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„Tivi’s Märchenspiel“ steht vor Riesenproblem

veröffentlicht am 09.06.2011 um 09:19 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:35 Uhr

Hameln (ni). Vor nicht einmal zwei Jahren hat sich der Verein „Tivi‘s Märchenspiel“ in Räumen der Jugendwerkstatt häuslich eingerichtet. Jetzt erhielt die traditionsreiche Theatergruppe völlig überraschend die Kündigung.

Als sich der Tivi-Vorsitzende Thomas Feuersenger Mittwoch vergangener Woche auf Einladung des kommissarischen Werkstattleiters Bernt Renzenbrink auf den Weg in die Ruthenstraße machte, war er noch guter Dinge. „Ich dachte, Herr Renzenbrink wollte sich nur vorstellen und vielleicht auch über eine Mieterhöhung reden“.

Dass die angesichts der finanziellen Schwierigkeiten anstehen könnte, in denen die JWH bekanntlich steckt – damit hatte Feuersenger gerechnet. Als ihm stattdessen aber die Kündigung der Räume angekündigt wurde, war er „erst mal platt“. Seit vorgestern hat es schriftlich: Kündigung des Mietverhältnisses zum 31. August dieses Jahres. Und damit zu einer Zeit, in der die 100 Kinder der Truppe eigentlich mitten in den Proben für die Aufführung des Weihnachtsmärchens stecken und nichts dringender brauchen als ihren Probenraum mit Bühne, Kulisse und Garderobe.

Feuersenger ist enttäuscht. Der langjährige Leiter der diakonischen Einrichtung des Kirchenkreises Hameln-Pyrmont, Klaus-Dieter Jösten, hatte Tiwi die Räume gegen die geringe Miete von 60 Cent pro Quadratmeter überlassen – „weil er unsere Arbeit mit den Kindern schätzte und uns unterstützen wollte“, so der Vorsitzende. Jetzt gehe es „nur noch um Wirtschaftlichkeit“, so seine Vermutung.

Superintendent Philipp Meyer widerspricht dem nicht. Die Gründe für die Kündigung liegen laut Aussage des Kirchenmannes tatsächlich in der „finanziell prekären Situation der Jugendwerkstatt“. Um von den zu hohen Kosten der Einrichtung runterzukommen, soll nämlich der Komplex Ruthenstraße 16-18 verkauft werden, in dem unter anderem die Schlosserei der JWH sowie sechs Büros untergebracht sind. Die von Tivi belegte Etage in der Ruthenstraße 10 werde dann benötigt, um die Büros dorthin umzusiedeln.

Renzenbrink, vom Kirchenkreis als Sanierer der Jugendwerkstatt eingesetzt, hat ausgerechnet, dass der Etat der JWH auf diese Weise monatlich um rund 6000 Euro entlastet werden könnte. So viel überweist die Einrichtung nämlich jeden Monat für Miete und Nebenkosten an den Eigentümer des alten Gebäudes: den Kirchenkreis Hameln-Pyrmont.

Meyer sagt, es tue ihm „wahnsinnig leid“, dass die Konsolidierungsmaßnahmen der JWH ausgerechnet Tivi treffen, zumal der Kirchenkreis das Theaterprojekt „gerne unterstützt“ habe. Er sagt aber auch: „Wir müssen verantwortlich mit den Kirchensteuergeldern umgehen.“ Und „Geschenke“ wie eine Miete von 60 Cent könne sich der Kirchenkreis nun einmal nicht mehr leisten. Aber auch mit dem Fünffachen des Betrages, räumt er ein, wäre der JWH nicht geholfen: „Wir brauchen die Räume.“ Ob tatsächlich schon zum 31. August, ist laut Meyer noch dahingestellt. Das Datum sei aus rechtlichen Gründen gewählt worden „und bedeutet nicht zwangsläufig, dass Tivi tatsächlich auch so schnell raus muss“.

Renzenbrink würde der Theatertruppe gern die Werkstatt-eigene Sporthalle als Alternative anbieten. Die müsste Tivi sich dann allerdings mit darin auch weiterhin aktiven Sportlern teilen. So eine „multifunktionale Nutzung müsste mit entsprechenden Absprachen und bei guten Willen doch hinzukriegen sein“, glaubt er. Feuersenger glaubt das nicht: „Da stehen Geräte, und wo sollen wir mit unseren Kostümen und Bühnenbildern bleiben?“ Zu jeder Probe alles mitschleppen, aus dem Koffer leben – für den Vorsitzenden ist das keine verlockende Perspektive. Und darum haben sich Mitglieder des Vereins in den letzten Tagen auch schon mal nach anderen Möglichkeiten umgehört – und ein Auge auf den Regenbogen geworfen. Doch ob Tivi dort ein neues Zuhause finden kann, ist laut Feuersenger noch völlig offen. Platz gäbe es dort nach Aussagen von Mitarbeitern der städtischen Einrichtung wohl. Aber ob die Stadt ihn auch zur Verfügung stellen würde oder damit anderes vorhat – „das müssen wir erst noch klären“.

Übrigens: In dem der Jugendwerkstatt gehörenden Gebäude Ruthenstraße 10 hat auch der Kreissportbund sein Domizil, allerdings räumlich getrennt von Tivi. Ihm ist nicht gekündigt worden, jedenfalls bisher noch nicht, wie Vorsitzender Fred Hundertmark gestern versicherte. „Und ich bin optimistisch, dass wir auch weiterhin Mieter der Jugendwerkstatt bleiben können“, sagte er.



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