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Bericht der Landesregierung bringt Wassersportler auf die Palme

Tündernsee in Gefahr?

Hameln. Vor vielen Jahren hatte Hubert Mertelsmann, damals noch Vorsitzender beim „Segel Club Hameln“, dessen Ehrenvorsitzender er heute ist, eine Vision: Das Gebiet der Kiesteiche bei Tündern könnte nach deren Ausbeutung ein großes Naherholungsgebiet werden, das vor allem von den Wassersport-Vereinen genutzt werden sollte: das Projekt Tündernsee. Doch jetzt sieht er Ungemach seitens der niedersächsischen Landesregierung drohen – und zwar in Form der geplanten Änderung des Landesraumordnungsprogramms beziehungsweise der als Anlage dazu verfassten „strategischen Umweltprüfung“, kurz SUP.

veröffentlicht am 17.12.2014 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 19:21 Uhr

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Autor:

Christa Koch
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„Das ist gefährlich für alle Vorhaben im Wassersport, weil die SUP eine Rechtsnorm bekommen soll“, sagt Mertelsmann. Warum er das für „gefährlich“ hält? In besagtem Umweltbericht sieht der passionierte Segler „diffamierende Behauptungen“ aufgestellt, die nach seiner Interpretation Wassersportler als Umweltsünder darstellen und damit auch das Projekt Tündernsee bedrohen. Mertelsmann: „Diese undifferenzierten Behauptungen, die letztlich eine allgemeine Diffamierung des Wassersports darstellen, sollte man auf gar keinen Fall auf die leichte Schulter nehmen, sondern energischen Widerspruch einlegen. Sonst wäre das Vorhaben Tündernsee tot.“

Für einen möglichen Widerspruch hat das von dem Diplom-Bauingenieur Mertelsmann betriebene Argus-consult Planungsbüro im Auftrag des Kreisfachverbandes Segeln im Kreissportbund eine gutachterliche Stellungnahme entwickelt, die an alle betroffenen Vereine und Verbände geschickt wurde.

Darin weist die Argus-consult explizit auf die Seiten 85/86 und 91 hin. An der ersten Stelle ist allgemein von einer „Beeinträchtigung“ von Pflanzen und Tieren „durch Freizeitaktivitäten (u. a. Wassersport)“ die Rede. Fünf Seiten weiter ist unter dem Punkt „Binnengewässer“ zu lesen, Seen seien „in besonderem Maß durch Wassersport belastet“. Um welchen Wassersport es geht, ob Kanu oder Jet- Ski, Segel- oder Motorboote oder doch alle zusammen, bleibt offen.

Segler Mertelsmann jedenfalls bringt die Aussage auf die Palme. „Sport ist in der Landesverfassung verankert“, betont er.

Mertelsmann sieht in der Umweltprüfung darüber hinaus Ungereimtheiten, und zwar im Zusammenhang mit der Oberweser. Die solle, so heißt es im Text der Landesregierung, „in ihrer verkehrlichen Funktion erhalten und nach Bedarf entwickelt“ werden. Der Bauingenieur: „Im Umweltbericht wird die Tatsache, dass die Oberweser bis zu ihrer Herabstufung durch den Bund eine völlig intakte Bundeswasserstraße war, die mit vergleichsweise geringen Eingriffen in die Natur erhalten werden konnte und über viele Jahre hinweg auch erhalten wurde, überhaupt nicht berücksichtigt.“ Die Oberweser werde im Umweltbericht vielmehr so behandelt, als handele es sich um den Neuausbau einer Wasserstraße.

Auch beim Kreissportbund sieht man die geplante Änderung des Landesraumordnungsprogramms mit dem als Anlage vorhandenen Umweltbericht mehr als kritisch. Vorsitzender Fred Hundertmark: „Wenn man diesen Umweltbericht ernst nimmt, dann wäre das das Ende der sportlichen Nutzung für den Tündernsee. Dagegen muss man sich positionieren.“ Vor diesem Hintergrund hofft Mertelsmann („es müsste einen Aufschrei geben“) auf möglichst viele Einsprüche seitens betroffener Fachverbände. Die Zeit für ihn und seine Mitstreiter drängt: Zum Jahresende läuft die Widerspruchsfrist ab. Das zuständige Umweltministerium will in den nächsten Tagen zu den Hamelner Bedenken Stellung nehmen.

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