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Trübe Stimmung auf der Soltec

veröffentlicht am 19.09.2011 um 17:06 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:35 Uhr

Hameln (bha). Lange Gesichter an den Messe-Ständen, leere Gänge und eine Projektleiterin, die mit dem Verlauf der ersten Soltec unter ihrer Regie „nicht ganz unzufrieden, aber auch nicht zufrieden ist“ – kurzum: Die Stimmung, die gestern in und vor den Zelten im Bürgergarten herrschte, war trüb. Die 16. Soltec unter neuem Veranstalter hatten sich Stadt, Aussteller und Organisatoren anders vorgestellt. Die Analyse der Ursachen ist in vollem Gange.

Annette Neuber von der Expotec GmbH gibt unverhohlen zu: „Es muss definitiv vieles anders gemacht werden.“ Von ihr geschätzte 6000 Besucher – eine genaue Zahl könne sie noch nicht nennen – sind weit weniger als das, was Vorgänger Rainer Timpe angegeben hatte. Im vergangenen Jahr sollen es 11 000 Besucher gewesen sein, in den besten Jahren 15 000. Aus den Gesprächen, die sie mit Ausstellern geführt habe, wisse Neuber, dass es hauptsächlich an Werbung gemangelt habe. Der Etat sei nicht zu niedrig gewesen, beteuert sie auf Nachfrage, im Gegenteil – sie hätten ein Budget veranschlagt, das über dem für andere Messen liege. Doch sie hätten nicht das gemacht, was die Leute vom vorherigen Veranstalter gewöhnt gewesen seien. Dazu gehört großflächige Plakatierung entlang der Landstraßen. „Da wusste ich nicht, dass das geht“, sagt Neuber, denn in anderen Bundesländern sei das gar nicht erlaubt. Die Folge: „Man kriegt als Hamelner gar nicht mit, dass sie wieder stattfindet“, sagt Iris Kunze, die durch die zwei Hallen läuft. Sie habe letztlich von der Messe erfahren, weil sie am Solarforschungsinstitut ISFH in Emmerthal arbeitet.

Hauptkritik der Aussteller ist tatsächlich, dass nicht ausreichend und zudem mit unprofessioneller Aufmachung für die Messe geworben worden sei. Aber auch das Ambiente, dass die Messezelte versprühen, stößt auf Ablehnung. „Man muss sich doch nur einmal umgucken“, sagt ein Aussteller, der nicht genannt werden will und deutet auf Wände und Fußboden, der nicht vollständig mit Teppich ausgelegt ist, sondern nacktes, abgelaufenes Holz zeigt. Die Zeltwände erinnern an Dixie-Klos, und das Flair sei keineswegs mit dem vergleichbar, das sonst in den großen Soltec-Spannbauten auf dem Rathausplatz geherrscht habe. Die allein waren stets von vielen Vorbeifahrenden registriertes Zeichen dafür, dass die Soltec bald wieder stattfindet. Nur: Sie waren teuer und trugen dazu bei, dass die Zahlen, die die Messe schrieb, rot waren. „Diesen Charakter wird die Soltec nicht mehr erreichen“, sagt ein Aussteller und vermisst die Stimmung in den Spannbauten. Ob die Unternehmen aber bereit wären, höhere Standmieten zu zahlen, um die schicken Zelte mitzufinanzieren? „Weiß ich nicht“, sagt Michael zur Heide von DSS. Für ihn habe die Soltec in diesem Jahr nichts gebracht; er spricht gar von einem „Desaster“, hätte er nicht das Thema Elektromobilität mit reingenommen. Nur über die Interessenten, die an den Fahrrädern hängengeblieben sind, habe er auch Kontakte für die Photovoltaikanlagen (PV) seines Unternehmens geknüpft. Er zählt gerade mal „zwei reine PV-Kontakte“ an den drei Messetagen. Seine Teilnahme im nächsten Jahr, steht noch nicht fest; ein anderer Unternehmer sagt ganz deutlich „Nein!“ zur erneuten Teilnahme.

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Gestern Nachmittag in einem Zelt: Kaum ein Besucher ist unterwegs. Um 18 Uhr sollte die Soltec schließen; die ersten Aussteller begannen schon kurz vor 17 Uhr mit dem Abbau. Foto: Wal

Andere geben sich optimistischer. Herbert Stichnoth von der Innung für Sanitär, Heizung und Klima ist zumindest zufrieden mit jenen Kontakten, die er hatte. „Wir haben gute Gespräche geführt“, sagt er; Uwe Bochnig vom Team Solar Springe, pflichtet ihm bei. „Mit der Qualität der Kontakte“ ist er zufrieden. Er sei froh, dass die Soltec in diesem Jahr überhaupt stattgefunden habe – das war lange Zeit nicht klar. „Ein Jahr Pause wäre der Todesstoß für die Messe gewesen“, sagt Bochnig, der auch Mitglied im Messebeirat ist. Die Stadt Hameln hätte in seinen Augen die Entscheidung für den einen oder anderen Veranstalter viel früher treffen müssen. So hatte Expotec gerade mal vier Monate Zeit, die Soltec auf die Beine zu stellen. Dietmar Wittkop, der bei der Stadtverwaltung für Wirtschaftsförderung zuständig und alleiniger Ansprechpartner für die Soltec ist, war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Am Mittwoch will der Messebeirat mit dem Veranstalter analysieren, was alles falsch gelaufen ist und wie die 17. Soltec mehr Publikum anziehen kann.



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