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Geschäftsmann Bilgin Onur liegt sich seit Wochen mit der städtischen Bauaufsicht in den Haaren

Streit um leuchtende Kästen mit Werbung

Hameln (ni). Als Bilgin Onur Ende des vergangenen Jahres mit seinem Geschäft von der Baustraße in die Emmernstraße umgezogen ist, hat er auch die Werbeanlagen mitgenommen, mit denen er in der Baustraße auf sein Gardinenatelier aufmerksam gemacht hat. Elemente davon brachte er in der Emmernstraße wieder an – und rief damit die Bauaufsicht auf den Plan. Seitdem streiten beide miteinander. Dass er für die Werbung am neuen Standort eine Genehmigung brauchte, wusste Onur nicht. „Mein Fehler“, sagt er und findet es bis heute noch in Ordnung, dass er diese Genehmigung nachträglich beantragen musste. Was er nicht mehr ganz so in Ordnung findet: dass er für sein Versäumnis gleich mit dem dreifachen Gebührensatz bestraft wurde und für die Bearbeitung des Antrages 162 statt 54 Euro berappen musste.

veröffentlicht am 11.02.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 18:41 Uhr

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Noch viel mehr ärgert den Geschäftsmann allerdings, dass von seiner Werbeanlage plötzlich so viele Teile als „nicht zulässig“ eingestuft wurden. Wie zum Beispiel die beiden „Aussteller“, die er links und rechts neben dem mittig angebrachten Schriftzug „Gardinenatelier“ montiert hatte. Die Leuchtkästen, die schon in der Baustraße hingen, dürften maximal 70 Zentimeter hoch sein, seien tatsächlich aber 90 Zentimeter hoch und müssen darum entfernt werden, beschied ihm die Verwaltung. Außerdem seien sie nicht zulässig, „da bereits Leuchtwerbung als Flachwerbung vorgesehen ist“. Doch diese leuchtende Flachwerbung wurde ihm mit Hinweis auf die geltenden Vorschriften ebenfalls nicht gestattet. Danach dürfen in der Hamelner Altstadt nämlich nicht die Kästen mit einer Werbeaufschrift leuchten, sondern nur die Buchstaben eines Werbeschriftzuges.

Schräg gegenüber von Onurs Laden hat die Gewerkschaft ver.di ihr Büro. Am Haus hängt ein Leuchtkasten mit dem „ver.di“-Schriftzug. Hängt obendrein in Höhe der ersten Etage, obwohl die Bauvorschrift Werbung „nur im Bereich des Erdgeschosses“ erlaubt. Da wundert sich Onur schon, warum ihm „das nicht gestattet wird“.

Und noch so eine Ungereimtheit in seinen Augen: Die Fassade des Hauses an der Emmernstraße ist im Erdgeschoss aufgebrochen, Schaufenster und Ladeneingang sind zurückgesetzt. An Pfeilern links und rechts hatte Onur seitlich je eine weiße Werbetafel mit dem schwarzen Schriftzug „Gardinenatelier“ angebracht. Auch diese Tafeln mussten weg, weil laut Vorschrift „tragende oder die Gestaltung prägende Bauteile, zum Beispiel Stützen, Pfeiler … durch Werbeanlagen nicht verdeckt“ werden dürfen. „Aber am mittleren Pfeiler hängt Werbung, nicht von mir, sondern von einem Anwalt. Warum ist das dann erlaubt“, fragt sich Onur.

Genauso wie er sich fragt, warum man ihm vorrechne, die für Werbeanlagen zulässige Gesamtlänge von vier Metern um „15 Zentimeter überschritten zu haben“, wo sein Gegenüber doch auf locker 5,60 Meter komme. So verärgert, wie Bilgin Onur wegen der Verwaltung ist, so strapaziert fühlt sich die Bauaufsicht inzwischen offensichtlich durch Onurs Streitlust. „Wir haben das alles schon zig Mal mit ihm besprochen“, versichert der zuständige Fachbereichsleiter Wolfgang Kaiser. Schon am Laden Onurs in der Baustraße habe die Verwaltung die Werbeanlagen moniert, weil sie nicht den Vorschriften entsprach. „Aber wir haben ein Auge zugedrückt“, sagt Kaiser. Dass der Geschäftsmann am neuen Standort auch wieder Sonderrechte für sich beanspruche, könne und wolle die Verwaltung nicht gelten lassen. Im Übrigen irre Onur, wenn er behaupte, seine Werbeanlage sei nur 15 Zentimeter länger als gestattet. Die Werbefläche an den Pfeilern sowie die an den Auslegern müsse nämlich mit eingerechnet werden. Dadurch addiere sich die Gesamtlänge auf deutlich mehr als fünf Meter. „Herr Onur weiß das“, tue sich aber schwer damit, die für alle geltenden Regeln auch für sich zu akzeptieren. Keinesfalls sei dem Geschäftsmann Werbung an den Seiten der Pfeiler verboten. Nur dürften die Schilder eben nicht höher als 70 Zentimeter sein und müsse Onur sich dann „an anderer Stelle beschränken“, um die vier zulässigen Meter einzuhalten. Das Anwaltsschild an der Mittelsäule entspreche den Vorschriften und stelle keine Bevorzugung dar, die man Onur verweigere. Gleiches treffe auf das Geschäft gegenüber zu. Der Firmenname sei dort nur einmal an der Fassade über dem Eingang angebracht. In den Schaufenstern rechts und links stehe er zwar auch, aber eben an die Scheibe geklebt. Werbung dieser Art sei erlaubt und werde der Werbefläche an der Fassade nicht zugeschlagen. Mit dem Hinweis auf den Leuchtkasten von ver.di allerdings habe Onur recht. „Der ist ohne Genehmigung angebracht worden, darum werden wir uns kümmern“, sagt Kaiser. Onur kritisiert das Verhalten der Verwaltung als kleinlich und wenig unternehmerfreundlich. Auf der einen Seite jammere die Stadt über leerstehende Läden, auf der anderen mache sie ihm das Leben schwer. „Ich muss doch auf mein Geschäft hinweisen können“, begründet er seine Vorliebe für die Leuchtkästen. Die hätten außerdem den Vorteil, „dass dadurch auch die Straße heller wird“. Wenn das von der Stadt nicht gewünscht sei, „dann bleibt es hier eben künftig dunkel“, sagt Onur, der die Kästen inzwischen abmontiert hat. „Dann soll Herr Onur seine Schaufensterbeleuchtung einschalten“, hält Kaiser dagegen. Damit wäre sowohl dem Bedürfnis nach einer gewissen Helligkeit als auch den Vorschriften Genüge getan.

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