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Einrichtung will mit diesem Anreiz Fachkräfte locken

Tönebön-Stiftung übernimmt Pflegekammerbeitrag für Mitarbeiter

HAMELN/HANNOVER. Die Hamelner Tönebön-Stiftung geht im Streit um die neue Pflegekammer einen ungewöhnlichen Weg: Sie will ihren Mitarbeitern den Beitrag bezahlen. Regine Latzko, Alleinvertretungsberechtigter Stiftungsvorstandes, sieht es „als Anreiz“. Angesichts des Mangels an Pflegekräften ist der Wettbewerb unter den Einrichtungen groß.

veröffentlicht am 10.01.2019 um 11:50 Uhr
aktualisiert am 11.01.2019 um 19:30 Uhr

Ist die Übernahme des Pflegekammerbeitrags die Lösung für den Streit zwischen Pflegenden und der neuen Pflegkammer? Foto: dpa
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Die Frage, ob man im Tönebön diesen Weg gehe, weil man mit Qualitätsmanagerin Kerstin Stammel auch ein Kammerversammlungsmitglied im Haus hat, verneint Latzko und betont, man wäre diesen Weg auch so gegangen.

„Für mich persönlich ist das eine gute Sache“, sagt Thomas Tilly, der als Pfleger im Tönebön am See arbeitet. Die Frage sei aber, wie andere Arbeitgeber sich verhalten. „Über eine vom Arbeitgeber finanzierte Pflegekammer mit Stimmrecht bei den Fachkräften muss man natürlich neu nachdenken“, sagt er. Doch wie realistisch ist der Weg?

Das Sana-Klinikum jedenfalls wird die Beiträge nicht übernehmen. Auch für Pflegedienstleiter Manuel Jösting vom Seniorenheim Riepenblick ist die Übernahme keine Option. Er ist grundsätzlich gegen die Zwangsverkammerung und davon überzeugt, dass der Protest Erfolg haben wird. Mitspracherecht kann aus seiner Sicht anders organisiert werden.

Aus Sicht der Landtagsabgeordneten und gelernten Kinderkrankenschwester Petra Joumaah (CDU) könnte diese Aufgabe genausogut der Landespflegerat übernehmen. Die Gegnerin der Pflegekammer ist nicht davon überzeugt, dass es reicht, die Beitragsordnung der Kammer zu ändern.

Um die ging es gestern maßgeblich. Nach deutlicher Kritik von Sozialministerin Cornelia Reimann (SPD) zum Vorgehen der Pflegekammer will deren Chefin, Sandra Mehmecke, die Festlegung des Höchstbeitrags für die künftigen Bescheide sofort abstellen. Der gestern in Hannover tagenden Kammerversammlung wollte sie mit „Hochdruck empfehlen“, die Beitragssatzung zu überarbeiten.

Das soll nun geschehen. Auf der Versammlung kam man überein, ein neues Beitrags-Modell zu erarbeiten, das eine Abkehr vom Höchstbetrag beinhaltet, wie ein Sprecher der Pflegekammer erklärte. Der, räumt er ein, habe nicht funktioniert. Außerdem wurde die sogenannte „Übergangsweiterbildungsordnung“ verabschiedet, die noch im Sozialministerium geprüft werden müsse.

Doch viele wollen, so wie Manuel Jösting, mehr als das. Nämlich die Abschaffung der Pflegekammer. Mittlerweile haben mehr als 42 138 Menschen die von einem Krankenpfleger vor Weihnachten gestartete Online-Petition unterzeichnet, die ihre Auflösung fordert (wir berichteten). Die Diskussion um die erst im August gestartete Pflegekammer war dadurch neu entfacht worden.

Sollte die Kammer trotz der massiven Proteste starten, will Petra Joumaah dafür kämpfen, dass die Ergebnisse der Pflegekammer im Juni 2020 überprüft werden. „Und zwar nicht vom Sozialministerium, sondern von einem externen Anbieter.“ Joumaah erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass das Ministerium gewusst habe, dass in den verschickten Bescheiden der Höchstbetrag von 140 Euro pro Halbjahr gefordert wurde und nicht eingegriffen habe.

Eine Abschaffung der Kammer bei schlechtem Ergebnis ist ihre Empfehlung.

Mein Standpunkt
Dorothee Balzereit
Von Dorothee Balzereit

Dass andere Einrichtungen diesen Weg gehen, scheint mir unwahrscheinlich. Die Geste ist entgegenkommend, doch das Vertrauen in die Pflegekammer hebt sie nicht. Wohl die Mehrzahl der Pflegenden sieht die Kammer als stumpfes Schwert. Sie möchten Hebel, die bei Arbeitsbedingungen und Gehältern ansetzen.

Über eine vom Arbeitgeber finanzierte Pflegekammer mit Stimmrecht bei den Fachkräften muss man natürlich neu nachdenken.

Thomas Tilly, Pfleger


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