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Im Tierheim ging der scheue Streuner die Wände hoch

Straßenkater Heinz weiß, wo es das beste Futter gibt

Hameln (ni). Heinz hätte es so gut haben können. Er hätte sich nur ein bisschen anpassen müssen. Sich anfassen lassen, vielleicht ein leises Schnurren hin und wieder – mehr wurde von ihm nicht erwartet. Doch statt dessen ging Heinz die Wände hoch, geriet in Panik, wenn sich Menschen näherten, verweigerte das Futter. Heinz, der Kater, und das Hamelner Tierheim – sie passten einfach nicht zueinander. Jetzt lebt Heinz wieder dort, wo es ihm am besten gefällt: auf der Straße. Genauer: an der Waterloostraße und der Haustür von Rosemarie Heinze immer ganz nahe. Die Tierfreundin mit dem großen Herzen hat Heinz mit warmem Hühnchenfleisch schon über die bitterkalten Wintertage gebracht – und füttert ihn jetzt weiter, wenn auch nicht ganz freiwillig.

veröffentlicht am 16.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 19:21 Uhr

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Anfang Februar hat Rosemarie Heinze den Kater mit viel Mühe eingefangen und im Hamelner Tierheim abgeliefert. Das scheue Tier, „so abgemagert und ganz mit Öl verschmiert, weil es immer unter den parkenden Autos lag“, tat ihr einfach leid, „da draußen und bei dieser Kälte.“ Schon als sie den Kater ablieferte, sagte man ihr, dass man ihn möglicherweise wieder aussetzen werde. Vier Wochen später streunte Heinz wieder um ihre Wohnung, jetzt allerdings kastriert.

Ein Tierheim setzt Katzen aus? „Ja“, sagt die Claudia Gebhardt, „aber nur, wenn es nicht anders geht.“ Und das heißt: wenn sich herausstellt, dass sich eine verwilderte Hauskatze auch nach der Kastration nicht an den geschlossenen Raum und die Nähe von Menschen gewöhnen kann. Heinz war so ein „Straßenkater“, der nichts anderes als seine Freiheit haben wollte „und für den es eine Quälerei bedeutet hätte, wenn wir ihn weiter hierbehalten hätten“, so die Leiterin der Einrichtung. Alle Annäherungsversuche quittierte er mit „panischer Flucht, es war ganz bitter, das mit ansehen zu müssen“.

An der Hamel hat man Heinz wieder in die Freiheit entlassen – in der Nähe von Menschen, „die uns bekannt sind, und von denen wir wissen, dass sie immer ein bisschen auf streunende Katzen achten und ihnen auch Futter hinstellen“, so Gebhardt. Aber bei aller Scheu vor den Zweibeinern sei Heinz offenbar auch „ein sehr cleverer Straßenkater“ und echter Überlebenskünstler. Und als solcher eben auch schlau genug, den Weg zurück zu dem Platz zu finden, an dem ihm regelmäßig warmes Hühnchen serviert wurde.

Rosemarie Heinze wird Heinz nur wieder los, wenn sie ihm nichts mehr zu fressen gibt. Aber das könnte die Hamelnerin „nie übers Herz bringen, so dünn wie der ist“. Dabei würde der Kater „bestimmt nicht verhungern, sondern sich woanders sein Futter suchen“, ist sich Claudia Gebhardt absolut sicher. Aber sie weiß auch, dass sich mitfühlende Seelen wie Rosemarie Heinze schwertun mit der Vorstellung, eine verwilderter Katze könnte tatsächlich lieber alleine durch die Stadt stromern, als es sich auf dem Sofakissen bequem zu machen. Und doch sei es so. Wer so einen Freigänger ohne Familienanschluss füttere, müsse allerdings damit rechnen, dass der zum Stammgast im Garten werde. Besser sei es, eine offensichtlich streunende Katze ein paar Tage zu beobachten. Komme das Tier immer wieder, obwohl man es nicht gefüttert hat, sollte man im Tierheim anrufen. Mit großen Lebendfallen oder Boxen würde das Tier dann eingefangen, wenn nötig aufgepäppelt und auf jeden Fall kastriert. Gebhard: „Eine Katze, die sich danach anfassen und streicheln lässt, würden wir nie aussetzen, sondern alles dafür tun, damit sie in liebevolle Hände kommt.“



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