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Verschollen und wiederaufgebaut

Treser-Club-Rallye: Klassiker, Exoten und Rennautos im Weserbergland

HAMELN / WESERBERGLAND. Es ist Samstagmorgen, 9.30 Uhr, der Himmel über Hameln ist trüb, doch am Stockhof reihen sich Fahrer in ihren Klassikern, Exoten und Rennautos hintereinander. Sie warten alle auf den Start der 15. Treser-Sommerausfahrt. Einer von ihnen ist Sven Dreyer – er macht sich an diesem Morgen mit einem ganz besonderen Auto auf den Weg auf die knapp 150 Kilometer lange Strecke durchs Weserbergland.

veröffentlicht am 26.09.2021 um 15:00 Uhr
aktualisiert am 28.09.2021 um 20:30 Uhr

Maximilian Wehner 2

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Reporter / Producer zur Autorenseite

Der Lack schimmert grün-schwärzlich, die Front schaut bissig aus, die große Haube lässt erahnen, dass sich darunter ein leistungsstarker Motor befindet. Auf dem Kühlergrill prangen vier Ringe – ein Audi, doch das Logo unter dem Kühlergrill verrät, dass es kein normaler Audi ist. Dort ist die Aufschrift „Treser“ zu lesen – ein Treser Audi, genauer gesagt ein Treser Audi Quattro Roadster.

Treser Club Hameln

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Quelle: MW

Schon beim Einsteigen in den grünen Boliden ist man in das letzte Jahrtausend zurückversetzt. Die Sitze sind mit beigem Leder und Velours-Stoff überzogen, in den das Treser-Logo eingearbeitet ist. Auf dem Fahrersitz Sven Dreyer. Er ist 54 Jahre alt, hat dunkle Haare, trägt eine Brille und – wie könnte es anders sein – ein Treser-Polo-Shirt und darüber eine Treser-Weste.

Sein Blick liegt auf dem Startbereich, seine Hände auf dem Lenkrad. Davor zahlreiche Anzeigen im Armaturenbrett. „Mit diesem Auto hat Walter Treser Pionierarbeit geleistet, erklärt Dreyer. Dieses Auto habe so viele technische Finessen. In einem Auto aus Mitte der 80er Jahre erwarte man „nicht so viel Technik“, doch dieses Auto sei seiner Zeit weit voraus gewesen, so Dreyer – sei es das Lenkrad mit Daumenauflage, das Treser patentieren lassen habe, ein Bordtelefon mit Anrufbeantworter oder Knöpfe zum Öffnen und Schließen des Garagentors.

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Sven Dreyer neben seinem chinagrünen Boliden. Foto: MW

Er dreht den Zündschlüssel um. Auf diesen Moment hat Dreyer lange Zeit hingearbeitet. Der Motor will nicht sofort anspringen, doch schon beim zweiten Versuch startet das Auto. Der Auspuff brummt, sanft drückt er aufs Gaspedal. Dann betätigt Dreyer einen Knopf. Das Hardtop fährt ein und verschwindet ganz automatisch hinter der Rücksitzbank – in Sekunden wird der Roadster zum Cabrio. Das, was heute Standard ist, habe es vor knapp 40 Jahren noch nicht gegeben. „Das war einmalig zu dieser Zeit“, erklärt Dreyer. „Es gab kein Roadster mit versenkbarem Hardtop.“

Dann fällt die Start-Flagge, Dreyer rangiert sein Fahrzeug auf den ersten Parcours, von da aus geht es quer durchs Weserbergland – auf dem Weg müssen noch einige Aufgaben erledigt werden. Das erste Ziel: das Kaiser-Wilhelm-Denkmal bei Porta Westfalica.

Dass Dreyer an diesem Tag mit seinem Boliden in Chinagrün starten kann, habe aber viel Zeit in Anspruch genommen. Im März 2018 habe alles angefangen. Er habe vom Treser-Club-Vorsitzenden, Carsten Nitzsche, eine E-Mail erhalten, dass so ein Fahrzeug in Reutlingen stehe, das wieder „zum Leben erweckt werden müsste“. Nachdem der Kontakt mit dem Verkäufer hergestellt war, fuhr Dreyer mit Transporter und Trailer am 30. April 2018 nach Reutlingen. Mit dabei: Treser selbst, der sich sein Bild von „seinem“ Fahrzeug machen wollte.

Doch was die beiden in Reutlingen erwartete, habe keiner für möglich gehalten, so Dreyer. „Ich habe ein komplett zusammengebautes Auto erwartet.“ Doch der Treser Audi schlummerte seit Ende der 80er Jahre in einem 40-Fuß-Container – komplett in Einzelteile zerlegt. Nach einer langwierigen Verhandlung wurde das Auto kurzer Hand mitgenommen. „Gut, dass Treser dabei war“, sagt Dreyer. Treser habe darauf geachtet, dass alle Teile komplett waren. „Wir haben alles gesucht und gefunden. Wäre ich alleine gewesen, hätte ich irgendwas vergessen“, meint Dreyer.

Schon am Tag nach dem Kauf begann die Planungsphase – ebenfalls zusammen mit Treser. Ersatzteile mussten besorgt werden, für Spezialarbeiten mussten Firmen aufgetrieben werden. Zwei Jahre lang hat Dreyer an diesem Auto gesessen, um es wieder fit zu bekommen. Ziel, war es, das Auto zum Sommertreffen 2020 fertig zu bekommen. „Und das haben wir auch geschafft.“ Doch: Das Sommertreffen im vergangenen Jahr musste aufgrund der Corona-Pandemie ausfallen. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Ein gutes Jahr später ist Dreyer mit seinem grünen Flitzer dabei, der geradezu durch die Kurven des Weserberglands gleitet. Immer wieder drückt Dreyer aufs Gas, der Motor brummt, der Turbolader pfeift. Dann erreicht Dreyer das Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Halbzeit der Rallye durchs Weserbergland. Er steuert seinen Wagen langsam auf den Vorplatz des Denkmals, wo bereits zahlreiche Boliden für ein Gruppenfoto aufgestellt sind.



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