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Dewezet-Umfrage im Internet: Viele Leser ärgern sich über die Öffis

Teuer, unzuverlässig, unfreundlich?

Hameln. Während Stadt und Landkreis sich den Kopf über die Fusion der kommunalen Busgesellschaften zerbrechen, sorgen sich viele Fahrgäste um den täglichen Betrieb. „Was ärgert Sie bei den Öffis?“ wollten wir von unseren Lesern bei Facebook wissen – und bekamen eine Menge Anregungen und Beschwerden zurück.

veröffentlicht am 18.02.2016 um 19:44 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:56 Uhr

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Michael Zimmermann

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Die kleine Umfrage liefert zwar kein repräsentatives Ergebnis, lässt aber erahnen, wo bei vielen Bürgern der Schuh drückt.

Da wären zunächst einmal die Preise: „Sogar Autofahren ist billiger“, meint Dan Ny, „Für das Geld kann man andernorts den ganzen Tag durch die Gegend fahren“, schreibt Nico Woitenas.

Astrid Reinbach von der Verkehrsgesellschaft Hameln (KVG) hat für den Wunsch nach niedrigeren Preisen Verständnis. Ausführlich erklärt sie, warum viele der geäußerten Erwartungen nicht erfüllt werden könnten. Der Preis zum Beispiel werde von der Politik entschieden: „Nur knapp 83 Prozent der Kosten für die Aufrechterhaltung der Verkehrsleistungen wird durch den Verkauf von Fahrkarten abgedeckt.“ Deutschlandweit betrage die Kostendeckung sogar nur 77 Prozent. Mit Blick auf die aktuellen Spritpreise sei es außerdem nicht verwunderlich, dass die Fahrkarten teuer wirken – Reinbach weist jedoch darauf hin, dass die laufenden Kosten eines Autos im Jahresvergleich den Preis für ein Jahres-Abo deutlich überstiegen. Mit Blick auf andere Städte seien die Öffis insgesamt auch nicht überteuert. Tatsächlich ist der Preis in Hameln mit 2,40 Euro für ein einfaches Ticket kaum höher als in Celle (2,20 Euro) oder Minden (2,30 Euro).

Unattraktiv sind die Öffis für viele offenbar auch wegen der schlechten Anbindung: Nachts fahren gar keine Busse, kleinere Orte und Ortsteile werden nur unter der Woche und auch dann sehr selten angefahren. Wer nicht direkt in der Stadt wohnt, kann oft nur auf Taxi, Auto oder Fahrrad ausweichen. Nachmittags kämen viele Schüler nur noch mithilfe ihrer Eltern nach Hause, beklagt Jennifer Arndt. Die meisten Kommentatoren wünschen sich einen höheren Takt und längere Betriebszeiten.

Leider kann Astrid Reinbach hier wenig Hoffnungen machen: Die Personalkosten betrügen rund 45 % der Gesamtkosten, erklärt sie. Daher würde ein größeres Angebot automatisch eine Kostenerhöhung bewirken. Mehr Fahrten erforderten schließlich mehr Personaleinsatz. „Wenn dadurch nicht mehr Fahrgäste gewonnen werden können, müssten diese Mehrkosten auf die bestehenden Fahrgäste verteilt werden.“ Grundsätzlich sieht sie das Angebot der Öffis im Vergleich mit Städten und Landkreisen ähnlicher Größe trotzdem gut aufgestellt. Der 30-Minuten-Takt im Stadtgebiet und auf den Hauptstrecken nach Hessisch Oldendorf, Aerzen oder Emmerthal sei anderswo nicht selbstverständlich.

Günstiger mit

dem Auto, schneller mit dem Rad?

Weit oben auf der Wunschliste steht auch ein übersichtlicher Fahrplan mit verlässlichen Zeiten, die sich am Bedarf der Fahrgäste orientieren. Offiziell richten sich die Fahrpläne zum Beispiel auch nach den Unterrichtszeiten. Allerdings fragt sich Merle Lehnert, warum dann Busse um 11.11 Uhr und 12.51 Uhr vom Bahnhof abfahren, wenn die Stunde 11.15 Uhr vorbei ist.

Auch die Übergänge zwischen den Linien sind nach Ansicht von Vanessa von Wie verbesserungswürdig: Wenn sie samstags aus Emmerthal zu einer Freundin in Hameln wolle, müsse sie eine halbe Stunde auf den Bus warten, der sie dann innerhalb Hamelns zur Freundin fährt. „Da bin ich mit dem Fahrrad von Emmerthal nach Hameln meist zeitgleich oder sogar eher am Ziel“, so ihr Fazit.

Die Busfahrer kommen in vielen Kommentaren ebenfalls nicht gut weg. Einige Leser beschweren sich zwar auch über Verspätungen – mehr noch ärgert sie aber, dass zur Tür laufende Fahrgäste übersehen werden oder Busse oft zu früh abfahren, obwohl die elektronische Anzeige noch zwei Minuten anzeigt. Auch die Fahrweise schreckt einige ab: „Nicht nur, dass nicht abgesenkt wird, viele fahren auch schon los, bevor die Fahrgäste sitzen“, sorgt sich Tina Garnett. Mit Kleinkindern, für Senioren oder Kranke könne dies oft abenteuerlich werden, „vor allem, wenn auch noch gefahren wird, wie im Wilden Westen.“ Klagen gibt es außerdem über übersehene Haltestellen und fehlende Freundlichkeit.

Norbert Handke kann viele der Kritikpunkte verstehen. Der Bauingenieur aus Rinteln beschäftigt sich als Lehrbeauftragter intensiv mit öffentlichem Nahverkehr. Er würde gern einmal „undercover“ herumfahren, um sich ein genaueres Bild zu verschaffen.

Kann sich Hameln einen guten Nahverkehr überhaupt leisten? „Eine Mittelstadt wie Hameln ist eigentlich sogar zu arm, um sich einen schlechten Nahverkehr zu leisten“, findet Handke. „In ländlichen Regionen wird dieser allerdings hauptsächlich von den Schülern getragen.“ Wenn diese weniger würden, dünnten auch die Fahrpläne aus. Die Grundversorgung müsse dennoch geleistet werden. Genau das mache eigentlich einen Erfolg notwendig. Busverkehr sei schließlich allgemein eine teure Angelegenheit.

Handke schlägt vor, mehr alternative Transportformen zu fördern. Anruf-Sammeltaxen und Bürgerbusse könnten flexibel und situationsgerecht eingesetzt werden. Einige dieser Alternativen sind auch in Hameln schon unterwegs. „Ich bin mir aber sicher, dass viele Leute gar nicht wissen, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt,“ sagt Handke. Darum sei neben der Kombination aus verschiedenen Verkehrsmitteln, guter Erreichbarkeit und freundlichem Personal vor allem auch umfassende und möglichst schnelle Information wichtig für einen attraktiven Nahverkehr.



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