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Ärzte warnen vor Bubble Tea, doch viele Teenager lieben ihn / Erster Laden in Hameln eröffnet

Süß und kalorienreich – aber voll im Trend

Hameln (ch). Durch einen dicken Strohhalm werden die heidelbeergroßen Kügelchen angesaugt. Wie kleine runde Gummibälle rollen sie im Mund herum, bevor man sich ein Herz fasst und mutig draufbeißt. Die dickflüssige, klebrig-süße Flüssigkeit fließt über die Zunge. Ein intensiver Geschmack, der schwach an eine in Zucker getränkte Frucht erinnert, reizt die Geschmacksnerven. Zurück bleibt die klebrig-schlaffe Hülle des Wunderbällchens, die wie ein im Wasser gebadetes Gummibärchen noch kurz schlapp im Mund herumschwimmt, bevor sie mit dem nächsten Schluck der süßen Trendflüssigkeit die Kehle hinunterflutscht – Geschmackssache. Von einigen Eltern und Gesundheitsexperten wird er verteufelt, doch nichtsdestotrotz – oder vielleicht gerade deswegen – ist „Bubble Tea“ voll im Trend.

veröffentlicht am 30.07.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 21:21 Uhr

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„Cool“, „lustig“, „total erfrischend und voll lecker“, finden die zwölf- und dreizehnjährigen Mädchen Lisi, Marie und Celine die knallig bunten Getränke, die unter dem Namen „Tee“ firmieren, wenngleich sie weder vom Geschmack noch von den Inhaltsstoffen den Namen verdienen.

Vor allem die Teenager lieben es“, sagt die 21-jährige Bich-Van Nguyen. Ihre Mutter Bich-Thuy Nguyen hat gerade den ersten Bubble-Tea-Laden in der Hamelner Innenstadt eröffnet. Zwar gibt es einige Bubble-Tea-Sorten bereits in Geschäften in der Stadt zu kaufen, doch einen eigens drauf spezialisierten Laden gab es bis jetzt nicht. Gemeinsam mit ihrer Schwester und einigen Freunden hilft die Studentin ihrer Mutter in den ersten Monaten im Laden aus.

Die Tee-Komponente, grüner oder schwarzer, mit oder ohne Milch oder auf Kokosmilch-Basis, bildet die Basis des Mischgetränks. Den Geschmack gibt jedoch ein Fruchtsirup, von Erdbeere bis zu Lychee oder Hibiskus können die Kunden aus ganz unterschiedlichen Geschmacksrichtungen auswählen. Das Ganze wird mit Eiswürfeln aufgefüllt und in einem elektrischen Shaker kräftig durchgeschüttelt. Das Highlight des Tee-Sirup-Shakes jedoch sind die „Bubbles“. „Es gibt entweder die Jellys oder die Poppings“, erklärt Minh-Anh Nguyen, während sie Kügelchen in Neonfarben in einen großen Plastikbecher füllt. „Jellys“, das sind die sogenannten Tapioka-Perlen, die von der Konsistenz her an Gummibärchen erinnern. Die geleeartige Konsistenz rührt von Stärke aus der Maniokwurzel her. Beliebter seien bei den meisten die Popping-Perlen. Eine dünne, gelatineartige Schale umhüllt den gesüßten fruchtigen Saft. „Es ist ein lustiges Gefühl im Mund, aber für mich wäre es nichts.“ – „Viel zu süß.“ – „Ganz angenehm.“ – „An die Blubber-Dinger muss man sich erst gewöhnen, dann schmeckt es eigentlich gut.“ – so die unterschiedlichen Einschätzungen einiger Erwachsener, die in der Fußgängerzone zum ersten Mal einen Bubble Tea testen.

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  • Ein Mango-Bubble-Tea.
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Doch gerade vor diesen lustigen Bällchen warnen Ärzte. Kleinkinder könnten die Kügelchen leicht verschlucken und daran ersticken. Geraten diese in die Lunge, droht eine Lungenentzündung. „Für Kleinkinder ist das absolut verboten“, sagt Dr. Markus Hedemann, Sprecher der Kassenärzte in Hameln, Facharzt für Innere Medizin und unter anderem fachkundig in Ernährungsmedizin. So wird auch der hohe Kaloriengehalt des „Tee-Getränks“ kritisiert. Die Techniker Krankenkasse warnt vor der süßen Kalorienbombe: „Das Teegetränk wird nicht nur mit kalorienreichem Fruchtsirup versetzt, die kaugummiähnlichen Kügelchen sind ebenfalls noch gesüßt.“ Dem Verbraucher müsse klar sein, dass er eine Süßigkeit zu sich nehme, die den Durst nicht lösche. Ein 0,2-Liter-Becher Bubble Tea enthalte mit 300 bis 500 Kalorien rund ein Drittel des Tages-Energiebedarfs eines Kindes. „Wer das seinen kleinen Kindern gibt, mach alles falsch, das braucht kein Mensch“, findet Dr. Hedemann. Er merkt jedoch auch an, dass diese Einschätzung nicht nur auf Bubble Tea zutreffe. Tatsächlich gibt es viele ungesunde Getränke und Lebensmittel, die bei Jugendlichen aber auch bei Erwachsenen reißenden Absatz finden. Der Gesundheitsfaktor spielt bei der Frage „Cool oder uncool?“ für die wenigsten Teenager eine Rolle.

„Jellys“ (li. u. re.) und „Poppings“ in verschiedenen Geschmacksrichtungen sind Bestandteil jedes Bubble Teas.

Fotos: ch

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