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Oberlandesgericht fällt Entscheidung im Zwillingsfall / Vaterschaft lässt sich nicht klären

Steuerzahler muss für Unterhalt aufkommen

Hameln/Celle (ube). Der 15. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Celle hat gestern eine Entscheidung im sogenannten „Zwillingsfall“ verkündet – die Richter wiesen die Unterhaltsklage eines neun Jahre alten Jungen ab und änderten damit ein Urteil des Familiengerichts des Amtsgerichts Hameln. Das war seinerzeit zu dem Schluss gekommen, Thomas L. aus Springe müsse das Kind gezeugt haben. Der 29-Jährige verlangte jedoch einen wissenschaftlichen Beweis für seine Vaterschaft, da auch sein eineiiger – also genetisch identischer – Zwillingsbruder eine sexuelle Beziehung mit der Mutter gehabt hatte.

veröffentlicht am 04.03.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 12.11.2016 um 08:41 Uhr

Thomas L.
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Das OLG setzte auf Humangenetiker – diese glauben, sie können herausfinden, welcher der beiden potenziellen Väter der Richtige ist. Allerdings ist das Verfahren langwierig und sehr teurer. Mit dem Versuch, die Vaterschaft eines der beiden Männer auszuschließen, betraten die Forscher eigenen Angaben zufolge „wissenschaftlich-technisches Neuland“. Ein erstes Gutachten schlug mit 94 563,95 Euro zu Buche – ohne jedoch ein Ergebnis zu bringen.

Das OLG Celle hat lediglich seine Entscheidung bekannt gegeben. Eine Urteilsbegründung liegt derzeit weder dem Kläger noch dem Beklagten vor. Es ist anzunehmen, dass die Richter nicht noch mehr Geld für weitere Tests bereitstellen wollten. Damit bleibt ungeklärt, wer der Vater des Jungen ist. Für Unterhalt muss damit weiter das Jugendamt – also der Steuerzahler – aufkommen.

Das Oberlandesgericht darf sich nicht äußern, „da Kindschaftssachen nicht öffentlich“ verhandelt werden. Grund: „Es gilt in diesen Fällen, die Privatsphäre des Kindes zu schützen. Wenden Sie sich bitte an die Anwälte“, sagte Richterin Stephanie Springer.

Annette Kuhlmann, die den Jungen vertritt, wollte zu dem Urteil keine Stellung nehmen. Thomas L.s Rechtsanwalt Roman von Alvensleben sagte, er freue sich über den juristischen Erfolg. Für das Kind sei es jedoch „ein schwarzer Tag“. Thomas L. meinte, er sei erleichtert, dass er nicht „einfach so zum Vater gemacht worden“ sei. „Ich habe mich gegen das Urteil des Amtsgerichts zur Wehr gesetzt, weil ich mir kein Kuckuckskind unterschieben lassen wollte.“ Das Ergebnis, so L., sei allerdings aus Sicht des Jungen „moralisch nicht in Ordnung, weil jedes Kind wissen sollte, wer sein Vater ist“.

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