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Interessenten müssen Anforderungen erfüllen

Tierheim vermittelt nicht an jeden

HAMELN. Ein Tier aus dem Tierheim zu bekommen ist schwieriger als ein Kind zu adoptieren? Dieser Vorwurf wurde von einem Nutzer bei Facebook gegen das Hamelner Tierheim erhoben. Doch macht es das Heim den Tierliebhabern wirklich so schwer, dass manche Vermittlungen nicht zustande kommen?

veröffentlicht am 18.01.2018 um 15:44 Uhr

Wird er ein neues Zuhause finden? Das Tierheim will seine Schützlinge in liebevolle Hände abgeben und stellt an die Interessenten gewisse Anforderungen. Foto: Dana
Jens Spickermann

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In der Tat würden die Interessenten gefragt, was sie dem Tier zu bieten hätten, sagt Tierheimleiterin Claudia Gebhard. Die Vermittlungsgespräche seien intensiv und langwierig. Sie frage ab, ob die potenziellen Abnehmer genug Geld haben, um für ein Tier aufzukommen. Eine genaue Offenlegung des Einkommens verlange sie nicht – es gebe aber Tierheime, die das machen würden. Ausschlaggebend sei auch, wie viel Zeit die Leute haben und wer alles in der Familie lebt. Manche Tiere seien zum Beispiel ältere Menschen als Halter gewohnt, sagt Gebhard. Wenn dann in einem Haushalt kleine Kinder leben würden, könne es für das Tier schwierig werden. Andersherum gebe es auch Hunde, die für kleine Kinder zu gefährlich seien – wenn das Tier zum Beispiel dazu neige, mal zuzuschnappen. Wenn ein Interessent als Vollzeit-Berufstätiger tagsüber nicht zu Hause und auch ansonsten niemand da sei, dann komme die Vermittlung eines Hundes nicht infrage. Eine Katze könne in so einem Fall aber schon vermittelt werden, wenn sie das Haus selbstständig verlassen kann oder eine zweite Katze als Gesellschaft mit übernommen wird. „Es muss passen“, sagt Gebhard. Um herauszufinden, ob die Chemie stimmt, sollen die Interessenten schon im Heim etwas Zeit mit den Tieren verbringen. Die Katzen könnten in einem Zimmer kennengelernt und mit Futter angelockt werden. „Die Katzen kommen manchmal nicht direkt auf den Schoß“, sagt Gebhard. „Wir haben sehr viele etwas scheue Katzen. Das geht nur mit Geduld.“ Wenn sich herausstellt, dass alles passt – das Tier zufrieden erscheint und die Interessenten ebenfalls, könne mit dem Tierheim unter Vorlage des Ausweises und der Zahlung einer „Schutzgebühr“ ein Übernahmevertrag abgeschlossen werden. Eine Katze koste unkastriert 70 Euro, kastriert 120 Euro. Hunde würden zum Preis von 150 beziehungsweise 250 Euro abgegeben. Den Leuten solle durch die Gebühr klar werden, dass sie sich einen „Wert“ anschaffen, sagt Gebhard.

Aus den Augen aus dem Sinn – nach diesem Motto verfährt das Tierheim nicht. Man mache anschließend Hausbesuche „um zu gucken, ob alle zufrieden sind“, sagt Gebhard. Probleme mit den Tieren gebe es aber normalerweise nicht „weil wir uns bei der Vermittlung sehr viel Mühe geben“. Deswegen seien auch Rückgaben selten. Doch nicht jeder Interessent kann das Heim mit einem neuen Haustier verlassen: In wenigen Fällen gebe es Absagen an die potenziellen Käufer, sagt Gebhard. „Manche sind dann enttäuscht.“ Dass jemand trotz anders lautendem Rat auf ein Tier bestehe, sei aber die Ausnahme.

Trotz der Anforderungen, die das Tierheim an die Abnehmer der Tiere stellt, gibt es viel erfolgreichen Vermittlungen: Um die 400 Tiere kämen pro Jahr ins Heim, sagt Gebhard. „So viele werden dann in der Regel auch vermittelt.“ Phasenweise muss das Tierheim allerdings mehr Tiere unterbringen, als der Platz eigentlich zulässt. Im letzten November betreute es allein 120 Katzen, teilte Jörg Wechenberger vom Tierschutzbund mit. Es gehe aber nicht darum, die Tiere einfach loszuwerden, sondern sie in ein gutes Zuhause zu vermitteln, sagt Gebhard. Nach einer teilweise langen Odyssee sollen sie nämlich endlich zur Ruhe kommen können.

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