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Wer ist zuständig für die Kinder am Kuckuck?

Straße statt Schulhof

Hameln. Kein politisches Statement über vermeintlich kriminelle Migranten, keine öffentliche Debatte über wuchernde Parallelgesellschaften ohne den Hinweis auf die integrative Wirkung von Bildung. Der Schulbesuch gilt als erster Schritt hin zu einer erfolgreichen Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Keine Schulbildung, keine Integration, so der Umkehrschluss. Das Hamelner Wohngebiet „Kuckuck/Rohrser Warte“ entwickelt sich derzeit unter den Augen von Anwohnern, Politikern, Stadt und Landkreis zu einem sozialen Brennpunkt, der auch mit diesem Integrationsproblem zu kämpfen hat: „Wir sehen hier auf der Straße und im Treffpunkt ,Kuckucksnest‘ häufig Kinder, die wir noch nie in der Schule gesehen haben“, berichtet Birgit Albrecht, Leiterin der Grundschule Hameln-Rohrsen. Diese seien, vermutet Albrecht, Kinder zugewanderter Roma-Familien, nicht gemeldet und auf dem Papier demnach gar nicht existent.

veröffentlicht am 04.02.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2017 um 12:26 Uhr

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Wiebke Kanz

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Wiebke  Kanz Reporterin (in Elternzeit) zur Autorenseite
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Normalerweise, erklärt die Schulleiterin, haben Familien nach ihrem Umzug bis zu sechs Wochen Zeit, ihre Kinder bei der nächstgelegenen Schule anzumelden. „Wenn wir mitbekommen, dass dies nicht geschieht, melden wir das dem Ordnungsamt“, sagt Albrecht. Das Problem: Sind die Familien nicht beim Einwohnermeldeamt gemeldet, hat das Ordnungsamt keine Adressen, kann die Kinder also nicht ausfindig machen – und verweist den Fall weiter ans Jugendamt. „Da sind wir dann nicht mehr zuständig, da die Stadt Hameln kein eigenes Jugendamt hat“, heißt es vonseiten der Stadt.

Beim Jugendamt des Landkreises Hameln-Pyrmont allerdings sieht man die Zuständigkeiten anders verteilt. „Es wäre Aufgabe der Stadt, den Sachverhalt aufzuklären, wenn nötig mit einem Dolmetscher“, sagt Jugendamtsleiter Andreas Kopp. Zumal viele Anwohner im Wohngebiet „Kuckuck/Rohrser Warte“ darüber klagen würden, dass „normale Mehrfamilienhäuser als Massenunterkünfte mit vier oder fünf Familien pro Wohnung genutzt werden“. „Das müsste die Stadt auch baurechtlich interessieren“, meint Kopp.

Während Stadt und Landkreis Zuständigkeiten hin- und herschieben, bleibt das Kernproblem unangetastet: Niemand, weder Stadt und Kreis, noch die Grundschule Hameln-Rohrsen oder das Stadtteilprojekt „Kuckucksnest“ wissen, wie viele Personen in den vergangenen Monaten tatsächlich zugewandert sind, wie viele Kinder im schulpflichtigen Alter sich unter ihnen befinden, ob sie auf der Durchreise sind oder bleiben werden. „Viele der Familien sind nicht greifbar, die meisten sprechen kein Deutsch, kein Englisch“, sagt Schulleiterin Albrecht.

Niemand kann genau sagen, wie viele Familien aus dem Ausland sich in den letzten Monaten am Kuckuck niedergelassen haben. Häufig aber spielen auf der Straße Kinder, die der Grundschule Hameln-Rohrsen nicht bekannt sind. Dana/fn

Die Behörden sind gelähmt. „Zwischen September 2013 und Januar 2014 wurden 40 Kinder gemeldet, die Dunkelziffer ist aber weitaus höher“, sagt Jugendamtsleiter Kopp. Und da sich die offiziellen Stellen – trotz „rundem Tisch“ und vielbekundeter Betroffenheit – nur schwer aus den Fesseln der Vorschriften und Zuständigkeiten lösen, fliegen viele der Kinder weiter unter ihrem Radar.

In den kommenden Wochen wollen Vertreter von Stadt, Landkreis, Grundschule und Kindergarten in Rohrsen, der Verein SAM und weitere Akteure zusammenkommen, um über die Zukunft des Brennpunkts Kuckuck zu beraten. „Ich merke, dass alle möglichen Leute aktiv werden, und das macht mir Hoffnung“, sagt Birgit Albrecht.



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