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Straßenname erinnert an uralte Siedlung mit „einigermaßen freien Leuten“ – und an Graf Bernhard

Straßenname erinnert an untergegangenes Dorf Büren

So wie in alten Gemäuern Geschichten stecken, so sind auch in Straßennamen Erzählungen verborgen. In der Reihe „Straßen-Geschichten – Woher kommen Straßennamen?“ spürt die Dewezet-Redaktion diesen Geschichten in einer losen Reihe nach. Heute geht es um die Bürenstraße.

veröffentlicht am 29.12.2018 um 11:00 Uhr
aktualisiert am 29.12.2018 um 12:14 Uhr

An einem roten Backsteinhaus in der Bürenstraße wird auf einem der älteren Straßenschilder Hamelns an das Dorf Büren erinnert, das sich einst auf dem Klüt befunden hat. Foto: wal
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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HAMELN. Ein bisschen Romantik gefällig? „Eine zahlreiche Bevölkerung, die Viehzucht und Ackerbau trieb, dazu der Jagd in den Bergwäldern, nicht zuletzt dem Fischfang in der fischreichen Weser oblag, ausgestattet mit selbstgeschmiedeten Waffen und Geräten von Eisen, aber auch noch von eingeführter Bronze, füllte diese zwar kleinen, aber ziemlich dicht gereihten Dörfer“, schrieb der Historiker Heinrich Spanuth (1873-1958) – mit romantisch verklärtem Blick – in seiner Stadtgeschichte über die Siedlungen an der Weser, aus denen später Hameln hervorging. Eines dieser Dörfer war Büren, das sich auf dem Klüt befand, zwischen Finkenborn und Riepenburg gelegen, und nach dem 1875, lange Zeit nach seinem Untergang im 14. Jahrhundert, die Bürenstraße in der Kernstadt benannt worden ist.

Auf einer Karte von 1652 sind laut Gerhard Pieper „im Jagen 44 (Bürener Berg) die Dörfer Groß und Klein Büren eingezeichnet“. Auch an andere aus vorchristlicher Zeit stammende Dörfer wird mit Straßennamen erinnert. Die Wenger Wiese und die Wenger Straße erinnern an das Dorf Wenge, das sich einst dort befand, wo heute das Klütviertel liegt, oder die zwischen 164er Ring und Kastanienwall gelegene Gröninger Straße, die an das wüstgegangene Dorf Gröningen erinnert, das sich im Mittelalter zwischen Hameln und Holtensen befand. „Die Bewohner waren einigermaßne freye Leute, und niemanden zu besonderen Diensten verpflichtet“, heißt es in der Stadtgeschichte des einstigen Bürgermeisters Johann Friedrich Moller (1711-1772).

Die Bürenstraße hebt sich von den anderen Straßen ab, weil das Dorf Büren für die Gründung der Stadt Hameln von besonderer Bedeutung war. In Büren soll später nämlich Graf Bernhard von Büren (†826) seinen Sitz gehabt haben, von dem sich auch sein Name ableitet. Er gilt als Stifter der Münsterkirche, um deren Kloster herum sich dann die Stadt entwickelte. Einer alten Legende nach soll der Graf im Klüt sogar einen Schatz hinterlassen haben.

Bedeutung gewinnt die Bürenstraße auch durch die unselige Geschichte der einstigen jüdischen Gemeinde, deren Synagoge sich dort befand, bis die Hamelner Nazis sie 1938 verbrannten. 2011 weihte die Liberale Jüdische Gemeinde eine neue Synagoge in der Bürenstraße ein.

Schlagzeilen machte die Bürenstraße zuletzt dadurch, dass sie in Teilen zu einer Einbahnstraße gemacht wurde. Es handelt sich um einen Versuch mit dem Ziel der Verkehrsberuhigung. Allerdings scheinen auch drei Monate nach Einführung der Einbahnstraßenregelung noch nicht alle Autofahrer davon mitbekommen zu haben. Immer wieder wird die Regelung missachtet.



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