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Der Botschafter, der keiner ist

Taiwans Repräsentant besucht das Weserbergland

HAMELN. Zwei Tage lang tourte er mit dem Bundestagsabgeordneten Michael Vietz (CDU) durchs Weserbergland: Nach Besuchen bei Betrieben in Holzminden und Fürstenberg sowie im Staatsbad Bad Pyrmont am Dienstag gab sich der Repräsentant Taiwans in Deutschland, Jhy-Wey Shieh, am Mittwoch in Hameln die Ehre.

veröffentlicht am 14.06.2017 um 16:36 Uhr
aktualisiert am 14.06.2017 um 17:54 Uhr

Am Mittwoch trug sich der inoffizielle Botschafter Taiwans ins Goldene Buch der Stadt Hameln ein. Foto: Dana
Michael Zimmermann

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Er sprach in der Elisabeth-Selbert-Schule über Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Bildungssystem und trug sich im Hochzeitshaus ins Goldene Buch der Rattenfängerstadt ein – für den zweifachen Vater „eine große Ehre und ein Höhepunkt.“

China betrachtet die Inselrepublik vor seiner Küste als eigenes Staatsgebiet. Um das Verhältnis zur Volksrepublik nicht zu belasten, gibt es offiziell keine diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Taiwan – und entsprechend auch keinen Botschafter. Mit einem „Repräsentanten“, der wie ein Botschafter ebenfalls mit „Seine Exzellenz“ angeredet wird, und der „Taipeh Vertretung“ in Berlin ist das Land, das sich selbst auch „Republik China“ nennt, trotzdem in Deutschland präsent. Umgekehrt werden die deutschen Interessen durch das „Deutsche Insitut Taipei“ wahrgenommen. Nach einer kurzen Phase von 2005 bis 2007 trat Shieh, der 1987 an der Ruhr-Universität Bochum promovierte, im Mai bereits zum zweiten Mal das Amt in Berlin an. Zwischendurch war der 62-jährige Germanist in seiner Heimat Minister, Universitätsprofessor und Gastgeber einer Talkshow.

Shiehs Hauptaufgabe ist die Förderung der Wirtschaftsbeziehungen. In den Bereichen Bildung und Wirtschaft arbeiten beide Länder eng zusammen. „Unsere Beziehungen sind besser gepflegt als die manch anderer Länder, die mit Deutschland diplomatische Kontakte haben“, behauptet der Shieh sogar. In Europa ist Deutschland der wichtigste Handelspartner Taiwans. Waren im Wert von 8,5 Milliarden Euro wurden 2016 vom Inselstaat in die Bundesrepublik exportiert. Umgekehrt beträgt die Exportsumme Deutschlands etwa 7,5 Milliarden Euro. Damit liegt Taiwan auf Platz fünf der wichtigsten Asiatischen Handelspartner.

Die seit Mai 2016 amtierende Regierung um Präsidentin Ing-Wen Tsai will sich vor allem auf zwei Gebieten von Deutschland „eine Scheibe abschneiden“, sagt Shieh: Zum einen gebe es in Taiwan zu viele Universitäten und zu wenige Berufsschulen. Ein Duales Ausbildungssystem könnte gegen drohenden Fachkräftemangel im Handwerk helfen. Zum anderen will das Land, das nur etwa so groß wie Baden-Württemberg ist, bis 2025 komplett aus der Kernkraft aussteigen und vertraut dort auch auf die Erfahrungen der deutschen Energiewende und das technische Know-how.

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