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Bergsstraße wird zweimal aufgerissen / Claus Clavey: „Das bedeutet doppelte Belastung für die Anwohner“

Straße auf, dann zu und wieder auf

HESSISCH OLDENDORF. Baustellen haben zuweilen ihre eigene Dynamik: Nicht selten kommt es vor, dass sie eingerichtet werden und dann geschieht tagelang nichts. Ärgerlich ist auch die Variante, wenn an der selben Stelle innerhalb kurzer Zeit das Pflaster zweimal aufgerissen wird. Das steht Anwohnern der Bergstraße bevor und ruft deshalb Ortsbürgermeister Claus Clavey auf den Plan. „Ich kann nicht verstehen, dass die Arbeiten nicht in einem Abwasch erledigt werden.“

veröffentlicht am 14.02.2018 um 11:54 Uhr
aktualisiert am 14.02.2018 um 19:20 Uhr

Derzeit Baustelle und bald wieder Baustelle: Ein Teil der Bergstraße wird zweimal aufgerissen. Foto: fn

Autor:

Guido Erol Hesse-Öztanil
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Rückblende: Vor einigen Tagen rückte ein Tiefbauunternehmen im Auftrag der Telekom in der Berg- und Greitstraße an, um eine Straßenseite für die Verlegung von Glasfaserkabel aufzureißen. Der Grund: Die BDH-Klinik Hessisch Oldendorf an der Greitstraße ist auf eine leistungsstärkere Internetverbindung angewiesen. Bislang habe man sich mit einem veralteten Kupferkabelanschluss beholfen, doch der sei kaum mehr ausreichend für den zunehmend größer werdenden Datentransfer, erklärt Klinik-Geschäftsführer Uwe Janosch. Wie antiquiert sich zuweilen der Transport von digitalen Informationen gestaltet, wird daran deutlich, dass Datenträger mit dem Wagen zur MHH nach Hannover gefahren werden müssen. Und mit dem alten Kabel falle der Transfer von Infos an die Krankenkassen immer schwerer. Zudem habe sich die Klinik vor zwei Jahren ein MRT angeschafft, dessen umfangreiches Datenmaterial kaum weiter verschickt werden könne. „Wir befinden uns in Bezug auf die Digitalisierung in einem Entwicklungsland. Um nicht ganz abgehängt zu werden, hat der Träger entschieden, dass alle Kliniken mit zeitgemäßer EDV ausgestattet und verbunden werden sollen“, so Janosch. Eine längst überfällige Maßnahme. Für die Kosten komme der Klinik-Träger auf. Nach Angabe der Stadt werden die Arbeiten in der Bergstraße bis Anfang März dauern.

Was die BDH-Klinik nicht wissen konnte: Noch in diesem Jahr werden erneut Baumaschinen in der Bergstraße anrücken. Die Straße muss wegen ihres teilweise maroden Zustandes saniert werden. Das soll in drei Abschnitten geschehen, da die Bergstraße insgesamt fast 1000 Meter lang ist. Gestartet wird mit dem Abschnitt Schilfstraße bis Wiesenstraße (Baukosten hierfür: rund 343 000 Euro), es folgen 2020 der Bereich Wiesenstraße bis Narzissenstraße (530 000 Euro) und in 2021 oder 2022 der Abschnitt Narzissenstraße bis Schule Rosenbusch (260 000 Euro). Da die Stadt eine Straßenausbaubeitragssatzung hat, können und sollen die Anwohner ihr Scherflein zur geplanten Sanierung beitragen – laut Vorlage der Verwaltung in „Vorausleistung“. Die Höhe des Anteils wird bei rund 40 Prozent der Baukosten liegen. Von den Gesamtkosten, die mit rund 1,13 Millionen Euro veranschlagt sind, würden danach rund 410 000 Euro auf die Anlieger entfallen.

Während die BDH-Klinik derzeit in schnelles Internet investiert, müssen die Anwohner noch buchstäblich in die Röhre schauen, sollen doch lediglich „Leerrohre für Breitbandverkabelung“ bei der Straßensanierung verlegt werden. „Die sind für die spätere Breitbandversorgung durch das Kreisnetz vorgesehen“, so Bürgermeister Harald Krüger. Bekanntlich möchte der Landkreis als Betreiber eines eigenen Glasfasernetzes die noch vorhandenen weißen Flecken, wozu auch Hessisch Oldendorf zählt, beseitigen. „Nur, das ist alles noch Zukunftsmusik. So lange hätten wir nicht warten können“, betont Uwe Janosch von der BDH-Klinik.

Dass die Bauarbeiter innerhalb kurzer Zeit gleich zweimal anrücken müssen, ist für Claus Clavey nicht nachvollziehbar. „Das kostet Steuergeld und bedeutet doppelte und wochenlange Belastung der Anlieger. Hier wäre eine Abstimmung zwischen Verwaltung, Klinik und Telekom notwendig gewesen, wobei man es nicht so weit kommen lassen darf, dass die Telekom die Termine allein bestimmt, zumal diese als Aktiengesellschaft auch dem Bund gegenüber zu sparsamen Wirtschaften verpflichtet ist.“ Die Kritik will Hessisch Oldendorfs Rathaus-Chef nicht auf sich sitzen lassen. „Es nicht so, dass wir nicht versucht hätten, das Ganze zu harmonisieren“, erklärt Krüger. Man habe den Versuch unternommen, eine Abstimmung mit der Telekom herbeizuführen und bei der Klinik um eine Verlegung der Arbeiten gebeten. Ohne Ergebnis. „Ich kann die Irritationen und das Unverständnis nachvollziehen“, so Krüger. Doch der Stadt seien die Hände gebunden. „Wir erteilen nur die verkehrsrechtliche Genehmigung.“ Krüger setzt auf den „intensiven Dialog“ mit den betroffenen Anwohnern. Sie sollen über das, was vor ihrer Haustür passiert, informiert werden.

Im Bauausschuss wurde gestern Abend erstmals der Zeitplan zum Ausbau der Bergstraße vorgestellt. Die Entscheidung fällt dann der Rat in seiner Sitzung am 26. April.

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