weather-image
Rund 1000 BHW-Mitarbeiter streiken halben Tag / ver.di-Chef will „diesen Angriff abwehren“

Trillerpfeifenkonzert gegen Kürzungen

Hameln. „Bekommt denn die Deutsche Bank den Hals gar nicht voll“, ätzt Frank Bsirske vor den BHW-Mitarbeitern in Hameln herum. Milliardengewinne allein in Quartalen, Millionengehälter für Vorstände, aber dem einfachen Mitarbeiter „Gehaltskürzungen von 30 Prozent“ zumuten – „nicht mit uns“. Gemeinsam mit 1500 Mitarbeitern von BHW will sich der ver.di-Gewerkschaftschef im Schulterschluss mit der Gewerkschaft Komba gegen das stemmen, was der Postbank-Eigentümer Deutsche Bank bei BHW vorhat: Der Branchenführer will für weniger Geld mehr arbeiten lassen. So plant der Frankfurter Konzern, bei BHW in Hameln die Arbeitszeit von 39 auf 42 Wochenstunden zu erhöhen, den Urlaub um 3 auf 27 Tage zu kürzen, die Gehälter um bis zu sieben Prozent abzuschmelzen. BHW-Betriebsratschef Timo Heider rechnet hoch: „Für neue Mitarbeiter würde das im Vergleich zu den Altverträgen ein Minus von 30 Prozent bedeuten.“

veröffentlicht am 04.11.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 17:21 Uhr

270_008_4923058_hm104_0411.jpg

Autor:

Thomas Thimmund Birte Hansen
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

BHW wurde 2006 von der Postbank übernommen, die ihrerseits inzwischen zur Deutschen Bank gehört. ver.di zufolge sollen 1500 Beschäftigte in ausgelagerte Gesellschaften wechseln und dort neue Arbeitsverträge zu schlechteren Bedingungen abschließen. Die Gewerkschaften verlangen einen eigenen Tarifvertrag für die Betroffenen – und drohen mit Streik. Dr. Peter Specke von Komba sagt: „Wir hoffen, dass die Deutsche Bank das Signal von Hameln verstanden hat und einlenkt. Ansonsten ist eine Ausweitung des Streiks nicht ausgeschlossen.“ Specke und Heider setzen beide auf die heute in Hennef bei Bonn stattfindende neue Verhandlungsrunde zu den Tarifen bei BHW. Die Gewerkschaften sind sich einig darin, dass „BHW kein Billiglohnstandort ist und die Mitarbeiter nicht für Peanuts zu bekommen sind“. Sprecher der BHW-Mutter Postbank sowie der Deutschen Bank wollten die laufenden Gespräche mit den Mitarbeitern nicht kommentieren: „Wir äußern uns erst, wenn die Verhandlungen abgeschlossen sind.“

Zwar sind viele Mitarbeiter begeistert von der kämpferischen Betriebsversammlung in der Rattenfänger-Halle („endlich haben wir uns mal getraut, den Mund aufzumachen“) und der lautstarken Protestkundgebung an der Hochzeitshausterrasse. Beruhigt sind sie nicht. „Sieht nicht gut aus“, kommentiert eine Auszubildende, was ihnen drohen könnte: Keine Übernahme. Alle 120 Azubis hatten sich auf die Bühne in der Rattenfänger-Halle gestellt und vor dem Arbeitsdirektor der Deutschen Bank Ralf Stemmer ihre Ängste offengelegt. Von vielen älteren Kollegen erhielten sie dafür Anerkennung.

Unterstützung erfahren die BHWisten an der Hochzeitshausterrasse von zahlreichen Rednern, darunter Landrat Rüdiger Butte und die Bundestagsabgeordnete der Linken, Jutta Krellmann. Dort heizt Bsirske noch einmal ein und erntet neben Trillerpfeifkonzerten auch etliche neue ver.di-Mitglieder, die noch vor Ort eine Beitrittserklärung unterzeichnen. „Wir sind entschlossen, diesen Angriff abzuwehren“, wettert er auf der Kundgebung, wie Hameln sie noch nicht gesehen hat: Es ist der erste Streik des BHW überhaupt. „Ich hoffe, wir setzen damit ein Signal“, sagt Meike Stangenberg stellvertretend für die übrigen 1000. Sie arbeitet seit 26 Jahren am Standort Hameln und hofft, dass er erhalten bleibt und die Gehälter nicht gekürzt werden.

270_008_4923059_hm105_0411.jpg
  • Von Transparenten umrahmt: Frank Bsirske motiviert die Massen, sich gegen die Pläne der Deutschen Bank aufzulehnen. Fotos: Wal

Einen Videobericht und zahlreiche Fotos vom Streik online unter dewezet.de



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt