ein Soldat bereit, der die Funktionsweise komplizierten technischen Equipments auch auf Deutsch erklären kann. Alles ist generalstabsmäßig organisiert, zeitlich terminiert – und auch der Spaßfaktor kommt nicht zu kurz. Was man mit einem Straßenbaugerät macht – den Besuchern wird’s erklärt. Gräben ausheben müssen sie zwar nicht, aber ihre Geschicklichkeit können sie unter Beweis stellen und mit dem Gerät einen Ball in Schalen bugsieren. Präzisionsarbeit. Die Youngster haben die Nase vorn, und die Älteren werden wieder zu Kindern. Aufregend. „Die vielen Hebel sind ganz schön verwirrend“, stellt Werner Kramer fest, der vor 30 Jahren bei der Bundeswehr zwar auch mal so einen Bagger bedient hat – aber: „Man muss sich erst mit der ganzen Hydraulik vertraut machen.“ Auch im Führerhaus der Panzerschwimmbrücke M3 legen die Gäste Hand an: Seitliche Schwimmer ausfahren, Räder einholen – das klappt. Fehlt nur noch  Wasser. Das befindet sich in einem Eimer mit zwei Quietsche-Entchen und sollte möglichst nicht überschwappen, wenn dieser mithilfe eines Krans auf einer fest umrissenen, kleinen Fläche platziert wird.

Vom Spaß zum Ernst: Auch wenn bei der „Landminen“-Suche mit dem Metalldetektor nur harmlose Schrauben und Metallteile aufgespürt werden – sich den Ernstfall vorzustellen, ist bedrückend. Welche zeitraubende, nervenzerrende und gefährliche Arbeit in Krisengebieten mit diesen Detektoren geleistet wird – die Besucher zollen Respekt und werden nicht müde, Fragen zu stellen. Gerade erst sind die Soldaten, die ihnen die Geräte erklären aus Afghanistan zurückkehrt.

Später, an der Feldküche, gibt es spontanen Applaus für die erlebnisreichen Stunden in der Kaserne. Und ein Riesen-Dankeschön geht an die britischen Pioniere.



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