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Plötzlich muss alles digital laufen

Studieren während der Corona-Pandemie – wie ist der Stand?

HAMELN. Wie hat sich der Alltag eines Studenten aufgrund der Corona-Krise verändert? Ist Studieren in diesen Zeiten überhaupt möglich? Wie schreibt man unter diesen Umständen Klausuren? Schaffe ich jetzt noch rechtzeitig meinen Abschluss? All das sind die Fragen, die sich nicht nur die Lehrenden, sondern auch Studenten wie ich, in diesem Semester stellen müssen.

veröffentlicht am 27.06.2020 um 15:00 Uhr

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Online- statt Präsenzstudium

Das Sommersemester 2020 in Hannover findet, wie an fast allen Universitäten, nur in Form von digitaler Lehre und Online-Formaten statt. Für die meisten Studierenden und Lehrenden ist das eine enorme Umstellung. Wo sonst Hunderte in vollen Hörsälen und in überfüllten Seminaren gesessen haben, herrscht heute gähnende Leere. So gut wie alle Veranstaltungen finden online oder per Videokonferenz statt. Online-Lehre kann funktionieren, aber nur wenn die nötigen Voraussetzungen geschaffen worden sind.

An vielen Stellen ist das jedoch nicht der Fall. Sowohl Lehrende als auch Studierende sind nicht mit dem E-Learning vertraut, da die meisten Studiengänge primär Präsenzveranstaltungen anbieten. Diese Präsenzlehre lässt sich jedoch nicht eins zu eins auf eine Onlineplattform übertragen. Bei vielen scheitert es da schon am Umgang mit der Technik. Nicht funktionierende Webcams, offene Mikrofone oder auch schlechte Internetverbindungen sind bei Videokonferenzen keine Seltenheit.

Forderungen aus Forschung und Lehre

Viele Personen aus der Forschung und Lehre fordern daher ein „Nichtsemester“, also ein Semester, in welchem Lehre zwar stattfindet diese aber nicht regulär angerechnet wird. Unter dem gleichen Namen wurde ein Offener Brief veröffentlicht, der fast 16.000 Unterschriften einsammeln konnte. In diesem Schreiben wird auf die aktuellen Probleme an den Hochschulen, Akademien und Universitäten aufmerksam gemacht. Laut den Verfassern seien mindestens 85 Prozent der Lehrenden und Forschenden prekär beschäftigt. Auch Studierende „die erwerbstätig sind, Care-Verpflichtungen (unbezahlte Pflegearbeit; Anm. d. Red.) haben, über wackelige technische Infrastruktur und wenig Ressourcen verfügen, sind die Mehrheit“.

Auch die Initiative „Solidarsemester“ hat sich dem Thema angenommen. Bündnispartner aus ganz Deutschland haben einen studentischen Forderungskatalog zur Lage der Hochschulen veröffentlicht und fordern Unterstützung von Bund und Ländern. Im Vordergrund stehen existenzsichernde Maßnahmen, um die durch die Pandemie entstandene finanzielle Situation zu entschärfen. Auch die Situation der ausländischen Studierenden aufgrund von Aufenthaltserlaubnissen sei nicht außer Acht zu lassen. Grundsätzlich sollen keine Nachteile für helfende und betroffene Studenten der Corona-Krise entstehen.

Anspruch an ein erfolgreiches Semester

Von vielen Seiten wird nun eine angepasste Semestergestaltung gefordert. Diese reicht von einem abgeänderten Vorlesungszeitraum, über Aussetzung der Zwangs-Exmatrikulationen bis hin zu Freiversuchen bei Prüfungen im Sommersemester. Auch sollen die Nachteilsausgleichs- und Härtefallregelungen an die gegenwärtige Situation angepasst und erweitert werden, sodass mehr Studierenden die benötigte Hilfe zusteht. Die ebenfalls in der Kritik stehenden Studiengebühren sollen anteilig zurückgezahlt werden, da Teile der gezahlten Leistungen entfallen. Langzeitstudiengebühren sollen vollständig für das Online Sommersemester zurückgezahlt werden.

Sollten auch nur einige der Vorschläge umgesetzt werden, so wär den Studierenden schon sehr geholfen. Gerade die Studiengebühren, jetzt unter dem Namen Semesterbeitrag, sind in Hannover die Teuersten in Niedersachsen. Diese könnten je nach Nutzung anteilig zurückgezahlt werden. Denn auch Pendler wie ich, die durch die Corona Krise das Nahverkehrs-Ticket nicht nutzen (können), zahlen dies trotzdem. Mit 228 Euro ist es auch gleichzeitig der teuerste Posten.

Der Allgemeine Studierendenausschuss in Hannover (AStA Uni Hannover) unterstützt „die Forderung eines Solidarsemesters sehr“ und stellt sich „zu 100 Prozent hinter die Forderungen, die das Bündnis aufgestellt hat“. Die kommenden Soforthilfen für Studenten kommen „viel zu spät“, da viele bereits vor Monaten ihren Nebenjob verloren haben. Außerdem sei die Soforthilfe viel zu niedrig angesiedelt, da diese nur greift, wenn man möglichst wenig Geld auf dem Konto habe. Der Betrag errechnet sich aus dem Kontostand und der Differenz zu den 500 Euro, die man maximal erhält. Da die Bezahlung des Semesterbeitrags ansteht, sei dies eine „schwierige Sache“, da womöglich bereits Geld dafür angespart wurde.

Auch sollen Gespräche mit dem Präsidium gesucht werden, um eine zufriedenstellende Lösung für alle Beteiligten zu finden. Aktuell gibt es viele Probleme in Bezug auf die Online-Lehre an der Universität Hannover. Diese reichen von „Dozierenden, die Studierende aus den Vorlesungen ausschließen, wenn sie zu spät kommen (auch wenn es sich um technische Schwierigkeiten handelt)“, über Probleme mit Praktika, bis hin zu „Abschlussarbeiten, die nicht ordentlich geschrieben werden können“. Die Liste der potenziellen Möglichkeiten für die Probleme ist lang, bisher wurde jedoch nur wenig umgesetzt.



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