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Streit um breite Fugen: Stadt will heute Klarheit schaffen / Versuchsstrecke abgesperrt

Testläufe über das Problempflaster

Hameln. Der letzte Pflasterstein in der neuen Fußgängerzone war noch nicht verlegt, als schon die ersten Beschwerden laut wurden: „Zu breite Fugen!“, „Stolperpflaster!“, „Tödlich für hohe Absätze!“ Jahre zogen ins Land, Pumps hatten zu leiden, Hamelner stolperten. Doch wer zahlt, wenn Absätze abbrechen, Kinderwagenräder verbogen werden, die Knie bluten? Die Stadt nicht, beteuerte ein Rathaussprecher noch vor gut einem Monat. Schließlich komme die Verwaltung ihren „Verkehrssicherungspflichten“ nach, hafte also nicht. Ganz so sicher ist sich die Stadt ihrer Sache aber wohl doch nicht: „In einer groß angelegten Testreihe unter Alltagsbedingungen soll die Praxistauglichkeit des Fußgängerzonenpflasters bewiesen werden“, heißt es jetzt aus der Verwaltung. Dazu wird heute nun eigens eine 50 Meter lange Teststrecke abgesperrt. (Achtung: Aprilscherz!)

veröffentlicht am 01.04.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 25.04.2017 um 15:52 Uhr

Frank Henke

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Reporter zur Autorenseite

Unter den Augen von beauftragten Risikoforschern wird nun einen Tag lang Probe gelaufen, gefilmt und ausgewertet. Und dabei setzen die Wissenschaftler auf die Hilfe der Hamelner Passanten: „Jeder Probelauf hilft“, heißt es in einer Mitteilung aus dem Rathaus. „Zügigen Schrittes, nicht joggend“, soll die Strecke heute ab 10.30 Uhr zurückgelegt werden. Die Strecke sei unter streng wissenschaftlichen Gesichtspunkten ermittelt worden, „um eine durchschnittliche Pflasterqualität abzubilden“. Die Wahl des Computers fiel auf ein Stück der Osterstraße. Ab 268 Teilnehmern gilt die Versuchsgruppe statistisch als aussagekräftig.

Grundsätzlich ist beim Gang über das Pflaster jedes Schuhwerk zulässig. Testläufe mit Absätzen, die eine Höhe von zwei Zentimetern überschreiten, sowie von Passanten im Rentenalter sollten jedoch etwa eine halbe Stunde vorher angemeldet werden. „Damit wir medizinisches Personal bereithalten können“, heißt es – für den Fall der Fälle sozusagen. Dazu hätten die Experten des Bundesinstituts für Risikobewertung entschieden geraten.

Einfach asphaltieren? „Dann wäre Ruhe“

Doch was passiert nun, wenn die heutige Testreihe anders ausfällt, als man sich im Rathaus erhofft – Warnung statt Entwarnung also. „Mit zwei oder drei Stürzen könnten wir sicherlich leben – aber wenn es nun mehr werden…“, war gestern im Rathaus hinter vorgehaltener Hand zu hören.

Sollte also der Belag von Oster-, Bäckerstraße, Markt und Pferdemarkt offiziell als ernsthaftes Sicherheitsrisiko eingestuft werden, müsste die Stadt rasch handeln. Eine Sperrung der Fußgängerzone dürfte die erste Folge sein. Um dem Einzelhandel jedoch nicht nachhaltig zu schaden, wird – als Notlösung – im Rathaus eine Öffnung der Noch-Fußgängerzone für den Autoverkehr (und zwar ausschließlich für diesen) geprüft. „Für Fahrradreifen wären die Fugen dann ja wohl auch zu gefährlich“, erklärt ein Verkehrsexperte im Rathaus. Von den dann eingerichteten Parkstreifen würden Holzstege zu den Geschäften errichtet. „Das könnte optisch durchaus seinen Reiz haben“, heißt es aus der Verwaltung. Ein gänzlich anderer Lösungsansatz wird derzeit gemeinsam mit heimischen Schuhmachern verfolgt: Überziehschuhe – breit und starkprofilig – könnten an den Eingängen der Fußgängerzone ausgegeben und beim Verlassen in entsprechenden Boxen wieder eingesammelt werden.

Kostenlos zu haben wäre natürlich keine Variante. „Schmerzensgeld und Dutzende Paare Damenschuhe pro Tag würden jedoch langfristig noch mehr ins Geld gehen“, argumentiert ein Stadtsprecher. Langfristig würde es aber wohl auf ein neues Pflaster hinauslaufen – „aber an die Großbaustelle sind wir ja noch gewöhnt“, sagt die Inhaberin eines Hamelner Modegeschäfts, ihr anschließendes Lachen klingt leicht hysterisch.

Doch auch eine komplette Asphaltierung – wie bereits erfolgreich am Münsterkirchhof durchgeführt – steht im Raum. „Dann wäre Ruhe“, ist mancher im Fachbereich „Umwelt und technische Dienste“ von dieser Lösung überzeugt.

Heute aber besteht noch Hoffnung: Wenn nicht allzu viele der erhofften 268 Testläufer ins Straucheln geraten, wenn nicht gar zu viele Absätze brechen – dann darf das Fußgängerzonenpflaster wohl noch lange bleiben, wie es ist. Auch wenn sich darüber vielleicht nicht jeder freut.



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