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550 erweisen Verstorbenem letzte Ehre

Trauerfeier: Bestatter schlägt Antiziganismus entgegen

AFFERDE. Für Aufsehen hat am Mittwoch eine außergewöhnlich große Bestattung in Afferde gesorgt. Rund 550 Trauergäste aus ganz Deutschland und dem angrenzenden Ausland waren zum Friedhof in dem Hamelner Ortsteil gekommen, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Allerdings war auf diesen Andrang offenbar niemand vorbereitet, sodass die Verkehrssituation teilweise problematisch war. Ein Problem ganz anderer Natur trat bereits am Tag zuvor zutage: Da soll dem Bestatter offener Antiziganismus entgegengeschlagen sein.

veröffentlicht am 14.06.2019 um 17:12 Uhr

Am Rande der Bestattungsfeier am Mittwoch ging es teilweise weder vor noch zurück. Foto: pr
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Die Parkplätze des Friedhofs am Scheckfeldweg reichten bei Weitem nicht aus, die Reihen der parkenden Autos zogen sich vom Waldrand bis weit in das Gewerbegebiet hinein. Auf Fotos ist zu sehen, wie eng es in diesem Zuge für die dort verkehrenden Lastwagen wurde. Zwischenzeitlich sei es für manche Autofahrer weder vor noch zurückgegangen, wie Besucher der Beerdigung schilderten, Autos hätten sich gegenseitig zugeparkt.

Zum Hintergrund: Bei dem Verstorbenen handelte es sich um einen Angehörigen der Sinti. Bestattungen dieser staatlich anerkannten deutschen Minderheit fallen häufiger verhältnismäßig groß aus. Da der Platz auf dem Friedhof Wehl für die teilweise aufwendig gestalteten Gräber der Sinti zuletzt immer knapper geworden sei, hat die Stadt Hameln ihnen in Absprache ein Gräberfeld auf dem Friedhof in Afferde in Aussicht gestellt. Die Bestattung am Mittwoch war nun die erste Sinti-Beerdigung in dem Ortsteil. Doch mit einer derartig großen Anzahl von Trauergästen hat die Stadt offenbar nicht gerechnet, obwohl es bereits in der Vergangenheit zu vergleichbar großen Beerdigungen von Sinti am Friedhof Wehl gekommen war.

Das Ausmaß der Trauerfeier am Mittwoch sei nicht die Regel, wie der Sinto Franz Laubinger aus Emmerthal sagt. Nicht alle Bestattungen seien so groß wie diese. „Aber der Verstorbene hat eine sehr große Familie und war sehr beliebt“, sagt Laubinger, der die Beerdigung gemeinsam mit dem Bruder, einem bekannten christlichen Prediger, des Verstorbenen und dem Hamelner Bestatter Florian Fähndrich organisiert hat. Der Verstorbene wurde 57 Jahre alt.

„Nach Aussage des Bestatters waren es bis zu 550 Trauergäste, die zu der Beerdigung gekommen sind“, teilt Stadtsprecher Thomas Wahmes auf Anfrage mit. „Es ist klar, dass dies zu Problemen führt.“ Letztlich hätten „die Friedhofsmitarbeiter in Zusammenarbeit mit dem Bestatter aber alle Probleme lösen“ können.

Allerdings wolle die Stadt Hameln aufgrund dieser Erfahrung „künftig den voraussichtlichen Umfang der Beerdigungen kritisch hinterfragen“, so Wahmes. Denkbar seien „besondere Auflagen und Maßnahmen, insbesondere hinsichtlich der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“. So müsse beispielsweise gewährleistet werden, dass die Rettungskräfte im Ernstfall noch zum Friedhof durchkommen können.

Zu denken gibt, was sich offenbar am Vortag der Beerdigung auf dem Friedhof abgespielt hat. Wie der Hamelner Bestatter Florian Fähndrich sagt, habe er am Dienstag während der Aufbauarbeiten von fünf verschiedenen Personen aus dem Ort teilweise „schwere Anfeindungen“ über sich ergehen lassen müssen – eben weil dort Sinti bestattet werden sollten. So schwer, dass Fähndrich eine Person des Friedhofs verwiesen habe und in Sorge vor Vandalismus sogar eine Nachtwache habe aufstellen lassen.



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