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Knapp, aber drunter

Stickstoffdioxid-Konzentration an Deisterstraße unter Grenzwert

HAMELN. 39 ist die Zahl, die im Rathaus jetzt für verhaltene Erleichterung sorgt: 39,55 Mikrogramm Stickstoffdioxid (NO2) pro Kubikmeter Luft wurden im vergangenen Jahr an der Messstation der Deisterstraße durchschnittlich ermittelt – damit liegt Hameln erstmals seit Beginn der Messungen durch das Gewerbeaufsichtsamt Hildesheim unterhalb des von der Weltgesundheitsorganisation und der EU festgeschriebenen Grenzwerts von 40 Mikrogramm. Füße hoch, Zeit für Champagner? „Natürlich nicht“, gibt Ralf Wilde, Leiter der Abteilung Umwelt zu verstehen.

veröffentlicht am 16.02.2018 um 14:10 Uhr
aktualisiert am 16.02.2018 um 21:10 Uhr

Die Ampelschaltung an der Deisterstraße wurde geändert. Das könnte zur Senkung der Stickstoffdioxid-Belastung beigetragen haben. Foto: fn
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Als „Teilerfolg“ wertet Wilde die niedrigere Konzentration des schädlichen Gases aber doch. Die Liste mit den Ergebnissen für 2017 weist für 9 von 24 Mess-Zeiträumen eine Überschreitung des Grenzwertes aus; im Jahr zuvor geschah das noch bei 18 von 25 Malen, im Jahr 2015 wurde der Wert in 20 von 24 Fällen überschritten, und 2014 lag er 16 Mal über 40 Mikrogramm. Statt im Jahresmittel bei 42 und 43 Mikrogramm sind es nun also 39,55. Am nächsten Donnerstag verhandelt das Bundesverwaltungsgericht darüber, ob Kommunen, in denen die 40-Mikrogramm-Grenze nicht eingehalten wird, die Gesundheit der Anwohner zum Beispiel mit Sperrungen für Dieselfahrzeuge schützen müssen.

Ursachen für das Absinken der Stickstoffdioxid-Konzentration in der Deisterstraße gibt es wohl mehrere, kausale Zusammenhänge herzustellen, ist aber schwierig. Wilde sieht vor allem vier Faktoren, die sich ausgewirkt haben könnten: Wetter, Verkehr, Autos und Ampelschaltung.

Günstige Wetterlagen, nämlich häufig wechselndes Wetter, hinsichtlich der Schadstoffe verbesserte Fahrzeugflotten nach dem Diesel-Skandal, eine kontinuierlich verbesserte Busflotte hätten einen Beitrag zu den gesunkenen Werten geleistet. Doch auch und besonders der seit einigen Monaten veränderten Ampelschaltung zwischen Berliner Platz/Kreuzstraße und Falkestraße misst Ralf Wilde größere Bedeutung bei. „Der Verkehr ist flüssiger geworden“, sagt er über die Folgen der neuen Schaltung, mit der „Pulks jetzt besser durchkommen“ und Autofahrer seltener anfahren und abbremsen müssen. „Wir wollen keinen stehenden Verkehr“, fasst Wilde zusammen, welches Ziel es zusammen mit der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr zu erreichen galt. Die Grüne Welle als Ideal mittels Einsatz von Infrarot-Kameras – stadteinwärts klappt das offenbar schon ganz gut, stadtauswärts gibt es laut Wilde noch das Problem der „ein- und ausparkenden Autos“ vor den Geschäften entlang der Deisterstraße. Dadurch gerät der Verkehr immer wieder ins Stocken – und die nächste Ampel zeigt mal wieder Rot.

Hier misst das Gewerbeaufsichtsamt Hildesheim (GAA) per „Passivsammler“ den NO2-Gehalt in der Luft an der Deisterstraße. Foto: doro
  • Hier misst das Gewerbeaufsichtsamt Hildesheim (GAA) per „Passivsammler“ den NO2-Gehalt in der Luft an der Deisterstraße. Foto: doro

„Nach Alternativen für die Deisterstraße suchen wir weiter“, sagt Wilde mit Blick auf die Zukunft. Zum einen steht die Fortschreibung des Luftreinhalteplans aus, der zuletzt vor sieben Jahren aktualisiert wurde. Ein extern beauftragtes Büro ist laut Wilde dabei, unter anderem dort geschilderte Maßnahmen zu überarbeiten. Der Fachbereichsleiter stellt in Aussicht, die Ergebnisse im Mai vorzustellen. Auch im „Masterplan Mobilität“, der zurzeit aufgestellt wird, sollen unter anderem „alternative Verkehrsführungen“ aufgezeigt werden. Dazu zählt die Überlegung, den Autoverkehr auf der Deisterstraße von drei auf zwei Spuren zu verringern und Radwege anzulegen (wir berichteten).

Ob der Verkehr in dem Nadelöhr insgesamt abgenommen hat, was ebenfalls zu niedrigeren Schadstoffkonzentrationen geführt haben kann, will Wilde in den kommenden Monaten ebenfalls ermitteln lassen. Sowohl eine Bundesverkehrszählung werde erfolgen, doch „wir selbst zählen auch noch mal“, kündigt er an. Und auch die Ergebnisse der Öffis nach der Tarifumstellung stehen aus: Ein verstärktes Umsteigen vom Auto in den Bus könnte sich ebenfalls positiv ausgewirkt haben.



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