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Jedes Jahr fließen Millionenbeträge in den Erhalt der städtischen Gebäude

Sünden der Vergangenheit

HAMELN. Jeder Haus- oder Wohnungsbesitzer weiß: Er muss sein Eigentum in Schuss halten. Da benötigt das Dach eine neue Eindeckung oder die in die Jahre gekommene Heizung ist auszutauschen. Das geht auch der Stadt Hameln nicht anders.

veröffentlicht am 07.04.2019 um 15:36 Uhr

Blick ins spiralförmige Treppenhaus des Rathauses, das noch aus den Zeiten stammt, als hier das BHW in den Fünfzigerjahren untergebracht war. Foto: geö

Autor:

G. Erol Hesse-Öztanil
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Wer allerdings 120 Immobilien mit einer Gesamtfläche von rund 200 000 Quadratmetern sein Eigen nennt, sieht sich mit Dimensionen konfrontiert, die ungleich schwieriger in den Griff zu bekommen sind. Genau diese Anzahl von Gebäuden befindet sich im Besitz der Stadt Hameln. Zum Bestand zählen ganz unterschiedliche Bauten: Das reicht von den Feuerwehrhäusern in den Ortschaften, Fachwerkgebäuden wie dem Rattenfänger-Haus oder Industriedenkmäler wie der Pfortmühle über Schulen bis hin zur Rattenfänger-Halle oder zum Museum. Käme ein solventer Geschäftsmann auf die Idee, alle städtischen Immobilien kaufen zu wollen, müsste er mit schätzungsweise 110 Millionen Euro (Stand Dezember 2014) im Geldkoffer im Rathaus vorstellig werden (bei der Summe ist der Wert der Grundstücke außen vor gelassen).

Alle Immobilien müssen regelmäßig auf Herz und Nieren geprüft, Schäden behoben, Wartungen durchgeführt und Sanierungen nicht auf die lange Bank geschoben werden. Und genau damit haben viele Kommunen Probleme: Hierfür fehlt es häufig an Geld und Personal. In Hannover sah sich jüngst die Verwaltung seitens der Politik mit dem Vorwurf konfrontiert, sie würde nachlässig mit ihren Gebäuden umgehen. Die Stadt müsste eigentlich alle ihr gehörenden 840 Gebäude einmal jährlich begutachten, um Schäden rechtzeitig zu erkennen. Doch Inspektionen finden nur alle zwei Jahre statt und somit wird in Kauf genommen, dass notwendige Reparaturen letztlich erheblich teurer werden. Eine häufigere Prüfung lasse die Personalsituation nicht zu, argumentiert die Verwaltung in Hannover. Die Zahl der Mitarbeiter müsste dafür um das Doppelte aufgestockt werden.

Und wie stellt sich die Situation in Hameln dar? Einen personellen Engpass sieht man hier nicht, heißt es aus dem Rathaus. Die acht Mitarbeiter in der Zentralen Gebäudewirtschaft seien ausreichend für die Begutachtung der kommunalen Liegenschaften. Dazu gehören drei Kollegen, die erst seit Kurzem bei der Stadt angefangen haben und noch eingearbeitet werden müssen. Nach dem schrecklichen Unglück von Bad Reichenhall, bei der eine eingestürzte Eissporthalle 15 Menschen in den Tod riss, erließ der Bund eine Richtlinie für die Verkehrssicherheit von baulichen Anlagen.

Sanierungsbedürftig: die Ende der 1980er Jahre für 18,5 Millionen D-Mark erbaute Rattenfänger-Halle. Foto: dana

Danach wird empfohlen, alle Immobilien einmal im Jahr durch fachlich geschultes Personal begutachten zu lassen. Vorrangig seien Bauten zu prüfen, die besonders „risikobehaftet“ seien, weil sich viele Personen in ihnen aufhalten wie in Sporthallen oder Hallenbädern. „Wenn man viel Eigentum hat, muss man auch viel unternehmen, das auch in Ordnung halten und hier nehmen wir unsere Verantwortung sehr ernst“, betont Hamelns Stadtbaurat Hermann Aden. Die städtischen Gebäude werden in einem nach dem jeweiligen Alter und Zustand festgelegten Turnus unter die Lupe genommen, teilt Rathaus-Sprecher Thomas Wahmes mit. Eine einheitliche Regelung gibt es demnach nicht, weil es die Stadt mit teils sehr unterschiedlichen Bauten zu tun hat: vom mehrere Hundert Jahre alten Fachwerk über den Plattenbau der Siebziger bis hin zum nahezu neuwertigen Gebäude.

