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Umfassendes Projekt zur Judenverfolgung im Dritten Reich am Viktoria-Luise-Gymnasium

Theresienstadt – zwischen Angst und Hoffnung

Hameln (CK). Ein ungewöhnliches und umfangreiches Projekt haben sich Schüler und Lehrer des Viktoria-Luise-Gymnasiums vorgenommen: Es heißt „Theresienstadt“ und setzt sich schwerpunktmäßig mit der Thematik der Judenverfolgung im Dritten Reich auseinander. Die Oper „Die Mädchen von Theresienstadt“ von David Peter Graham diente dabei als thematische Grundlage. Davon ausgehend entwickelten sich im weiteren Verlauf unterschiedliche Herangehensweisen, die zur fächerübergreifenden Vertiefung der Thematik beitrugen.

veröffentlicht am 19.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 18:41 Uhr

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Im künstlerisch-musischen Bereich wird das Projekt in Zusammenarbeit mit der externen Choreografin Ulla Geiges, der Stimmbildnerin Agnes Szabo sowie dem Komponisten David Peter Graham und der Musikklasse 9e, unterstützt durch Solisten (Sologesang: Sina-Mareike Schulte, Michelle Hanke) und Musiker des Viktoria-Luise-Gymnasiums, Veronika Otto, Gunnar Mextorf, Hans-Martin Haas und Sebastian Ritter, unter der Leitung von Udo Melloh-Sowa erarbeitet.

Der Inhalt der Oper stellt sich wie folgt dar: 1943, unweit von Prag, in Theresienstadt. Ein Konzentrations- und Durchgangslager, in das die Nationalsozialisten Juden aus der damaligen Tschechoslowakei und den Nachbarländern deportieren. Zahlreiche Gefangene werden den Aufenthalt hier nicht überleben oder in eines der Vernichtungslager weitertransportiert. Die Partitur der Kinderoper „Brundibár“ ist nach Theresienstadt gelangt. Dieses Stück von Hans Krása thematisiert auf kindgerechte Art die Macht der Nationalsozialisten. Zum einen ist dies das Leben im Konzentrationslager 1943 zwischen Angst und Hoffnung, Bangen und Erschöpfung, aber auch mit Freude an der Musik und Mut zum Weiterleben. Zum anderen ist das die Welt der Überlebenden heute – der Umgang mit den Erinnerungen, die Beschäftigung mit dem vergangenen und dem gegenwärtigen Schrecken, die Hoffnung auf eine bessere, friedlichere Zukunft.

Ausgehend vom Fachbereich Musik, wird die Thematik Holocaust und des Antisemitismus fächerübergreifend (Theater-AG, Deutsch, Darstellendes Spiel, Kunst, Geschichte, Religion) aufgegriffen, vertieft und weiterentwickelt.

Die Theater-AG setzt sich mit dem Drama Andorra des Schriftstellers Max Frisch auseinander. Am Beispiel des Antisemitismus sollen die Auswirkungen von Vorurteilen, die Schuld der Mitläufer und die Frage nach der Identität eines Menschen gegenüber dem Bild, das sich andere von ihm machen, thematisiert werden.

Im Fachbereich Deutsch beschäftigten sich Schülerinnen und Schüler im Umfeld einer Kursfahrt nach Prag mit Gedichten von Ilse Weber, die in Theresienstadt interniert und als Krankenschwester tätig war. Die Eindrücke vor Ort waren ausschließlich auf Gedichte dort gefangen gehaltener jüdischer Kinder konzentriert. Ergänzend setzt der Fachbereich Darstellendes Spiel in drei Kursen Inhalte der Gedichte szenisch um.

Im Fachbereich Kunst erarbeitet Holger Hagemann in drei Ergänzungskursen Kunst im Rahmen des Themas „Die Kunst des Erinnerns“ die Verbindung zu den Themen Holocaust und „Die Mädchen von Theresienstadt“. Dazu werden Stillleben von Kleidungsstücken und persönlicher Habe, die Spuren von Kindern aus Theresienstadt andeuten sollen, gezeichnet oder gemalt.

Daneben wird das Thema Mahnmal/Denkmal behandelt. Das vor der wieder errichteten Hamelner Synagoge befindliche Mahnmal für die zerstörte Synagoge und die im Holocaust getöteten Hamelner Juden sowie weitere Beispiele (Berliner Holocaustdenkmal, Aktion „Stolpersteine“, Werke von Segal, Gerz, Hoheisel) sollen Anregungen für eigene Konzepte geben. Mit den Schülerarbeiten werden auch Plakate gestaltet, die für die Abendveranstaltungen werben.

Im Fachbereich Geschichte führen die Jugendlichen Interviews mit Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde Hameln. Die Durchführung der Interviews mit Zeitzeugen erfolgte auf Initiative und in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Frauenring Hameln und dem Stadtarchiv. Die Gespräche dienten als Grundlage zur Aufarbeitung historischer Kenntnisse über die jüdische Geschichte, Kultur und Religion. Der Fachbereich Religion ergänzt die Ausstellung des Seminarfachs durch die Aufbereitung des religiösen Hintergrunds des Judentums mit Bezug zur Jüdischen Gemeinde Hameln. Im evangelischen Religionsunterricht zweier 6. Klassen werden zentrale Feste des Judentums behandelt.

Die schulischen Aktivitäten werden durch Beiträge außerschulischer Kooperationspartner ergänzt. Stadthistoriker Bernhard Gelderblom beispielsweise wird über die Korrespondenz einer jüdischen Familie aus dem Raum Hameln zwischen Emigration, Verfolgung und Vernichtung 1939 bis 1947 berichten.

Die Konrad-Adenauer-Stiftung unterstützt das Projekt durch eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „Gegen die Diktatur – Widerstand gestern und heute“. Zwei Studentinnen aus Weißrussland, dem Iran sowie Annette von Schlabrendorff als Enkelin eines Widerstandsangehörigen des 20. Juli 1944 und Michael Wildt als ehemaliger Bürgerrechtler aus der DDR sind dazu eingeladen.

Die Oper „Die Mädchen von Theresienstadt“ von David Peter Graham – hier Schülerinnen bei den Proben – dient als thematische Grundlage für ein umfassendes Vikilu-Projekt zur Judenverfolgung im Dritten Reich. Foto: pr



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