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Beim Ausblick auf das Jahr 2010 zeichnet OB Susanne Lippmann ein Bild mit Licht und Schatten

Themen mit Potenzial für viel Zündstoff

Der Umbau geht voran, über die Rattenfänger-Ausstellung im modernisierten Museum ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

veröffentlicht am 08.01.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 21:41 Uhr

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Foto: Dana

Hameln (ni). Beim Blick nach vorne wird Susanne Lippmann mulmig: „Wir können die Schwimmbäder schließen, das Theater dicht- machen, und Museum und Stadtbücherei gleich noch mit, und trotzdem kommen wir von den 20 Millionen nicht runter.“ 20 Millionen Euro – so hoch fällt voraussichtlich das Defizit im Haushalt 2010 aus, den Hamelns Oberbürgermeisterin im Februar im Rat einbringen wird. „Historischer Höchststand“, sagt Lippmann mit einer Miene, die jedes Missverständnis ausschließt. Rekordverdächtig ist das Ergebnis zwar, aber eben nur im negativen Sinne. Und es überschattet schon heute die Monate, die noch kommen.

17 Millionen Miese im Verwaltungshaushalt hat Lippmann bei ihrem Amtsantritt übernommen; hat diese Altlasten abgearbeitet und in den Folgejahren auch keine neuen Defizite angesammelt. 86 Millionen Euro Schulden in Form von Krediten für Investitionen hat sie außerdem geerbt und auch diesen Berg ein Stück abgetragen; auf derzeit 74 Millionen. Und dann verhageln plötzlich Wirtschaftskrise und bundespolitische Steuerkapriolen diese schöne Bilanz. Im Jahr 2010 gehen der Stadt so viele Einnahmen verloren, dass sie ihre laufenden Kosten nicht mehr bestreiten kann. Auch dann nicht, wenn sie die sogenannte freie Spitze von knapp sechs Millionen Euro für freiwillige Leistungen restlos kappt und die damit finanzierten Einrichtungen wie eben Theater oder Schwimmbäder schließt.

„Besorgniserregend“ sei die Situation, sagt Lippmann, zumal sich für 2011 keine Besserung andeute und alter plus neuer Fehlbedarf dann die schwindelerregende Höhe von fast 40 Millionen Euro erreichen könnte. Ihr Gesicht erhellt sich erst wieder, als sie sich den Projekten zuwendet, „über die wir so lange diskutiert haben, und von denen jetzt endlich etwas sichtbar wird“: nämlich Fußgängerzone, Museum und Familienzentrum „Fiz“.

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Die Stadt Hameln ist wieder Herr im Hochzeitshaus – und macht sich nach der EWR-Pleite auf die Suche nach einem Investor. Foto: Wal

Der Startschuss für die Erneuerung der Fußgängerzone soll Anfang März am Pferdemarkt fallen. Lippmann gibt sich zuversichtlich, dass nach der Ende Dezember erfolgten Ausschreibung die eingehenden Angebote hinsichtlich der Kosten halten, was die Verwaltung im Voraus überschlagen hat. Sollte sich wider Erwarten herausstellen, dass alles viel teurer wird, „dann müssen wir neu darüber nachdenken“, sagt Lippmann und gibt zu verstehen, dass dieser Kelch doch bitte an ihr vorübergehen möge.

Beim Bau des Familienzentrums erwartet sie keine unliebsamen Überraschungen; bei der Modernisierung des Museums könnte die Rattenfänger-Ausstellung noch Stoff für Debatten liefern. Ende Januar soll ein beauftragter Schweizer Künstler seinen Vorschlag für eine Präsentation mit bewegten Bildern abliefern. Stößt der auf wenig Gegenliebe im Rat, „müssen wir uns neu orientieren“, so die Oberbürgermeisterin.

Fiz und Museum sollen laut Planung Ende des Jahres eröffnet werden. Wann sich im Hochzeitshaus wieder etwas tut, steht dagegen noch in den Sternen. In Absprache mit dem Insolvenzverwalter der Erlebniswelt Renaissance hat Hameln jetzt seinen mit dem Landkreis geschlossenen Mietvertrag für den EWR-Trakt gekündigt und ist damit wieder Herr im eigenen Haus. Drei Interessenten „mit unterschiedlichen Vorstellungen für eine Nachnutzung“, haben sich laut Lippmann inzwischen durch das Gebäude führen lassen. Ende Januar erwarte die Stadt eine Rückmeldung von ihnen. Wenn keiner von ihnen zugreifen will – oder keiner mit einem überzeugenden Konzept aufwarten kann – sollen Erdgeschoss und erste Etage für eine gastronomische Nutzung ausgeschrieben werden. Weil die Stadt für die erforderlichen Umbauten im Inneren kein Geld in die Hand nehmen möchte, sucht sie einen finanzstarken Pächter, der bereit ist, diese Kosten selbst zu tragen. „Und das in Zeiten der Krise: einfach wird das bestimmt nicht“, gibt sich Lippmann nicht der Illusion hin, dass die Lösung des Problemfalles Hochzeitshaus auf die Schnelle und im Vorbeigehen gelingt. Ein 2010-Thema mit dem Potenzial für reichlich Zündstoff umschreibt Lippmann mit der Frage: „Wo geht die Reise hin in der Schulentwicklung?“ Leere Hauptschulen, volle Gymnasien, immer weniger Kinder … die Fakten und die möglichen Folgen dieser Entwicklung sind im Schulentwicklungsplan aufgelistet. Die Weichen für die Zukunft muss die Politik stellen und auch entscheiden, ob „wir eine Integrierte Gesamtschule brauchen, möchten“, so die Oberbürgermeisterin. Vermutlich weniger strittig, aber nicht weniger wichtig in 2010: die Bemühungen um den Klimaschutz. Optimistisch stimmt Lippmann in diesem Zusammenhang, „dass sich immer mehr Unternehmen für dieses Thema interessieren“. Und mit dem spitzen Stift rechnen, wann sich Investitionen in diesem Bereich in Form deutlich geringerer Energiekosten auszahlen.



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