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Hochschule stellt Studiengang Gesundheitsmanagement ein / Steigende Gebühren sollen Defizit auffangen

Todesstoß für einen „kranken Patienten“

Hameln. Ja, ja, die Gesundheitsregion. Was wurde sie nicht gefeiert! Und jetzt: Ist ganz plötzlich, still und leise, einer der wesentlichen Bausteine in sich zusammengefallen. Die Hochschule Weserbergland (HSW) hat auf die Bremse getreten, bevor das Vehikel „Gesundheitsmanagement“ überhaupt in Fahrt kam und hat den berufsbegleitenden Studiengang eingestellt. Auf der brandneu gestalteten Homepage taucht das Angebot schon nicht mehr auf. Die sieben Studenten, die sich für den Studiengang entschieden hatten, dürfen aber noch ihren Abschluss machen – bis 2017 wird der Fachbereich weitergeführt.

veröffentlicht am 29.10.2015 um 17:57 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 07:21 Uhr

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Autor:

von andrea tiedemann
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Hieß es Ende April von HSW-Präsident Prof. Volkmar Langer noch, man wolle versuchen, den schleppend laufenden Studiengang wiederzubeleben, wurde nur kurz darauf entschieden, ihn komplett einzustellen. Der Todesstoß also, um einen „kranken Patienten“ nicht zu lange mitversorgen zu müssen.

Wissenschaftsrat gibt grünes Licht bis 2020

Die HSW jedenfalls will sich offenbar finanzielle Experimente in den nächsten Jahren besser nicht leisten. Denn die derzeitigen Jahresergebnisse sehen defizitär aus: mit 165 841 Euro minus im vergangenen Jahr und 156 700 Euro minus fürs laufende Jahr. Das war allerdings auch geplant – ab 2016 soll es dann nach Plan wieder aufwärtsgehen; es wird ein Jahresergebnis von 100 000 Euro erwartet. Da passt ein teurer Studiengang, der wenig Nachfrage hat, nicht ins Bild. Aufwärts geht es in den Bilanzen allerdings nicht unbedingt, weil viel eingespart wird, sondern auch, weil mehr eingenommen wird. Auch von den Studierenden: Die Gebühren steigen – das erste Mal seit der Gründung 2010. Zum August 2016 müssen Studierende 30 Euro pro Monat mehr zahlen. Damit steigt die monatliche Gebühr auf 580 Euro und liegt im Vergleich zu anderen Hochschulen in privater Trägerschaft im oberen Bereich. Die HSW finanziert sich zu 93 Prozent über die Gebühren – derzeit sind 512 Studierende eingeschrieben. Bis zum Wintersemester 2017/18 sollen es aber 590 Studierende sein.

Die Entscheidung, sich vom unrentablen Studiengang Gesundheitsmanagement zu trennen, wurde offenbar auch durch einen gewissen Druck von außen befördert: Der Wissenschaftsrat, der Bund und Länder bei der Entwicklung von Hochschulen, Wissenschaft und Forschung berät und auch darüber entscheidet, ob die HSW ihre Akkreditierung als staatlich anerkannte Hochschule behält, saß ihr im Nacken. „Dass wir uns auf die bewährten Angebote beschränken, wurde anerkannt“, fasst Langer die Botschaft zusammen. Anerkannt allerdings auch nur zum Teil: Denn die HSW hat zwar ihre Akkreditierung erhalten – allerdings nur für die nächsten fünf und nicht – wie von Langer angestrebt – für zehn Jahre.

Dass die Gesundheitsregion mit der Entwicklung wieder einen Dämpfer bekommt, sorgt beim Landkreis nicht gerade für großen Wirbel. „Die Entscheidung der HSW zur Einstellung des Studienganges ,Gesundheitsmanagement‘ ist sehr zu bedauern, gleichwohl aber auch zu akzeptieren, wenn damit keine Rentabilität erzielt werden konnte“, heißt es in einem Presse-Statement. Rentabilität. Darum geht es also in erster Linie? Ist die HSW wirtschaftlich gesund, kommt es auf die Gesundheitsregion dann nicht mehr so an? Dass der Landkreis seinen Förderungs-Anteil für die HSW – derzeit 240 000 Euro jährlich – erhöht, um dem Gesundheits-Studiengang auf die Beine zu helfen, schien bisher zumindest keine Option.

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