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Streetworker soll künftig aus Stiftung finanziert werden

Stadt will bei Sozialarbeit sparen

HAMELN. Die Stadt will sparen. Dabei wird auch der soziale Bereich nicht geschont. Jetzt soll die Stelle von Achim Degen gestrichen werden. Der Streetworker kümmert sich um von Obdachlosigkeit bedrohte Menschen, Alkoholiker und Drogensüchtige, die sich etwa an der Marktkirche treffen. Er vermittelt zwischen der Szene, Anwohnern und Geschäftsleuten. 4000 Euro kostet dies die Stadt im Jahr. Dieses Geld soll jetzt eingespart werden.

veröffentlicht am 13.11.2017 um 16:32 Uhr
aktualisiert am 13.11.2017 um 20:00 Uhr

An der Marktkirche und anderen öffentlichen Plätzen trifft sich regelmäßig die Szene der von Obdachlosigkeit bedrohten Menschen, Alkoholikern und Drogensüchtigen. Wenn es zu Problemen kommt, vermittelt der Streetworker Achim Degen zwischen der Szene,
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Achim Degen ist Diplom-Sozialpädagoge. Er arbeitet für die sogenannte „Drobs“, die Drogenberatungsstelle der Step GmbH. Zweieinhalb seiner 30 Wochenarbeitsstunden, die Degen sonst größtenteils im Café Inkognito ableistet, widmet er der Streetwork, der Straßenarbeit.

Dann geht er die einschlägigen Plätze ab, an der sich die Szene der sogenannten „von Obdachlosigkeit bedrohten Menschen“, Alkoholiker und Drogensüchtige, aufhält. Die Szene besteht Degen zufolge aus 50 bis 70 Personen. Sie treffen sich regelmäßig an den Sitzbänken neben der Marktkirche am Pferdemarkt, am City-Bahnhof oder im Bürgergarten. Degen hat den Kontakt zur Szene, er geht auf die Menschen ein, versucht, sie zu unterstützen, vor allem diejenigen, die nicht mehr in der Lage sind, von sich aus Hilfe in Anspruch zu nehmen.

An 4000 Euro wird die Stadt Hameln nicht zugrunde gehen.“

Sven Kornfeld, Grüne

Aber Degen reagiert auch auf Abruf. Wenn Probleme auftreten zwischen der Szene und Anwohnern oder Geschäftsleuten, die sich gestört fühlen oder um ihr Geschäft fürchten, wenn es in der Gruppe laut wird oder gar zu Gewalt kommt. Dann ist er zur Stelle und vermittelt, meist mit Erfolg. Seit er die Stelle 2007 auf Wunsch des Ordnungsamts antrat, nachdem es vermehrt zu Beschwerden aus der Öffentlichkeit gekommen war, hätten die Klagen abgenommen, wie nicht nur aus Degens Jahresberichten hervorgeht, sondern ihm auch schon von der Politik bescheinigt worden ist. „Ich habe den Eindruck, dass die Stelle eine hilfreiche Maßnahme für das soziale Miteinander in der Stadt ist“, sagt Degen, der von der geplanten Streichung seiner Stelle nur „gehört“ habe.

Die Stadtverwaltung rudert derweil zurück. Auf Anfrage der Dewezet teilt Stadtsprecher Thomas Wahmes mit, dass die Stadt durchaus an der Arbeit von Achim Degen festhalten wolle, sie nur nicht mehr selbst finanzieren könne. „Daran zeigt sich, wie groß die finanzielle Not der Stadt ist“, so Wahmes. Andernfalls würde man ein „so sinnvolles Projekt gar nicht erst nicht anfassen“.

Aber wie will die Stadt an dem Streetworker festhalten, wenn sie selbst nicht dafür aufkommen will? „Wir werden dafür auf Stiftungsgelder zurückgreifen“, kündigt Wahmes an und verweist auf die Stiftung für Wohnungshilfe oder die Eugen-Reintjes-Stiftung, bei denen ein etwaiger Antrag gestellt werden könne. Doch davon war im Haushaltsentwurf von Oberbürgermeister Claudio Griese noch nicht die Rede.

Sven Kornfeld (Grüne) von der Ratsgruppe SPD/Linke/Grüne will sich mit einer Finanzierung aus Stiftungsgeldern nicht zufriedengeben. Die Ratsgruppe wolle dafür eintreten, dass die 4000 Euro für die Arbeit von Achim Degen weiter aus dem Haushalt finanziert wird, anstatt mit Stiftungsgeldern. „An 4000 Euro wird die Stadt Hameln nicht zugrunde gehen“, so Kornfeld im Gespräch mit der Dewezet. Degens Arbeit zeige „vielmehr, dass auch mit kleinen Summen viel erreicht werden kann“. Darüber hinaus würde die Stadt damit ein Zeichen setzen: für eine soziale Stadt.

Mein Standpunkt
Philipp Killmann
Von Philipp Killmann

Es stellt wohl niemand infrage, dass die Stadt Hameln finanziell kürzertreten muss. Es geht um Millionen von Euro. Aber wie schwer fallen vor diesem Hintergrund 4000 Euro ins Gewicht? Geld, das in eine soziale Arbeit investiert wird, die sich in aller Öffentlichkeit abspielt. Natürlich muss die Stadt wirtschaftlich handlungsfähig bleiben. Dabei darf sie aber nicht ihr soziales Gesicht verlieren.

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