weather-image
19°

Schlumpern an der Hamelte

Suche nach Hamelner Wörtern und Redewendungen

Ureigene Hamelner Wörter sind gar nicht so einfach auszumachen. Aber es gibt sie, die typischen Hamelner Wörter, bei denen es sich um Bezeichnungen für Dinge handelt, die es (fast) nur in Hameln gibt. Eine Sammlung ohne Anspruch auf Vollständigkeit – und ohne Gewähr.

veröffentlicht am 10.03.2019 um 12:05 Uhr
aktualisiert am 11.03.2019 um 12:03 Uhr

Das erste Sammelergebnis, in einer Wortwolke zusammengefasst, reicht von Focken über Trecke bis wemsen. Grafik: Wordart/n. Trodler
Philipp Killmann

Autor

Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Sprache ist ein Identitätsstifter. Sie verbindet ihre Sprecher miteinander, hält sie zusammen. Was sie meist erst merken, wenn sie von anderen nicht mehr verstanden werden, weil manche Dinge anderswo andere Namen haben. Zwar hat Hameln keine eigene Sprache, keinen eigenen Slang so wie etwa die Mindener mit ihrer Buttjersprache. Auch das Platt ist längst ausgestorben. Aber vielleicht haben sich ja doch ein paar ureigene Wörter erhalten oder Redewendungen entwickelt, die es so nur hier gibt. Die Dewezet hat danach gesucht und ist unter Mithilfe von Mitgliedern der Facebook-Gruppe „Wenn du in Hameln aufgewachsen bist, dann …“ fündig geworden.

HAMELN. Der aus Hameln stammende Jazz-Musiker Dirk Engelhardt sprach im Gespräch mit der Dewezet mal vom „Sound der Heimat“, den er vernimmt, wenn er Hamelner sprechen hört. Es sei „eine Frage der Intonation“. Stimmt ja auch: Wer genau hinhört, dem bleibt die ganz eigene Sprachmelodie der Hamelner nicht verborgen.

Ureigene Hamelner Wörter sind dagegen ungleich schwieriger auszumachen. Auf jeden Fall gibt es typische Hamelner Wörter, bei denen es sich um Bezeichnungen für Dinge handelt, die es (fast) nur in Hameln gibt. Darüber hinaus gibt es Redewendungen, die sich in Hameln gebildet haben und aufgrund der damit verbundenen örtlichen Gegebenheiten auch nur hier funktionieren. Eine Sammlung ohne Anspruch auf Vollständigkeit – und ohne Gewähr.

Promme: Kurzform für die Hamelner Weserpromenade, insbesondere am Stockhof, oder auch „die Überdachte“ für die Promenade am Langen Wall. Stadthistorikerin Gesa Snell vermutet dahinter „eine typische jugend- beziehungsweise alltagssprachliche Abkürzung“.

Focken: Name für die in Hameln stationierten britischen Soldaten. Wieso? Mehreren mündlichen Quellen zufolge geht die Bezeichnung auf den häufigen Gebrauch der jungen Soldaten – besonders während ihrer Kneipentouren – des Wortes „fuck“ (engl.: derb für Geschlechtsverkehr; auch: Schimpfwort) zurück. Ein Wort, das – mit Verlaub – so mancher Hamelner womöglich als einziges verstand. In der Folge wurden die Engländer – neben anderen weit weniger schmeichelhaften Bezeichnungen – kurzerhand als Focken bezeichnet.

Hamelte: Für ältere oder besonders tief verwurzelte Hamelner ist die Hamel nicht die Hamel, sondern die Hamel-te. Eine Bezeichnung, die sich in einem Buch über Ortsnamen aus dem Jahr 1904 wiederfindet, wie Gesa Snell mitzuteilen weiß. Dort steht, dass das „in die Weser mündende Flüßchen im Volksmunde Hamelte“ genannt wird. Dem Autor zufolge stehe „-elte“ für „alta“, einen alten Flussnamen.

Hamelenser: Der Klassiker, über dessen Bedeutung vor der Frage, was Hamelenser (Eingeborene?), Hamelner (Innerhalb der Wälle Geborene?), Hamelatten (Eingeheiratete?) und Hamelunken (Zu- oder auch Weggezogene?) voneinander unterscheidet, seit Jahrzehnten eifrig gestritten wird.

schlumpern: „Chillen“, also entspannen/abschalten, hieß damals „schlumpern“, schreibt eine Facebook-Nutzerin über einen Ausdruck ihrer Hamelner Oma Luise. Ein Wort das sich, wie Gesa Snell aufklärt, bereits im Grimmschen Wörterbuch wiederfindet und dort mit „lose sein, lang, schlapp, unordentlich herabhängen“ übersetzt wird.

pimpern: Hat nix mit dem anderen gleichnamigen Wort zu tun, sondern war in der Altstadt um 1960 eine Bezeichnung für „mit Murmeln spielen“. Inner- wie außerhalb Hamelns auch als „knickern“ bekannt.

Trecke: Mit „Mach die Trecke zu!“, bringt eine Bewohnerin des einstigen Hamelwehrs das Wort Trecke für Tür ein. Eine andere Hamelnerin erinnert sich an den Ausruf „Dör tau!“ – Tür zu! Dabei handelt es sich um Platt. „In Hameln wurde ostfälisches Platt gesprochen“, bestätigt Gesa Snell mit Blick auf „Dör tau!“. „Letzte Reste des Platts spürt man, wenn man sich mit älteren Hamelnern unterhält, die s-t und s-p trennen.“ Ein Ausruf auf Platt wurde von den Grenzbeziehern über die Zeit gerettet: „Allet use!“ – Alles unser!

wemsen: sich prügeln, ein Wort, das laut Snell auch im Rheinland bekannt ist.

krack: das Fenster auf „krack“ stellen. Herkunft: ungeklärt.

Rippen-Rappen: „Die Ham’ler, diese Rippen-Rappen, schieten durch die Fensterlappen“, sollen die Grenzbezieher in den 1950er Jahren gesungen haben. Herkunft und Bedeutung: ungeklärt.

Gatze: der schmale Zwischenraum zwischen zwei Häusern. Herkunft: ungeklärt.

Neben diesen und anderen mehr oder weniger typischen Hamelner Wörtern gibt es auch ein paar originär Hamelnsche Redensarten:

Zum Wehl!: Trinkspruch. Schließlich endet die letzte Reise aller Hamelner in aller Regel auf einem Friedhof. Und für einige auf dem Friedhof Wehl.

Ohren bis nach Vogeley haben: Aus großem Interesse an einer Sache die Ohren offenhalten – bis zur einstigen Puddingfabrik Vogeley im Industriegebiet Süd.

Rumlaufen wie Lakunja: „Du läufst heute wieder rum wie Lakunja!“ – „was auch immer das heißt beziehungsweise wer auch immer das ist“, wie eine Facebook-Nutzerin schreibt.

Aufruf:Wie Sie sehen, liebe Leser, gab die erste Ausbeute schon ein bisschen was her, aber da ist noch Luft nach oben. Falls Sie also weitere Wörter oder Redewendungen kennen, die es nur in Hameln gibt, dann lassen Sie es uns wissen! Hinweise nimmt Redakteur Philipp Killmann telefonisch unter 05151 / 200-431 entgegen sowie per E-Mail via p.killmann@dewezet.de.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt