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Breiter Widerstand gegen Ausdehnung der Kiesgewinnung / Ortsrat von den Plänen überrascht

Tünderaner wollen nicht zu Insulanern werden

Tündern (CK). Die Pläne der Landesregierung, im Rahmen der Änderung des Landesraumordnungsprogramms (LROP) auch etwa 30 Hektar Erweiterungsflächen für den Kiesabbau in Tündern zu schaffen, hat in dem Ortsteil Proteste ausgelöst. „Es gab keinerlei Informationen des Ortsrates, als der sich in seiner Sitzung im Frühjahr mit dem Thema befasste“, moniert Herbert Habenicht, Vorsitzender der FDP-Fraktion. „Mal wieder werden die Betroffenen in keiner Weise eingebunden.“ Habenicht fordert deshalb eine außerordentliche Ortsratssitzung, die sich ausschließlich mit diesem Thema befassen soll.

veröffentlicht am 08.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 17:21 Uhr

Kiesgewinnung bei Tündern – in dem Dorf wächst der Ärger ü
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Der lange politische Streit um die Kiesgewinnung, so Habenicht, sei vor rund zehn Jahren durch die Festlegung der Abbaugrenzen beendet worden. Dabei habe als sicher gegolten, dass Tündern nicht zu einer „Insel“ werde, weil auf die Auskiesung im östlichen Teil der tündernschen Gemarkung verzichtet wurde. Der Abbau sollte auf den sogenannten „Weserbogen“ beschränkt bleiben, damit die Bevölkerung möglichst wenig unter den Abbauaktivitäten zu leiden habe. Und dazu hat Habenicht im Namen seiner Fraktion bereits vor Jahren etliche Forderungen formuliert, so die naturnahe Gestaltung der entstehenden Teiche, die Aufwertung der Grenzen durch einen begrünten Damm, die Schaffung von Fußwegen für die Bürger, die Ableitung des Verkehrs nach Norden und vor allem eine fortlaufende Rekultivierung.

Der neuerliche Vorstoß, jetzt den Bereich südlich der Jugendanstalt auszukiesen, wird von der FDP jedenfalls „entschieden abgelehnt“. Es sei zu befürchten, dass hiermit der Einstieg in die flächendeckende Auskiesung der östlichen Feldmark entlang des Sportplatzes bis hin zur Weser westlich von Hagenohsen ermöglicht werde, sagt Habenicht. Außerdem verhindere dieses Vorhaben die Umsetzung der Planungen der Tündernsee GmbH, so dass für die nächsten Jahrzehnte kein Ende der Abbauaktivitäten zu erwarten sei. Der Fraktionschef betont: „Die Tünderaner haben diese Belästigungen lange genug hingenommen. Sie ertragen auch jetzt noch den erhöhten Lärmpegel durch Abbaumaschinen und Lkw-Verkehr, der trotz Verbots nach wie vor durch das Dorf rollt.“ Kurz und knapp fällt der Kommentar der tündernschen Sozialdemokraten zu den Expansionsplänen aus dem niedersächsischen Landwirtschaftsministerium aus, die übrigens vom Wirtschaftsverband Baustoffe Naturstein unterstützt werden: „Die SPD bleibt dabei – wir sind gegen jegliche Erweiterung des Kiesabbaus in Tündern“, unterstreicht Hans-Hermann Weper, zugleich stellvertretender Ortsbürgermeister, der sich ähnlich wie Habenicht übergangen fühlt.

Thilo Meyer ist Christdemokrat und Ortsbürgermeister. Auch er äußert sich „enttäuscht“ darüber, dass die Ortsratsmitglieder über diese Pläne, die für die Bewohner von elementarer Bedeutung seien, ebenso wenig informiert worden seien wie die betroffenen Eigentümer der Flächen. „Seit Jahrzenten muss der Kiesabbau mit seinen Begleiterscheinungen wie Lärm, Schmutzemissionen und Schwerlastverkehr und auch der Zerstörung des Landschaftsbildes für uns in Tündern in Kauf genommen werden“, bedauert Meyer. Eine Erweiterung würde die seit Jahren in Tündern gehegten Hoffnungen nach der absehbaren Einstellung der Kiesförderung zerstören und auch die geplante Rekultivierung beziehungsweise Nachnutzung der Kiesabbaufläche unmöglich machen. Geplante Aktivitäten zur Steigerung des sanften Tourismus und zur Förderung des Wassersports könnten zu den Akten gelegt werden, glaubt der Ortsbürgermeister. Noch wichtiger ist jedoch der seiner Ansicht nach mit den Begleiterscheinungen des Kiesabbaus und des endgültigen weiteren Verlustes eines Stück Kulturlandes einhergehende Verlust der Wohn- und Lebensqualität. Der Ortsrat, der geschlossen eine ablehnende Haltung einnehme, werde sich kurzfristig ein Meinungsbild von den Bürgern einholen, verspricht Thilo Meyer.

Namensvetter Karl-Friedrich Meyer ist Vorsitzender der Tündernsee GmbH, die schon seit Jahren eine touristische Nutzung der ausgekiesten Flächen plant. Auch er sieht die Pläne des Landes kritisch. „Wenn wir hier Naherholung haben wollen, passt das nicht zusammen“, sagt er. Auch er wurde von der Nachricht überrascht. Natürlich müsse man auch die Frage der langfristigen Rohstoffsicherung sehen („vielleicht haben die in Hannover ja mehr Informationen als wir in Tündern“) – gleichwohl glaubt Karl-Friedrich Meyer nicht, dass so viel Kies überhaupt gebraucht werde, da die Bautätigkeit inzwischen ja fast zum Erliegen gekommen sei.

Viel schwerer aber wiegt für Meyer, dass Tündern quasi zur Insel würde, kämen die Pläne zur Erweiterung der Auskiesungsflächen tatsächlich zum Tragen. „Wir in Tündern haben schon viel Opferbereitschaft gezeigt und sind schon genug belastet“, meint er. Wenn alle bisher genehmigten Flächen in 10 bis 15 Jahren endgültig ausgekiest sein würden, müsse es genug sein, auch angesichts einer Verträglichkeit der Rohstoffgewinnung für nachfolgende Generationen.

Hubert Mertelsmann, lange Jahre Vorsitzender des Segelclubs Hameln (SCHa) und gewissermaßen „Motor“ einer Nachnutzung der Seen, sieht das Ganze nüchterner. „Dass so etwas im LROP aufgenommen wird, heißt noch lange nichts. Ich gehe davon aus, dass das Projekt Tündernsee realisiert wird, auch wenn das ein langwieriger Prozess ist.“



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