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Wie Forrest zu seinem neuen Zuhause in Hameln kam

Stewardess adoptiert Hund - und wird zum Internet-Star

veröffentlicht am 10.08.2016 um 17:37 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:25 Uhr

Ulrich Behmann

Autor

Chefreporter zur Autorenseite

Drei Monate lang kommt der Streuner mehrmals täglich zum Hilton an der Avenida Macacha Guemes in Puerto Madero. Geduldig sitzt er vor der Glasfront des Nobel-Hotels und schaut in die Empfangshalle. „Forrest“, so heißt der Mischling, hofft, Olivia Sievers wiederzusehen. Er hat offenbar das Leben auf der Straße satt. Die Hamelnerin soll sein Frauchen werden. Er hat sich entschieden. Doch die Flugbegleiterin ist zwischen Mai und Juli auf anderen Strecken unterwegs, sie studiert zudem Geschichte an der Fernuniversität Hagen und hat Urlaub. Doch in Gedanken ist auch sie bei „ihrem“ Südamerikaner. „Geht es ihm wohl gut?“, fragt sich die 45-Jährige. Vor wenigen Tagen ist der treue Vierbeiner, der aussieht wie eine Mischung aus einem Anatolischen Hirtenhund und einem Rhodesian Ridgeback, mit einer Lufthansa-Maschine in Frankfurt gelandet. Olivia Sievers hat ihren Liebling „adoptiert“. Die Stewardess, für die Dewezet als freie Mitarbeiterin tätig ist, wollte eigentlich nur einer armen Kreatur helfen und ist über Nacht berühmt geworden. „Ich wollte nicht im Rampenlicht stehen. Mir ist der Rummel um meine Person unangenehm“, sagt die Hamelnerin. Nachdem der argentinische TV-Sender „Canal 13“ landesweit über den „Akt der Liebe“ berichtet hatte, häuften sich die Presseanfragen. Fotos, die Olivia Sievers auf ihrer Facebook-Seite gepostet hatte, fanden sich plötzlich in Zeitungen und im Internet wieder. Medien aus Argentinien, Chile, Paraguay, Uruguay, Indien und Australien berichteten über die ungewöhnliche Rettungsaktion. Sogar CNN war die tierische Rettungsaktion eine Story wert. „Ich habe schon mehr als 3000 Freundschaftsanfragen erhalten. Und täglich werden es mehr. Im Sekundentakt erreichen mich Dankschreiben und Segenswünsche aus aller Welt“, erzählt die Hamelnerin, die über Nacht ungewollt zum Social Media Star wurde. Anfangs habe sie sich darüber aufgeregt, dass Medien einfach ihre Fotos klauen. Inzwischen hat sie auf ihrer Facebook-Seite die Bilder gelöscht, die nicht veröffentlicht werden sollen und dafür andere als „pressefrei“ markiert. „Vielleicht“, sagt die Flugbegleiterin, führt die Berichterstattung ja dazu, dass viele Menschen Straßenhunde bei sich aufnehmen.“

Alle zwei Monate fliegt Olivia Sievers nach Buenos Aires. Nach dem anstrengenden 13-Stunden-Flug übernachtet sie bis zur Rückreise im Hilton Hotel in Puerto Madero. Es war im Februar, als ihr „Forrest“ im Hafen über den Weg lief. Der Hund spielte mit einer Plastikflasche. „Er hat sie mir vor die Füße gelegt, so als wollte er mir damit sagen: ‚Los, spiel mit mir‘“, erinnert sich die Hamelnerin. Der Streuner apportierte die Flasche wie einen Ball. Er wich Olivia Sievers nicht mehr von der Seite. „Ich konnte machen, was ich wollte. Der Hund ließ sich nicht abschütteln. Er folgte mir bis zum Hotel. Schweren Herzens musste die Tierfreundin ihren neuen Kumpel vor der Eingangstür zurücklassen. Traurig guckte der Straßenhund durch die Glasfront. Am nächsten Tag wartete „Forrest“ schon auf die Flugbegleiterin.

Als Olivia Sievers im April nach Buenos Aires zurückkehrte, lief ihr „Forrest“ freudestrahlend auf der Straße entgegen. „Eigentlich wollte ich nach ihm suchen, aber er hat mich gefunden“, sagt die 45-Jährige. Floh- und Zeckenschutz, aber auch Leckerlis hatte die Deutsche mit nach Argentinien gebracht. Stundenlang tollten die zwei im Park umher, sie machten in der Drei-Millionen-Stadt ausgedehnte Spaziergänge. Irgendwann hieß es wieder Abschied nehmen.

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Drei Monate lang wartete der Streuner täglich vor dem argentinischen Hotel. Foto: pr

„Forrest“ war traurig und kehrte monatelang zu dem Platz zurück, an dem er sich von „seinem“ Wahl-Frauchen trennen musste. "Die Hotelangestellten haben mit diese herzzerreißende Geschichte erzählt. Ich bin froh, dass sie ihn nicht weggejagt haben.“ Der Versuch, „Forrest“ an einen tierlieben Argentinier zu vermitteln, scheiterte. Der Hund büxte aus, wartete lieber vor dem Hotel auf Olivia Sievers. Mit der Hilfe einer Tierklinik und der Tierschutzorganisation Mascotas de Puerto Madero gelang es, den Hund auszufliegen. Inzwischen hat er sich schon etwas eingelebt in Deutschland. Auch mit „Enzo“, einem Corgi-Basset-Mischling, und Rottweiler „Bärchen“ versteht sich „Forrest“, der inzwischen „Rubio“ (blond) getauft wurde, gut.



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