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Mit Borke, Herbstlaub, Beeren & Co. wird Grabschmuck abwechslungsreicher und farbenfroher

Trostvolle Zeichen der Liebe und Zuneigung

In der stillen Zeit wird der Toten gedacht: Dieses ritualisierte Erinnern ist in den evangelischen Kirchen an den Ewigkeits- oder Totensonntag geknüpft, der immer auf den letzten Sonntag vor dem ersten Advent fällt und das Ende des Kirchenjahres einläutet. Dann werden die Gräber der Verstorbenen von den Hinterbliebenen mit Grabsträußen, -gestecken und Blumen geschmückt. Denn schon seit Urzeiten haben Menschen Pflanzen gewählt, um ihre Gefühle auszudrücken. Das ist beim Grabschmuck nicht anders.

veröffentlicht am 17.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 15:41 Uhr

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Traditionell spielen hier Tannengrün, Efeu, Moos, Zapfen, Zweige und anderes Trockenmaterial eine dominante Rolle. Würdevoll und gediegen soll der Grabschmuck sein, sind die Gestecke, Kränze und Handsträuße doch äußere Zeichen unserer Achtung, der Verbundenheit, der Erinnerung und der Dankbarkeit. Niedergelegt an einem ganz privaten Ort des Innehaltens und der stummen Zwiegespräche.

Als klassisch galt lange Zeit das Kreuz, Herz oder Kissen aus Islandmoos, das schlicht für sich stand oder mit Tannengrün, Zapfen und Trockenschmuck verziert wurde. Daneben setzten sich Handsträuße aus schlichtem Tannengrün mit Mimosenzweigen, Nelken oder Rosen durch. Oder Tannengestecke mit Trockenblumen. Das alles gibt es auch heute noch. Aber längst sind neue Kreationen dazugekommen, haben saftiges Moos, Efeu und Stechpalme, Beerenzweige, Seiden-, Wachs- und Plastikblüten, Engel und Spruchsteine Einzug in den Grabschmuck gehalten. Der Trend geht zu saisonalen Bepflanzungen mit Alpenveilchen, Erika, Efeu und Scheinbeere in kreuz- und herzförmigen Gefäßen. Es wird bunter und so auch irgendwie tröstlicher auf den Gräbern.

Das zeigt sich in vielen überraschend farbenfrohen Gestecken auf dem Wochenmarkt, die nicht nur an den Ständen der Gärtnereien angeboten werden. Auch andere Marktbeschicker, die neben Obst und Gemüse im Sommer bunte Blumensträuße anbieten, haben jetzt, bevor die Stunde der Adventskränze und -gestecke schlägt, individuell gestalteten Grabschmuck in ihrem Sortiment. Da gibt es das mit Borke und Buchszweigen geschmückte Mooskreuz, in dessen Mitte eine rote Wachsrose prangt, am Stand des Kartoffelhofes Poock aus Fuhlen. Oder nebenan bei Piepenbrink Gestecke, die durch leuchtend rote und gelbe Trockenblumen eine heitere Note haben.

Bei Blumen-Ehlerding findet man neben den üblichen einfachen Handsträußen auch große Doppelgestecke aus Tannengrün oder ein mit Alpenveilchen und Heide bepflanztes Mooskreuz. Hier gibt es auch den prachtvoll mit Beerenzweigen, Pilzen, Herbstlaub, Tannengrün und Trockenblumen bepflanzten Terrakottakasten, der mühelos den Spagat zwischen Herbst- und Advents-Deko schafft. Warum

sollte so ein leben-

diger Naturmix nicht das Grab ei-

nes geliebten

Menschen schmücken?

Bei der Gärtnerei Sporleder nach wie vor gefragt: Grabschmuck mit Islandmoos, auf dem sich neben Zapfen auch Engel und Schleifen befinden. Nur ein paar Schritte weiter bietet die Gärtnerei Vollmer üppig bestückte Ringkränze an, an denen Christrosen „blühen“ – „aus umweltfreundlichem, recycelbarem Plastik“, erklärt Dagmar Ullwer. Auch Stechpalmenzweige mit roten Beeren werden hier eingearbeitet. Eine Freude für die Vögel, die die

Beeren pi-

cken – und für Menschen,

die wissen, dass

der Verstorbene

Tiere geliebt hat. „Im Trend

sind bei uns Gestecke aus Mühlenbeckia und Mooskissen oder -herzen“, sagt Dagmar Ullwer. Mühlenbeckia ist ein Gewirr, das optisch ein wenig an eng vernetzte dünne Weidezweige erinnert. So kommen Naturtöne bei den einen an, während andere Farbenfrohes bevorzugen. Am Ende zählt der individuelle Geschmack – und der des geliebten Menschen, zu dessen Gedenken das Grab geschmückt wird.

Auch wenn es durch Seebegräbnisse, anonyme Bestattungen und Urnengräber weniger Menschen gibt, die auf den Friedhof gehen, um dort Gestecke niederzulegen – an herkömmlichen Gräbern wird der Brauch gepflegt. Ein sichtbares Zeichen der Gefühle und der Zuneigung für den Menschen, der hier ruht.

Vom Hamelner Wochen-

markt berichtet

Karin Rohr

Ein bepflanztes und gestecktes Terrakotta-Kreuz bei Vollmer: Rot, die Farbe der Liebe, dominiert.

Fotos: Dana



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