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Hospizverein präsentiert Stephan Frankes Programm zu einem Tabu

Tod und Sterben – ein Thema fürs Kabarett?

Hameln. Darf man über Themen wie Sterben, Tod und Begräbnis eigentlich unbefangen witzeln? Durchaus. Wenn man das Tabu-Thema so anpackt wie der Krefelder Kabarettist Stephan Franke. Der war auf Einladung des von Marita Kalmbach-Ließ geführten Hospizvereins Hameln mit seinem Soloprogramm „Ruhe sanft!“ in die Sumpfblume gekommen und brachte nach leicht hölzernem Anfang die dort versammelte, überwiegend weibliche Trauergemeinde mit allerlei fantasievollen Geschichtchen ums Sterben so richtig in Schwung.

veröffentlicht am 22.11.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 15:41 Uhr

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Autor:

Ernst August Wolf
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Nicht nur die Reaktionen der zehn Damen einer Bisperoder Frauengruppe machten deutlich, dass gekonnter Witz zum Thema Tod keinesfalls platt und pietätlos sein muss. Da gerät etwa Frankes Nummer über ein „elektronisches Spiritismusnetz“, mit dem zu „Ghost-Talk“-Sondertarifen per „Séance Pad“ eine „Jenseits Connection“ zu Verstorbenen aufgebaut werden kann, zu einer ebenso amüsanten wie virtuosen Aktion. Und wenn der wie ein Beerdigungsunternehmer in dezentes Schwarz gekleidete Kabarettist die Rolle wechselt und im Kittel eines Mitarbeiters über Tante Lottis Sterbeversicherung, über Grabstellenbelegung und Urnen plaudert, dann beweist der Niederrheiner neben jeder Menge Sprachwitz auch, dass Trauerkabarett eine durchaus lustvolle Form von Schicksalsbewältigung sein kann.

Sicher, Trauer und Tod sind in unserem Kulturkreis eindeutig definierte Themen, die außerdem, je schnelllebiger die äußeren Umstände, desto stärker verdrängt werden. Da tut es gut, wenn jemand wie Franke dem entgegenwirkt. „Verdrängung hat keine Chance!“, behauptet er, und in der Tat fühlt sich sein Programm ein bisschen an wie das Angstpfeifen im dunklen Keller. Drastische Überzeichnungen wie die Geschichte von Neros Römertopf, der eigentlich ein Hundegrab ist, lassen einem so manchen Kloß im Halse stecken. Andere Texte, sprachlich teils sehr stark und an Frankes Kollegen Horst Evers erinnernd, begeistern durch ihre überzeugende Mischung von durchscheinendem schwarzen englischen Humor und einem sorgfältig beobachteten, mitunter typisch deutschen Umgang mit Trauer, Tod und Sterben.

Wenn auch sicherlich nicht in allen Facetten ausgereift, so lieferte Stephan Frankes „Ruhe sanft!“ an diesem Abend dennoch den Beweis, dass auch scheinbare Tabuthemen kabarettistisch gut aufbereitet durchaus befreiende Wirkung haben können.



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