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Stockende Tarifverhandlungen: In und um Hameln gingen Mitarbeiter zu ver.di und nicht zur Arbeit

Streik im Supermarkt – vor dem Feiertag

Hameln. Es ist frisch an diesem Mittwochmorgen. Zehn Mitarbeiter des Supermarkts an der Lemkestraße im Hamelner Norden sind trotzdem vor der Tür ihrer Arbeitsstätte geblieben. „Tarifverträge schützen!“ steht hinten auf ihren grellgelben Warnwesten, „Heute: Streik“ auf roten Plakaten – fast als wäre es ein Sonderangebot. Ein „sensibles Datum“ hätten sie sich ausgesucht, geben die Betriebsratsvorsitzende Gerlinde Kaudasch und ver.di-Fachsekretär Hans-Jürgen Döbbelin zu. Ein leichtes Grinsen können sie sich nicht verkneifen. Ein überraschender Streik in Supermärkten am Tag vor dem Feiertag und dem für viele folgenden langen Wochenende – aus Sicht der Gewerkschaft ist das ein echter Coup.

veröffentlicht am 02.10.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 00:41 Uhr

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Autor:

Nina Reckemeyer und Frank Henke
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Anlass für den Streik sind die „ins Stocken geratenen Tarifverhandlungen in Niedersachsen“, erklärt Döbbbelin: „Der letzte Verhandlungstermin war im Juni und es gibt keine Hinweise, dass die Arbeitgeber mit uns reden wollen.“ Kaudasch, selbst Verkäuferin im E-Center in der Nordstadt, hat sich die Kürzungen, die aus den geplanten Tarifveränderungen hervorgingen, ausgerechnet: „Bei einer Ganztagskraft in der Endstufe würde das am Ende 400 Euro weniger bedeuten.“ Laut ver.di würde die Arbeitgeberseite die Forderungen der Gewerkschaft, unter anderem ein Mindestlohn von 8,50 Euro, als „vollkommen überhöht“ einstufen, ein Gegenangebot mache sie nicht.

Deshalb hat ver.di an diesem Oktobertag ins Weserbergland-Zentrum in Hameln geladen. „Unsere Idee war es, dass die Arbeitgeber einen wirtschaftlichen Verlust spüren. Schließlich ist heute ein umsatzstarker Tag“, meint der Fachsekretär. Die zehn Mitarbeiter des E-Centers an der Lemkestraße sind gekommen – außer ihnen noch einige Kassiererinnen und Service-Mitarbeiterinnen des E-Centers in Springe und des Rewe-Marktes in Stadthagen – unter ihnen auch ein paar wenige Männer. Nicht erschienen hingegen sind die Mitarbeiter der Penny- und Rewe-Märkte aus Hameln. „Wir hätten mit etwas mehr Beteiligung gerechnet“, sagt Döbbelin, als er die Versammlung eröffnet.

Denen, die gekommen sind – rund 30 Mitarbeiter aus dem Einzelhandel – es geht vor allem um den Erhalt, oder treffender, um die Rückeroberung ihres „Mantelvertrags“. Der sichere den Arbeitnehmern die Wertschätzung der eigenen Arbeit. Und das ist es, worauf es den Frauen und Männern, die alle die grelle Warnweste tragen, ankommt: „Die Wertschätzung der Leistung, weniger aufs Geld“ – das hören wir häufiger an diesem Tag: „Geld ist nicht die Hauptsache“, sagt eine Kassiererin (47) aus dem E-Center in Springe. Ihre Kollegin pflichtet ihr bei: „Es sollen Leiharbeiterinnen eingestellt werden. Auf Dauer werden die uns ersetzen. Was wir uns erarbeitet haben, ist auf einmal nichts mehr wert“, sagt die 52-Jährige. „Wenn wir den Mantelvertrag verlieren, verlieren wir alles“, ergänzt die erste Frau. „Auch die Spät- und Nachtzulage“, fügt ein junger Mann (18) hinzu – eine „Billiglohngruppe“ würde geschaffen. Monika Reineke (50) aus der Warenannahme im Hamelner E-Center ängstigt die ausgedünnte Personallage: „Nur weil weniger Umsatz gemacht wird, bedeutet das nicht, dass weniger Arbeit zu erledigen ist.“

Gegen ein Uhr zur besten Mittagszeit ist von dem Streik in der Nordstadt nicht mehr viel zu spüren – die Verantwortlichen haben reagiert: Außer ein paar Herren mit Hemd und Schlips, die die Regale neu befüllen, einigen Pappkartons, die sonst nicht in den Gängen stehen und ein paar vereinzelten Lücken in den Auslagen scheint alles wie immer.



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