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Was bedeutet das für die Hamelner Gemeinden?

Umstrittener Islamverband Ditib bekommt weniger Geld

HAMELN. Der deutsch-türkische Islamverband Ditib bekommt deutlich weniger Fördergelder vom Bund als bislang. Waren es 2017 noch 1,47 Millionen Euro, werden es 2018 nur noch 297 500 Euro sein. Die islamische Gemeinde „Fatih Cami“ am Thiewall ist eine von über 900, die dem Dachverband Ditib angehören. Was bedeuten die Kürzungen für sie?

veröffentlicht am 11.10.2017 um 18:47 Uhr
aktualisiert am 11.10.2017 um 20:00 Uhr

Geld bekommt die Ditib-Gemeinde am Thiewall laut Vorstand von ihrem Dachverband nicht. Allerdings werden die dort predigenden Imame über Ditib vermittelt. Foto: Dana
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Grund für die Kürzung der Fördergelder ist laut Bundesinnenministerium das laufende Ermittlungsverfahren des Generalbundesanwalts gegen eine Reihe von in nordrhein-westfälischen und rheinland-pfälzischen Ditib-Gemeinden tätigen Imamen. Sie stehen in Verdacht, für das türkische „Präsidium für Religionsangelegenheiten“ (Diyanet) geheimdienstlich Informationen über Gläubige gesammelt zu haben. Ditib, die „Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion“, untersteht Diyanet. Aufgrund der Nähe zur türkischen Regierung Erdogans ist Ditib umstritten. „So wurden vom Bundesministerium des Innern in diesem Jahr noch keine neuen Anträge von Ditib auf Projektförderung bewilligt“, teilt Dr. Harald Neymanns, Pressesprecher des Bundesinnenministeriums, auf Anfrage der Dewezet mit. Die Finanzierung bereits laufender Projekte in Trägerschaft der Ditib seien indes nicht ausgesetzt worden. „Dies stellt ein ausgewogenes Vorgehen dar, auch um weiter positive Impulse in Richtung der geforderten und notwendigen Ablösung Ditibs von der Türkei zu setzen, da die Projektförderung des Bundes neben anderen Zielen auch die stärkere Einbindung von Ditib in deutsche Strukturen befördert.“

Bei Ditib stößt das Vorgehen des Bundes jedoch auf Unverständnis. „Seit den letzten Entwicklungen in der Türkei und bei den Bundes- und Landtagswahlen in Deutschland wurde eine bedenkliche Stimmung geschaffen, die nicht nur die Politik, sondern auch die Gesellschaft sehr negativ beeinflusst“, teilt Ayse Aydin, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Ditib-Dachverbands in Köln, auf Anfrage mit. „Wir haben den Eindruck, der Bund scheut sich, die notwendige Fortsetzung der Projekte öffentlich zu begründen. Dies ist sicherlich auch der öffentlichen Stimmung geschuldet.“ Ditib sei „seit Jahrzehnten stets ein verlässlicher Dialog- und Projektpartner“.

Murat Bas, der Vorsitzende der Thiewall-Gemeinde, geht derzeit nicht davon aus, dass seine Gemeinde von den Kürzungen betroffen sein wird. „Es betrifft uns ja nicht direkt“, sagt er. Seine Gemeinde bekomme vom Dachverband kein Geld, sondern finanziere sich selbst über Spenden und Mitgliederbeiträge. Vom Dachverband in Anspruch genommen würden lediglich Sachleistungen, wie etwa Seminare. Zudem übernehme Ditib auch die Vermittlung der Imame, die in der Thiewall-Gemeinde predigen. Inwiefern sich die Kürzungen auf diese Leistungen auswirken könnten, könne Bas nicht einschätzen. Der Dachverband erklärt, dass die Fördermittel für die jeweiligen Projekte aufgewendet würden, auf die sich Bund und Ditib zuvor gemeinsam einigten. Etwaige Seminare oder die Vermittlung von Imamen dürften demnach von den Kürzungen unberührt bleiben.

Die „Islamische Gemeinde“ in der Hunoldstraße gehört zwar nicht zu Ditib, nimmt aber die Vermittlung von Imamen in Anspruch – mangels Alternativen in Deutschland, wie der Vorsitzende Bilgin Onur erklärt. Er erwarte keine Nachteile infolge der Kürzungen. „Wir bekommen von Ditib ja keine Fördergelder“, sagt Onur. Zumal, merkt er an, das Ermittlungsverfahren gegen die Imame ja noch laufe, die Spionage also nicht bewiesen sei. „Solange gilt die Unschuldsvermutung“, so Onur.

Mein Standpunkt
Philipp Killmann
Von Philipp Killmann

Die vorläufige Zurückhaltung, Ditib Fördermittel zu bewilligen, ist mit Blick auf die Spionagevorwürfe und die Nähe zur umstrittenen Erdogan-Regierung verständlich. Auswirkungen auf die Hamelner Gemeinden sind indes nicht zu erwarten.

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