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Aquasport Hameln legt Bäderkonzept vor / Umbau des Hallenbades für nächstes Jahr geplant

Südbad bleibt (vorerst) erhalten

HAMELN. An Szenarien, Kontroversen und Gutachten, wie es mit den städtischen Bädern weitergehen soll, gab es in den vergangenen Jahren keinen Mangel. Das beläuft sich auf rund 1,3 Millionen Euro jährlich für alle drei Bäder. Zwar ist die Stadt die Sorgenkinder seit Gründung der Aquasport Hameln GmbH los, doch das Problem beileibe nicht. Das Tochterunternehmen der Stadtwerke soll als neuer Betreiber der Bäder ein tragfähiges Zukunftskonzept vorlegen.

veröffentlicht am 29.11.2017 um 17:08 Uhr
aktualisiert am 20.02.2018 um 09:23 Uhr

Aus dem Hallenbad Einsiedlerbach soll ein Kombibad werden – das sieht das Bäderkonzept der Aquasport Hameln GmbH vor. Foto: fn
Dr. Guido Erol Hesse-Öztanil

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Dr. Guido Erol Hesse-Öztanil Reporter / Newsdesk zur Autorenseite

Sanierung, Schließung, Umbau? Zahlreiche Fragen sind zu klären. Zumindest einige Antworten liegen jetzt vor. In der jüngsten Sitzung des Aufsichtsrats der Aquasport wurde der erste Teil des Konzepts vorgestellt.

Es handelt sich um eine ausführliche Bestandsaufnahme und Untersuchung der Bäder. Der im Frühjahr folgende zweite Teil soll dann konkrete Vorschläge enthalten, „Entwurfsplanungen“ und Aussagen über künftige „Betriebskonzepte“ und die Energieversorgung der Bäder. „Ziel ist, ein zeitgemäßes und wirtschaftliches Schwimmangebot für die Hamelner Öffentlichkeit sowie den Vereins- und Schulsport bereitzustellen“, erklärt Aquasport-Geschäftsführer Tim Corinth.

Um es vorwegzunehmen: Die Schließung des Südbads ist kein Thema. Noch nicht, muss man ergänzen. Denn der Sanierungsstau ist hier immens. Ein Gutachten von 2007 bezifferte die Kosten mit über neun Millionen Euro. Die dürften mittlerweile beträchtlich höher liegen. „Im großen Becken gibt es erhebliche Absackungen von bis zu einem halben Meter“, so Aquasport-Aufsichtsratsvorsitzender Werner Sattler.

Das sei auf den problematischen Untergrund zurückzuführen, der auch für den Wasserverlust verantwortlich sei. Zudem ist nach Einschätzung des Bäderkonzepts die Wasserfläche im Südbad überdimensioniert. Dennoch soll das Freibad an der Fluthamelstraße, das im Gegensatz zu den beiden anderen Bädern nicht Eigentum der Aquasport ist, sondern lediglich gepachtet wurde, „so lange wie möglich und nötig im Betrieb bleiben“, wie Sattler betont.

Im großen Becken gibt es erhebliche Absackungen von bis zu einem halben Meter.

Werner Sattler, Aufsichtsratsvorsitzender Aquasport Hameln GmbH

Bei der Neuausrichtung der Hamelner Bäderlandschaft spielt das ebenfalls sanierungsbedürftige Hallenbad Einsiedlerbach die entscheidende Rolle. Darauf habe man auch zunächst den Fokus gelegt, so Corinth. Geplant ist der Umbau zu einem Kombibad. Ob das mit dem Bau eines Außenbeckens, der Verwendung von großen Schiebefenstern oder einer Teilöffnung des Daches erreicht wird, lässt Corinth noch offen. Um die Attraktivität zu erhöhen und eine größere Klientel anzusprechen, sei auch an die Realisierung eines Therapiebeckens gedacht.

An eine Erhöhung der Eintrittspreise werde nicht gedacht. Das würde auch kontraproduktiv sein, erklärt der Aufsichtsratsvorsitzende. „Uns geht es darum, mehr Gäste und Besucher sowie Familien in die Bäder zu bekommen. Das spült dann auch mehr Geld in die Kasse.“ Gleichwohl sei festgestellt worden, dass die Ticketpreise im Vergleich zu anderen Bädern „unterdurchschnittlich“ ausfallen. „Da liegen wir schon recht günstig“, so Sattler.

In das Bäderkonzept sind die Ergebnisse einer Umfrage eingeflossen, die die Aquasport 2016/17 durchführte. In allen drei Bädern lagen Fragebögen aus, von denen knapp 860 ausgefüllt wurden. Für das Hallenbad hat sich gezeigt, dass hier vor allem, wie Tim Corinth sagt, die „suboptimalen Öffnungszeiten“ bemängelt werden. Als problematisch erweist sich der parallele Betrieb mit Schulen und Gästen am Morgen. Abends sind es wiederum die Vereine, mit denen sich die Besucher das Bad teilen müssen. Für Corinth steht fest: „Die Zeiten müssen optimiert werden. Wir müssen es schaffen, die parallele Nutzung besser hinzubekommen.“ Kritische Stimmen gab‘s auch zum Internetauftritt. Hier wurde allerdings mittlerweile Abhilfe geschaffen und ein völlig neuer Webauftritt umgesetzt. Überwiegend positiv bewertet wurden Service, Freundlichkeit, Hygiene und Wassertemperatur.

Natürlich wollte man auch in Erfahrung bringen, wie andere Kommunen ihre Bäder für die Zukunft fit gemacht haben. Dazu fand eine Bereisung statt, bei der nicht nur Bäder im Landkreis besucht wurden, sondern mit Wunstorf und Nienburg auch entferntere Einrichtungen unter die Lupe genommen wurden. Ende des Monats geht es noch nach Peine, wo die Stadtwerke seit Ende 2015 das Kombibad „P3“ betreiben und nach Braunschweig, dass sich mit den „Wasserwelten“ ein sündhaft teures Spaßbad leistete (auf rund 35 Millionen Euro explodierte das Projekt). Dafür mussten drei Stadtteilbäder dichtgemacht werden.

Dass das Waldbad Sünteltal ein ähnliches Schicksal ereilen könnte, ist für Oberbürgermeister Claudio Griese undenkbar. „Das ist ein ideales Familienbad und sollte erhalten bleiben.“ Der Rathaus-Chef ist davon überzeugt, dass das Defizit der Bäder abgesenkt werden könne. Der steuerliche Querverbund bringt hier den entscheidenden Vorteil. Die Verluste, die eine Bädergesellschaft einfährt, können mit den Gewinnen der Stadtwerke als Mutterkonzern verrechnet werden. Das wiederum können die Stadtwerke steuerlich geltend machen.

Geht es nach Tim Corinth, könnte – das grüne Licht des Aufsichtsrats vorausgesetzt – im kommenden Jahr der Startschuss für eine Reihe von Baumaßnahmen fallen. Eine Kostenschätzung wird im Frühjahr vorliegen. Der Aquasport-Geschäftsführer ist Realist: „Wir reden nicht über Luftschlösser. Es muss bezahlbar sein.“



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