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Am 26. November bekommt Hameln zehn Stolpersteine

„Teil eines Gesamtkunstwerkes“

Hameln. „Hameln wird Teil eines Gesamtkunstwerkes“, sagt Silke Schulte vom Stadtarchiv stolz. Mit der Verlegung der Stolpersteine des bekannten Künstlers Gunter Demnig reiht sich die Rattenfängerstadt ein in eine lange Liste europäischer Orte, in denen die Steine an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Am 26. November sollen zehn Stück an drei verschiedenen Plätzen in Hameln verlegt werden. Nachdem das Projekt 2009 des Kulturausschusses scheiterte, stimmte der Rat im Sommer einstimmig dafür.

veröffentlicht am 11.11.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 17:41 Uhr

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Autor:

von julia rau
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„Das ist uns auch sehr wichtig“, betont Bernhard Gelderblom, Autor und Vorsitzender des Vereins „Regionale Kultur und Zeitgeschichte“, der zusammen mit dem Stadtarchiv den Künstler ansprach. Denn es gebe immer noch Vorbehalte seitens der liberalen jüdischen Gemeinde, da die Möglichkeit bestehe, die Stolpersteine sprichwörtlich mit Füßen zu treten.

Mittlerweile akzeptiere sie aber den Beschluss. Die orthodoxe jüdische Gemeinde hingegen habe das Projekt immer unterstützt.

Für die Mitglieder der Familie Jonas werden in der Baustraße fünf Steine eingebracht, in der Neuen Marktstraße weitere drei für Familie Friedheim und in Tündern zwei, auch für Familie Jonas. „Die Stolpersteine werden jeweils vor dem letzten frei gewählten Wohnort der Opfer in das Pflaster verlegt“, erklärt Gelderblom. Und da die Angehörigen dieser Opfer sich besonders für die Steine stark gemacht hätten, sollten diese drei Familien den Vortritt bekommen. Die Mittel für die Kunstwerke für je 120 Euro kommen von privaten Spendern. Reisekosten und Unterkunft des Künstlers übernimmt der Verein.

In einem engmaschigen Zeitplan verlegt Gunter Demnig selbst – „das ist sein Anspruch“ – seine in Handarbeit gefertigten Steine. Jeder ist zehn mal zehn Zentimeter groß und aus Beton. Oben ist eine Messingtafel aufgeschlagen. Auf ihnen zu lesen ist der Name des getöteten oder vertriebenen Menschen, sein Geburtsdatum, ob er verhaftet oder deportiert wurde und schließlich sein Todesdatum, manchmal mit dem Zusatz KZ.

Zwischen 16 und 17.40 Uhr sollen alle zehn Steine ebenerdig sitzen. „Bei dem Künstler geht das wie Brötchen backen, er bereist täglich drei Städte und verlegt die Stolpersteine immer selbst“, so Gelderblom. Dass solch ein Gedenken nach Stoppuhr nicht sehr feierlich ist, weiß er, „aber damit müssen wir uns abfinden.“

Für kurze Vorträge von Schülern des Albert-Einstein-Gymnasiums über die Einzelschicksale der Opfer ist Zeit. Für mehr nicht. Angehörige der Familie Jonas werden ebenfalls anwesend sein. „Sie interessieren sich seit Jahren für das Projekt“, so Gelderblom. Im Anschluss hält der Künstler Gunter Demnig einen Vortrag.

„Er hätte es am liebsten, wenn die Steine direkt am Eingang lägen“, so der Autor. In der engen Fußgängerzone sei das aber schwierig. „Wir müssen darauf achten, dass die Leute da nicht ihre Sonnenschirme draufstellen“, so der Autor.

Das Ordnungsamt wird die Stellen immer mal wieder abgehen. Ein Verbot kann aber nicht verhängt werden.

Die Familie Jonas Ende der 20er Jahre. Sohn Arthur (ganz links) ist der Einzige von ihnen, der das NS-Regime überlebte.

Slg. Gelderblom



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