Alle Immobilien werden mindestens einmal jährlich, meistens sogar häufiger von den Mitarbeitern der Zentralen Gebäudewirtschaft inspiziert, zudem erfolgen Hinweise auf Reparaturen durch die Gebäudenutzer oder die Hausmeister. Was mit der Sicherheit des Gebäudes zu tun hat, etwa Brandmelde-, Rauchabzugs- und Lüftungsanlagen, wird mehrfach im Jahr, teilweise quartalsweise gewartet und zusätzlich noch durch Sachverständige geprüft.

Der Erhalt der städtischen Immobilien sei ein permanenter Spagat, betont Hamelns Stadtsprecher: „Wir leisten so viel zur Bauunterhaltung wie notwendig, um die Substanz der Gebäude zu sichern, können dies aber nur in einem finanziellen Rahmen tun, den sich die Stadt leisten kann. Dazu gehört viel Feingefühl.“ Das war allerdings in früheren Jahren nicht sonderlich ausgeprägt. „Aufgrund der ständig knappen Haushaltsmittel wurde oft erst dann gehandelt, wenn bereits Schäden aufgetreten sind“, so Wahmes.

Diese Politik des Aufschubs hat sich freilich mehrfach gerächt: Dafür ist das Rathaus selbst das wohl prominenteste Beispiel. Da muss zuweilen Wasser geschöpft werden, wenn – wie im Oktober 2016 – ein leckes Fallrohr in der fünften Etage die Räume überfluten lässt oder es müssen Büroräume wegen Schadstoffbelastung kurzerhand dichtgemacht werden. Auch in den Schulen ist der Sanierungsstau längst angekommen und nur zum Teil behoben worden. Hinzu kommt: Die Anforderungen an die städtischen Gebäude sind gestiegen. Barrierefreiheit und hohe Brandschutzauflagen schlagen mit zusätzlichen Kosten erheblich zu Buche.

Bei der Kalkulation für die Bauunterhaltung geht die Stadt nach Angaben ihres Sprechers von einem Richtwert von 1,5 Prozent des Wiederbeschaffungswertes des jeweiligen Gebäudes aus. Danach standen in 2018 rund 2,4 Millionen Euro, im Vorjahr zwei Millionen und in 2016 insgesamt 1,6 Millionen Euro zur Verfügung. Für 2019 sind rund 2,3 Millionen Euro veranschlagt. Deutlich wird: Der finanzielle Aufwand für die Instandhaltung der städtischen Gebäude hat zugenommen. Von einem zunehmenden Fass ohne Boden mag man indes im Rathaus nicht reden. Dort findet man moderatere Worte: „Der Anstieg der letzten Jahre lässt sich dadurch begründen, dass das Bewusstsein für die Wichtigkeit der Gebäudeinstandhaltung bei den Haushaltsplanungen entsprechend berücksichtigt wurde.“ Zu ergänzen ist, dass für größere Sanierungsmaßnahmen sowie den Brandschutz zusätzlich zu den Mitteln der Instandhaltung investive Beträge bereitgestellt werden.

Natürlich könnte das Budget für die Bauunterhaltung größer sein, räumt Wahmes ein, aber es reiche für die notwendigen Arbeiten aus. Für Stadtbaurat Hermann Aden steht fest: „Im Vergleich zu Hannover sind wir besser aufgestellt. Nach meiner Einschätzung haben wir in den vergangenen Jahren ganz erhebliche Mittel in den baulichen Zustand investiert, aber wir haben noch viel vor.“

Aden verweist hier auf das bis 2022 reichende Investitionsprogramm im Hochbau mit einem Kostenvolumen von über 100 Millionen Euro. Der Erhalt der städtischen Gebäude bleibt indes eine Dauerbaustelle – unliebsame Überraschungen einkalkuliert.



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