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Traum vom Traum und Sommernachtstraum

veröffentlicht am 13.05.2012 um 15:11 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:34 Uhr

Von Richard Peter

Hameln. Die Hormone spielen verrückt – ob Mittsommernacht im Norden oder eine schlichte Sommernacht in Athen. Und bei Shakespeare sowieso und erst recht beim „Sommernachtstraum“, seinem beliebtesten Stück. Nicht nur, weil Mendelssohn einen Hochzeitsmarsch dazu komponiert hat. Ein Traumspiel, in dem alles durcheinander gerät: Athens Jeunesse doré, das Feenreich und das Volk.
 In den 90er-Jahren war sie geradezu Kult, die bremer shakespeare company, auch bei uns – und schon damals: „Ein Sommernachtstraum“. Jetzt erneut und als Tournee-Premiere am Samstagabend im Theater Hameln und die „company“ in altem Glanz und hinreißend realistisch. Und das ganz unrealistisch. Wie das bunte Spiel, in der die Liebe ihre Spielchen treibt und wunderliche Blüten. Ein Traum eben – mit acht Schauspielern nur in 22 Rollen. Auch das ein besonderer Reiz.
 Eine Hochzeit wie weiland Albert und Charlene und zwei Jet-Set-Pärchen. Gefühlschaos. Hermia liebt Leander, ist aber Demetrius versprochen und Helena liebt Demetrius, der von ihr partout nichts mehr wissen will, obwohl das schon Mal ganz anders war. Dazu Puck, der Troll, von dem schon Alfred Polgar schrieb, dass er in einem Busch lebt, der Wilhelm heißt. Ein boshafter Puck also, der das Durcheinander potenziert. Auch Oberon – bei dem der Haussegen wegen eines hübschen Knaben schief hängt – mischt mit. So verliebt sich seine Titania in den Handwerker Zettel, der von Puck in einen Esel verwandelt wurde. Zettels Traum. Und wie es sich für eine Komödie gehört: Zum Schluss stehen drei Paare auf der Bühne, dürfen die Handwerker zur Hochzeit ihr Stück von Pyramus und Thisby aufführen.
 Das Ereignis – neben Shakespeare in modifizierter Übersetzung: das Ensemble. Theseus (Erik Roßbander) und Hippolyta (Ulrike Knospe) – sonst eher stiefmütterlich behandelt, diesmal sozusagen staatstragend und saukomisch.
 Und klar doch: Herrscher bleibt Herrscher, sind sie auch im Feenreich als Oberon und Titania erfolgreich unterwegs. Und die Liebespaare, die unter Dauerstrom stehen, weil immer alle falsch verliebt sind – sind auch die Handwerker, bis auf Zettel und Puck, der am Hof auch als etwas schwuchteliger Zeremonienmeister fungiert.
 Bei so viel Liebe geht’s munter drunter und drüber, wird gestritten, gebettelt, geflucht und getrickst. Hinreißend Helena (Erika Spalke), wenn sie die Liebesschwüre als blanken Hohn empfindet und Petra-Janina Schultz als Hermia, die nicht begreifen will, warum sie plötzlich nicht mehr geliebt wird. Dazu getriebene Treiber: Markus Seuß als Demetrius und Tim D. Lee als Lysander. Sonderlob für die Handwerker mit Peter Lüchinger als Zettel mit Schwyzerdütsch auf der Bühne und das Berlinisch der Hermia als Squenz steht ihm in nichts nach. Sie übertreiben gnadenlos, diese Handwerker – aber sie stehen dazu. Das macht ihre Qualität aus. Und verständlich, dass Hippolyta losheult und Theseus sich das erste Mal wundern darf über seine frisch Angetraute.
 Ein Theaterspaß der Edelklasse, den Benno Ifland da so komödiantisch inszeniert hat. Ein Spuk, ganz real und märchenhaft auf einer schräg gestellten Scheibe (Ausstattung: Heike Neugebauer). Und bei aller Traumatik einfach traumhaft. Und ganz leicht für Puck, epilogisch Applaus einzufordern.



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