weather-image
Theodor-Heuss-Realschule kämpft um den fest angestellten Sozialpädagogen Torsten Breuer

„Torte“ lebt von der Schweigepflicht

Hameln (git). Es ist Mittwoch. Um 7 Uhr morgens brennt wie jeden Schultag im Freizeitbereich der Theodor-Heuss-Realschule (THRS) schon das Licht. Mittendrin befindet sich das Büro von Torsten Breuer. Der Sozialpädagoge begleitet Schüler, Eltern und auch Lehrer in vielfältiger Weise durch den Schulalltag. Einer der ersten Schüler, die heute den Freizeitbereich bis zum Schulstart um 8 Uhr nutzen, ist Markus B. (Name von der Redaktion geändert). Der Sechstklässler schlendert durch die Tür, setzt ein Lächeln auf, sagt „morgen, Torte“ und stellt seinen Cityroller wie selbstverständlich neben den Schreibtisch des Sozialpädagogen. „Das ist vorher so abgesprochen,“ sagt Breuer, „nur zu viele Cityroller dürfen das natürlich nicht werden.“

veröffentlicht am 01.12.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 13:41 Uhr

Stets von Schülern umlagert: Sozialpädagoge Torsten Breuer (Mi., mit grauem Pullover) in der Theodor-Heuss-Realschule. Foto: git
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Einige nennen ihn bei seinem Spitznamen, andere mit dem Vornamen, „Herr Breuer“ sagt eigentlich niemand. „Das gegenseitige Grüßen mit Namen ist mir sehr wichtig und schafft eine freundliche Atmosphäre,“ erklärt der Sozialpädagoge. „Erst, wenn eine gewisse Vertrauensbasis mit den Schülern geschaffen wurde, kann ich auch pädagogisch arbeiten“, sagt Breuer weiter. Er sieht sich nicht nur als Bindeglied zwischen Schülern und Lehrern, sondern auch zwischen Eltern, Lehrern und Schülern. Die Schweigepflicht sei eine wichtige Grundlage für diese Arbeit. Im sozialen Netzwerk der bestehenden außerschulischen sozialen und psychologischen Anlaufstellen, wie der jugendpsychologische Dienst oder das Jugendamt, ist Breuer mit seiner Arbeit fest etabliert. Dass er montags bis freitags für die 570 Schüler und Schülerinnen der offenen Ganztagsschule bereits eine Stunde vor dem Unterricht erreichbar ist, wissen die Pennäler ganz genau und kommen gerne auch mit kleinen Problemen zu ihm. Heute ist es ein vergessener Schließfachschüssel und die Bitte um die Ausleihe eines Wörterbuches für die bevorstehende Englischarbeit.

„Vor dem Unterricht tummeln sich im Durchschnitt 60 bis 80 Schüler hier“, berichtet der Sozialpädagoge. Einige wollen sich mit Freunden treffen, andere machen Schularbeiten oder wollen ein paar Worte mit Torsten quatschen. Der Freizeitbereich mit Sitzgelegenheiten, Billard- und Kickertisch besteht aus drei großzügigen Räumen nebst Zugang zum Außengelände. Große Fenster von Raum zu Raum schaffen Licht und Durchblick. Er hat, als eine Art Jugendzentrum, seinen festen Platz bei den Schülern und Schülerinnen und wird vor dem Unterricht, während der Pausen und nach Schulschluss genutzt.

Mittlerweile kann die THRS auf 21 Jahre Ganztagsbetreuung zurückblicken. 1989 war die Schule an der Breslauer Allee eine der Ersten in Niedersachsen, die sich an dem Pilotprojekt Ganztagsbetreuung beteiligte. Seit 1994 ist die THRS offizielle offene Ganztagsschule. Charakterisierend für die Form einer „offenen Ganztagsschule“ ist ein besonderes „Betreuungspaket“, das von den Schülern wahrgenommen werden kann. Am Nachmittag gibt es neben den offenen Angeboten im Freizeitbereich interne und externe Arbeitsgemeinschaften, zusätzliche Verfügungsstunden, Förderstunden sowie Arbeits- und Übungsstunden für ausgewählte Klassenstufen. Torsten Breuer ist seit sieben Jahren an der Schule und koordiniert die 30 AGs, die er organisiert hat. Hausaufgabenbetreuung mit Fachkräften vervollkommnen das Angebot. Einzelfallhilfe für Schüler mit verfestigten schulischen, persönlichen oder sozialen Problemen gehört ebenfalls zum Aufgabenbereich. „Mein sozialpädagogischer Ansatzpunkt lässt mich zwischen Lehrern und Schülern einfacher vermitteln“, sagt er. Auch die Beratung von Eltern, zum Beispiel zum Aufzeigen von Handlungsalternativen, fällt in seinen Aufgabenbereich.

„Eltern melden ihre Kinder gezielt bei uns an, weil sie das Betreuungsangebot von montags bis donnerstags von 7 Uhr bis 16 Uhr sowie freitags bis 15 Uhr wertschätzen“, sagt Schulleiterin Ingeburg Schröder. Für viele Schüler sei das Betreuungsangebot eine wichtige Alternative zu den Angeboten der städtischen Jugendpflege. Allerdings seien Teilnahmen nach Anmeldungen für die AGs, den Förderunterricht usw. verbindlich.

Auf dem Schreibtisch des Sozialpädagogen liegen wie jeden Tag die dazugehörigen Listen. Nur wenige Kinder haben gestern unentschuldigt gefehlt. Breuer wird nachhaken, warum die Schüler gefehlt haben. Heute findet in der achten Stunde die „Streitschlichter-AG“ statt. Besonders beliebt seien in diesem Halbjahr die Fitness-AG und die „Lets-Dance-AG“, sagt Breuer. „Wir sind eine offene Ganztagsschule nach ursprünglicher Konzeption mit der entsprechenden Personalausstattung“, erklärt die Schulleiterin und ergänzt: „Bei einer Auflösung unserer Schule im Zuge einer integrierten Gesamtschule wäre ein wichtiges und erfolgreiches Betreuungsangebot in der Stadt Hameln unwiederbringlich verloren.“

Die besonderen Lehrerstunden und die Beschäftigung eines fest angestellten Sozialpädagogen seien einmalig und nicht übertragbar. Ingeburg Schröder: „Das Land stattet offene Ganztagsschulen inzwischen personell nicht so aus wie in früheren Zeiten, deshalb setzen wir uns für den Erhalt unserer Theodor-Heuss-Realschule ein.“



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt