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Pendler haben wenig Verständnis für streikende Lokführer

Umsteigen, bitte

Hameln. Schnee, Hitze, Tiere auf der Fahrbahn, defekte Neigetechnik, und als ob die Bahnkunden nicht oft genug mit Verspätungen und Zugausfällen leben müssten, nun auch noch der Rekordstreik. Ab dieser Nacht 2 Uhr bis Montag 4 Uhr hat die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) zum Streik aufgerufen. Etwa ein Drittel der Züge – so verspricht es die Bahn – fährt in der Zeit.

veröffentlicht am 05.11.2014 um 21:30 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 03:21 Uhr

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Autor:

von Julia Rau
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Im Feierabendverkehr ist schon gestern im Hauptbahnhof Hannover am Bahnsteig der S51, die nach Hameln fährt, „Streik“ das dominierende Wort bei Handygesprächen. Der Wochenendbesuch sagt ab, Termine werden verschoben. Am Hauptbahnhof der Landeshauptstadt, zu dem viele Hamelner täglich pendeln, herrscht bereits gestern Chaos. Dutzende warten an den Infoschaltern, während sich zwei oder drei in die Glasöffnung hangen. Danach folgt wie in Dauerschleife von den Mitarbeitern erst verständnisvolles Nicken, dann hastiges Geklapper auf den Computertasten und schließlich ein bemitleidender Blick. „Ist das das Ende der Schlange?“, fragt ein Mann. Ja. Zehn Meter vom Schalter entfernt stellte er sich an. Viel Hilfe gibt es nicht. Die Anzeigetafeln in Hameln und Hannover weisen auf den Streik hin. Auf einem blauen Display in Hannover steht sechsmal untereinander „Bitte Ansagen beachten“. Diese sind aber nicht zu verstehen und so nimmt das Chaos seinen Lauf. Einziger Ausweg scheint ein Smartphone zu sein. Für mehr Informationen gibt es Links und Apps. Wer kein Internet bei der Hand hat, kann zwischen einer Rufnummer und dem Schalter wählen. Die sind in Hameln dann auch mitnichten überfüllt.

Dabei haben die Pendler den Schwarzen Peter gezogen, und Pendler gibt es in Hameln zuhauf. Etliche bleiben allerdings gelassen. Sie weichen entweder auf die Strecke über Elze aus, wo die Metronom-Bahn verkehrt, fahren mit dem Auto oder hoffen darauf, dass es heute einen Zug gibt, mit dem sie zur Arbeit kommen. Michael Krause zum Beispiel nimmt heute das Auto. „Am Ende sind wir aber die Dummen, denn das Spritgeld bekommt niemand ersetzt, und bei einer Jahreskarte, wie ich sie habe, gibt es auch nichts erstattet.“ Verständnis für die Streikenden hat er nicht mehr. „Es geht nicht mal mehr um mehr Lohn oder weniger Stunden.“

Auch Pendlerin Sabine Wallenhorst wird es mit den Streiks zu viel. Sie fährt mit dem Wagen zur Arbeit. „Ich weiß ja nicht genau, ob die Bahn nun kommt oder nicht. Da nehme ich lieber das Auto. Mein Verständnis für den Streik schwindet aber allmählich. Da geht es doch nur noch um Macht und das auf unsere Kosten“, sagt sie.

Dagegen hat ausgerechnet ein Mitglied der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), die ebenfalls die Belange der Bahnarbeiter vertritt und von der die GDL unter Umständen Mitglieder abschöpfen könnte, Verständnis für die Forderungen der Lokführer. Schließlich sei die EVG oft zu nah an den Arbeitgeberinteressen. So habe der ehemalige Gewerkschaftsvorsitzende ja auch auf die andere Seite gewechselt. Und außerdem gebe es immer noch ein Streikrecht.

Ein Video zum Thema Bahnstreik gibt es auf dewezet.de



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