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Wer morgens abtauchen will, muss ins Hallenbad / Andere Kommunen reagieren flexibler

Stadt schickt die Frühschwimmer ins Abseits

Hameln (kar). Frühschwimmer haben in Hameln schlechte Karten – zumindest, wenn sie unter freiem Himmel ihre Bahnen ziehen wollen. Die sind im Sportbecken des Südbades zwar verlockende 50 Meter lang, stehen Frühschwimmern aber nur ganze sechs Wochen ab 6.30 Uhr zur Verfügung: während der Sommerferien. An allen anderen Tagen in der fast fünf Monate dauernden Freibad-Saison öffnet das Bad erst um 10 Uhr morgens. Ein Vergleich mit Freibädern in der Region zeigt: Hameln hält den Rekord bei den späten Öffnungszeiten. Selbst in Lauenstein wird Inhabern von Saisonkarten im Naturerlebnisbad das Frühschwimmen ab 7 Uhr ermöglicht. Polle oder Bückeburg bieten Frühschwimmertage an. Bad Pyrmont lockt werktags mit Öffnungszeiten ab 6.45 Uhr. Das Rohmelbad in Bad Münder öffnet um 6 Uhr die Pforten, das Rintelner Weserangerbad macht täglich um 8 Uhr morgens auf, Aerzen wochentags um 7 Uhr, und beim Blick über die Landesgrenze punktet das „Eau-Le“ in Lemgo mit werktäglichen Öffnungszeiten ab 6 Uhr.

veröffentlicht am 29.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 16:41 Uhr

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In Hameln aber sitzen Frühschwimmer schon seit Jahren auf dem Trockenen, müssen außerhalb der Ferien im Sommer lange Anfahrten zu anderen Freibädern in Kauf nehmen oder auf andere Sportarten ausweichen. Dabei gilt Schwimmen als gesündeste Sportart: Schon regelmäßiges moderates Training bringt das Herz-Kreislauf-System in Schwung, senkt den Cholesterinspiegel, verringert das Risiko für Venenerkrankungen, Diabetes und Arteriosklerose, trainiert den Herzmuskel und wirkt allergisch bedingtem Asthma entgegen. Das alles ist bekannt. Das regelmäßige moderate Training aber bleibt im Südbad nur jener kleinen Gruppe vorbehalten, die es sich außerhalb der Schulferien erlauben kann, nach 10 Uhr morgens zu schwimmen.

Zwar ist bis 19.30 Uhr Einlass, aber dann trainieren auch die Vereine, stehen weniger Bahnen der Allgemeinheit zur Verfügung, schaffen es viele Berufstätige nicht mehr rechtzeitig oder sind vom langen Arbeitstag ausgelaugt. „Früh schwimmen ist besser als abends – es erfrischt und macht fit für den Tag“, findet nicht nur Ulrike Franke. Auch Hausfrauen wie Jutta Linnenbrünner ärgern sich über späte Öffnungszeiten: „Wenn ich erst ab 10 Uhr schwimmen kann, ist der Vormittag für mich gelaufen.“

Stadtsprecher Thomas Wahmes weist darauf hin, dass Frühschwimmer außerhalb der Schulferien ab 6.30 Uhr das Hallenbad Einsiedlerbach nutzen können. Die dort herrschende schwüle Wärme und das halb so lange, überheizte Becken ist aber für viele keine Alternative: „Im Sommer will ich draußen schwimmen“, bringt Ingrid Barnett die Bedürfnisse der morgendlichen Freibadnutzer auf den Punkt. Die Außentemperatur spiele für sie keine Rolle, schließlich biete das Sportbecken im Südbad mit 26 Grad angenehme Temperaturen. Was sie dagegen auf die Palme treibt, ist die mangelnde Flexibilität, mit der man bei der Stadt auf Supersommerwetter reagiert: „Da bildet sich am heißesten Wochenende des Jahres um kurz vor 10 Uhr eine Schlange von mehr als 100 Leuten vor dem Südbad, und dann macht eine Kasse auf und ich muss 20 Minuten warten, bis ich überhaupt drin bin“, ärgert sich Ingrid Barnett, die eine Dauerkarte besitzt, und fragt: „Kann man an solchen Tagen nicht eine Ausnahme machen und zwei Kassen öffnen?“ Mit dem vorhandenen Personal könne das nicht geleistet werden, hält Wahmes dagegen: „Wartezeiten lassen sich dann nicht vermeiden, die muss man in Kauf nehmen.“

In Kauf, finden viele Frühschwimmer, nehmen sie in Hameln ohnehin schon viel zu viel. Früher stürzten sich noch täglich zwischen 6 und 10 Uhr bis zu 300 Schwimmer morgens in die Fluten. Seit „im Rahmen der Haushaltskonsolidierung“, wie Wahmes sagt, die Öffnungszeiten geändert wurden, haben viele dem Südbad den Rücken gekehrt.

Das vorhandene Personal – im Normalfall sind das zwei Schwimmmeister, eine Kassierin und eine Badewärterin – arbeite „an der Belastungsgrenze“, führt Wahmes ins Feld. Frühe Öffnungszeiten für Hallenbad und Südbad könne man parallel nicht anbieten. Flexiblere Öffnungszeiten oder spezielle Frühschwimmertage fürs Südbad offenbar auch nicht: „Warum nicht wenigstens um 8 Uhr aufmachen und dafür zwei Stunden früher schließen?“, schlägt Frühschwimmerin Sylvia Meden vor. „Auch das kann vom Personal nicht geleistet werden“, heißt es abschlägig aus dem Rathaus.

Wenn ab Montag das Südbad erst um 10 Uhr seine Pforten öffnet, müssen Frühschwimmer wieder draußen bleiben – und wohl nur noch wenige dort ihre einsamen Bahnen ziehen…

Ab Montag wird es einsam im Südbad: Dann macht das Freibad erst um 10 Uhr auf und Frühschwimmer müssen ins Hallenbad ausweichen. In Hamelns Nachbarkommunen sieht das anders aus: Dort wird früh morgens geöffnet oder gibt es spezielle Frühschwimmerangebote.



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