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Arne Harland berichtet über die Gefahren und die Faszination Feuerwehr-Taucher zu sein

Tauchen ohne Sicht

HAMELN. „Als Feuerwehrtaucher kommt man schon mal in Bereiche mit null Sicht.“ Welche Gefahren, aber auch welche Faszination von dem Einsatz als Feuerwehr-Taucher ausgehen, das erzählt Arne Harland. Er verstärkt seit einiger Zeit die Hamelner Feuerwehr-Tauchergruppe.

veröffentlicht am 03.12.2018 um 18:11 Uhr

In einem Teich bei Hagenohsen soll Harland ohne Gerät einen Taucher aus sechs Meter Tiefe retten. Foto: Feuerwehr
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite

Arne Harland ist nicht mit allen, aber mit vielen Wassern gewaschen. Schon als Kind war der Hessisch Oldendorfer oft auf dem Wasser - häufig im Motorboot seiner Eltern auf der Weser. Sein Vater Alfred war jahrelang 1. Vorsitzender des Motorboot-Clubs in Hameln. Später stieg Arne Harland als Taucher in Ostsee, Mittelmeer, Baggerseen und Bädern in die Tiefe. Neuerdings begibt sich der Elektromeister auch mit technischen Gerätschaften der Feuerwehr ins kühle Nass. Harland ist Feuerwehrtaucher der Stufe zwei in Hameln, hat gerade mit drei weiteren Tauchern aus Burgdorf die Prüfung abgelegt.

„Zum Tauchen bin ich über den Wassersport gekommen“, erzählt der 41-Jährige. Vor elf Jahren hatte ihn sein Beruf an die Ostsee verschlagen. Er begann in Rostock mit dem Sporttauchen. Jedoch gäbe es einige Unterschiede zum Feuerwehrtauchen, meint Harland. Etwa bei der Sicherheit. „Beim Sporttauchen taucht man immer mindestens zu zweit. Im Notfall hat man jemanden, der hilft“, erklärt er.

Beim Rettungstauchen sei man grundsätzlich allein an seinem Einsatzbereich im Wasser, gesichert an einer Leine. Bei den Such- oder Arbeitsaufgaben wäre ein Partner im Wasser hinderlich. Mit einem an Land oder in Boot stehenden Signalmann ist der Taucher über eine Signalleine oder über Sprechfunk ständig in Verbindung, so Harland. Da in freien Gewässern, in Hameln meist die Weser und Kiesteiche, die Sicht schlecht ist, übernimmt der Signalmann die Führung des Tauchers. Ernstfall würde ein Taucher mit einem einmaligen kräftigen Ruck an der Leine Schwierigkeiten signalisieren.

In einem See bei Burgdorf arbeiten Tauchanwärter eine Einsatzlage ab. Foto: Feuerwehr
  • In einem See bei Burgdorf arbeiten Tauchanwärter eine Einsatzlage ab. Foto: Feuerwehr
Arne Harland (Foto li.) vor einer Übung. Foto: Feuerwehr
  • Arne Harland (Foto li.) vor einer Übung. Foto: Feuerwehr

Zwei Jahre lang wurde der Brandmeister ausgebildet. Während der Prüfung standen 40 theoretische Unterrichtsstunden an. 50 Mal ging es für Harland und seine drei Kameraden unter die Wasseroberfläche. Tauchgänge unter Einsatzbedingungen, darunter 20 in Tiefen über 10 Meter standen an. Wenn der zurückhaltende Feuerwehrmann vom Tauchen spricht, denkt er erst ausgiebig nach, bevor ihm ein Wort über die Lippen kommt. Er wirkt sehr konzentriert, fast wie ein Rettungstaucher im Einsatz. „In der Hamelner Region ist es häufig der Fall, dass man sich in Gewässern bewegt, in denen die Sicht nicht so gut ist. Als Feuerwehrtaucher kommt man schon mal in Bereiche mit null Sicht“, sagt Harland.

Bei der Prüfung wurden den Tauchern die Masken abgedunkelt, bevor die Feuerwehrleute ins Wasser geschickt wurden um Rohre mit Gewinden zusammen zu fügen oder unter Wasser Metallteile zu zersägen. Bei einer Schwimmbadübung galt es, 25 lange Meter zum Gerät zu Tauchen und dieses unter Wasser anzulegen. „Das nötige Luftanhalten kann man trainieren“, weiß Harland. Beim Sporttauchen war er einmal 45 Meter herab getaucht. Doch nach Rekorden strebe er nicht, meint der Brandmeister, der auch Zugführer bei der Feuerwehr in Hessisch Oldendorf ist.

Auch habe er keinen Blick für die Natur unter Wasser. „Es gibt Taucher die hinterher sagen, wie viele Fische sie gesehen haben, die ich nicht entdeckte“, erzählt der Feuerwehrmann, der von Beruf Netzmeister bei den Hamelner Stadtwerken ist . Meist tragen die Feuerwehrwehrtaucher Nassanzüge aus Neopren. Rund 30 Kilogramm wiege die Ausrüstung, dazu kommen noch Bleigewichte, erklärt der Taucher. „Wenn die Atemluft verbraucht ist, wird das Gerät auch leichter. Im Ruhezustand braucht ein Mensch einen halben Liter Luft pro Atemzug. Bei etwa zwölf Atemzügen macht das sechs bis acht Liter die Minute. Bei schwerer Arbeit geht man von 60 bis 80 Litern aus“, “, meint Harland.

Tauchen ist in Bezug auf die Gesamtzahl aller Feuerwehreinsätze ein sehr kleiner aber äußerst arbeitsintensiver Teil. Mit dem, was auf einen Rettungstaucher im Ernstfall zukommen kann, hat sich der Feuerwehrmann ausgiebig auseinandergesetzt. Nicht immer muss „nur“ eine Schiffsschraube von Kunststoffseilen befreit werden. Schnell kann aus Retten Bergen werden. Nicht selten ist es die traurige Aufgabe der Taucher, einen Leichnam zu bergen. „Ich weiß schon, worauf ich mich einlasse und was passieren kann“, ist sich der Hessisch Oldendorfer sicher.

Arne Harland ist der zehnte geprüfte Taucher der Spezialeinheit der Freiwilligen Feuerwehr Hameln. „An der Tauchergruppe können Feuerwehrleute aus dem gesamten Gebiet der Kreisfeuerwehr Hameln-Pyrmont teilnehmen“, sagt Michael Franke, der zusammen mit Christoph Nolte die 19-köpfige Gruppe leitet.



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