weather-image
16°
Eine Bilanz mit Bernd Himler drei Jahre nach dem ersten „Report“ des FiZ

Tue Familien Gutes – und rede drüber

HAMELN. Fast drei Jahre ist es her, dass in feierlichem Rahmen der erste „Familien-Report“ der Stadt Hameln präsentiert wurde. Enthalten: Gutes, aber auch Baustellen, die sich im Zusammenhang mit der Familienfreundlichkeit der Stadt auftun. Was hat sich seither getan?

veröffentlicht am 20.03.2017 um 14:23 Uhr
aktualisiert am 21.03.2017 um 09:23 Uhr

Super Stimmung: Bernd Himler (li.) und Oberbürgermeister Claudio Griese beim Empfang anlässlich des fünfjährigen Bestehens des FiZ vor einem Jahr. Himler zeigt sich auch heute zufrieden mit dem, was in Hameln für Familien passiert – ohne sich darauf
Birte Hansen

Autor

Birte Hansen Reporterin zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Als die Macher den ersten „Familien-Report“ vor knapp drei Jahren vorstellten, stand der Wechsel an Hamelns Verwaltungsspitze kurz bevor. Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann hatte der Stadt das Thema „Familienfreundlichkeit“ ins Stammbuch geschrieben, die Gründung des FiZ samt Familienbüros initiiert und darauf gedrängt, dass der damalige Fachbereich Bildung, Familie, Soziales wieder eine Leitung erhielt.

Auch ihr Nachfolger Claudio Griese misst der „Familienfreundlichkeit“ nach eigenen Aussagen einen hohen Stellenwert bei und schuf eine entsprechende Stabstelle. Die allerdings wurde im Januar schon wieder aufgelöst – was der Bedeutung des Themas keinen Abbruch tut, glaubt man Bernd Himler. Er war 2014 als Leiter des FiZ maßgeblich an der Entstehung des Familienreports beteiligt, der unter anderem aufzeigen sollte, wo Handlungsbedarf besteht. Ist Hameln seither familienfreundlicher geworden? Eine Bestandsaufnahme.

„Familie“ habe insgesamt einen größeren Anteil an der Arbeit als vor fünf Jahren, „Familie“ werde stärker mitgedacht, egal, worum es geht, lautet Himlers Einschätzung. Wie passt dazu Grieses Vorstoß, die Kitagebühren erhöhen zu wollen, was letztlich von der Politik mehrheitlich abgelehnt wurde? Passt nicht, erkennt jeder Betrachter. 

Nicht auf alles, was seit Juli 2014 nach Erscheinen des Reports, passiert ist, hatten die damals Beteiligten Einfluss, anderes dagegen konnten sie beeinflussen oder geht ausschließlich auf ihr Konto. Beispiel: Fahrkarten für Schüler ab der 11. Klasse. In einer groß angelegten Befragung durch das FiZ hatten Familien mit ihren Antworten auf diverse Handlungsfelder hingewiesen. So auch darauf, dass die Fahrkarten eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Inzwischen haben die Öffis ihr Tarifsystem völlig überarbeitet –  davon betroffen sind eben auch die Schülerfahrkarten. 

Auch die Betreuungssituation für Unter-Dreijährige hatten Eltern damals bemängelt. Gemessen an gesetzlichen Vorgaben, erfüllt Hameln sein Soll. Doch intern werde mit Hochdruck am Ausbau für alle Altersdrucken gearbeitet, sagt Himler. Vor allem die Entfernung zwischen Betreuungsplatz und Wohnort ist längst nicht immer familienfreundlich. Positiv in diesem Kontext erwähnt Himler das Online-Portal, über das die Eltern ihre Kinder an Kitas und Krippen anmelden und sehen können, wo Plätze frei sind. An der Entstehung hat das FiZ mitgewirkt.

Eine weitere Schwachstelle, die bei der Befragung herauskam: familiengerechter Wohnraum, der groß genug und bezahlbar ist. Daran arbeiten die Stadt und ihr Tochterunternehmen, die Hamelner Wohnungsbau-Gesellschaft. Bei der Entwicklung neuer Quartiere, wie beispielsweise des Baileyparks, sollen die neuen Herausforderungen am Wohnungsmarkt berücksichtigt werden.

Positiven Einfluss hatte das FiZ laut Bernd Himler auf die „finanzielle Gleichstellung der Tagespflege mit der Krippenbetreuung“. Dabei übernimmt die Stadt den Differenzbetrag, so dass die Eltern, falls sie für ihren Nachwuchs keinen Krippenplatz bekommen, eine (teurere) Tagesmutter engagieren können, ohne erheblich mehr zahlen zu müssen.

Das jüngste Baby des FiZ für Familien: Eine neue Elternbildungsreihe mit Vorträgen, die verbindlich zweimal im Jahr angeboten werden, ist den Köpfen der FiZ-Mitarbeitern entsprungen. So erfahren Eltern, je nach „Elternstatus“ (Schwanger, Kleinkind, Jugendliche) eine Verlässlichkeit und werden in verschiedenen Phasen inhaltlich begleitet.

Was ebenfalls gewünscht worden war – und (noch) nicht erfüllt ist: im Idealfall freier Eintritt für Kinder bei diversen Einrichtungen wie Theater, Museum, Schwimmbad, ansonsten stark vergünstigt. Das große Ziel aus Sicht der „Familien“-Unterstützer, ein einheitliches Rabattsystem zu schaffen, ist unerreicht, doch manchmal, sagt Bernd Himler, sei der Erhalt des Status Quo schon als Erfolg zu werten. In diesem Fall sei das beispielsweise die Tatsache, dass zwar die Gebühren für die Jugendkunst- und die Jugendmusikschule in Hameln erhöht worden seien, jedoch lediglich für die teureren Einzelkurse. Nicht erhöht wurden jedoch die Gebühren für die Gruppenkurse. Und auch, dass Hameln noch über Einrichtungen wie den Regenbogen oder ein Schwimmbad verfüge, sei nicht selbstverständlich, wie der Vergleich mit anderen Städten zeige.

Bernd Himler listet auf, was unter anderem noch passiert ist seit Erscheinen des Familienreports: Die Nachmittagsgruppen seien stark aufgestockt worden, in Krippen kann eine dritte Kraft beschäftigt werden, die Ganztagsbildung an Schulen soll ausgebaut werden, mehr Kita-Kinder können am Projekt „Sprache durch Bewegung“ teilnehmen, das durch die Eugen-Reintjes-Stiftung finanziert wird, vier zusätzliche Großtagespflegestellen seien beschlossen worden.

Ein Feld dagegen ist in unbefriedigendem Maße bestellt, gibt Himler zu verstehen: die Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf. Um es Arbeitnehmern und -gebern das Leben leichter zu machen, hatte das FiZ eine Tagespflegebörse ins Leben gerufen. Dort können Unternehmen Betreuungsplätze für die Kinder von Mitarbeitern belegen und bei Bedarf in Anspruch nehmen. Anzahl der Vertragsabschlüsse: null. „Der Druck ist offenbar nicht hoch genug.“ Trotz der nicht vorhandenen Nachfrage seitens der Unternehmen will Himler an dem Angebot festhalten. Er wünscht sich und Familien, dass Unternehmen eine weitergehende Flexibilisierung von Arbeitszeitmodellen ermöglichen – damit arbeitende Eltern die Betreuungszeiten ihrer Kinder nicht immer dem Dienstplan unterordnen müssen.

Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare