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Baustelle Straßenbau: Fachkräftemangel führt zu Verzögerungen bei Verkehrsprojekten

Stadt findet kaum noch Ingenieure

Hameln. Auf Hamelns Straßen gibt es immer etwas zu tun: Viele der Fahrbahnen sind sanierungsbedürftig; zahlreiche Verkehrsschilder müssen angepasst werden, bevor das neue Parkraumkonzept greifen kann; der Katalog zur Verbesserung des Fahrradwegenetzes ist dick; und die Kreuzungen sollen so umgestaltet werden, dass sie für Menschen mit und ohne Behinderungen möglichst keine Hindernisse darstellen. Das Beackern dieser Aufgaben ist in jüngerer Zeit in der Stadtverwaltung zu kurz gekommen. Das ist nicht nur ein Eindruck von außen, sondern wird im Rathaus auf Nachfrage auch ganz offiziell bestätigt. Denn seit einem halben Jahr sind ausgerechnet im zentralen Bereich „Verkehrsplanung und Straßenwesen“ zwei Ingenieursstellen unbesetzt. Dahinter steckt nicht etwa eine Sparmaßnahme: Die Neubesetzung gestaltet sich schlichtweg schwierig. Lediglich gegen die Einstellung eines Technikers für die Straßenunterhaltung hatte der Verwaltungsausschuss des Stadtrates sein Veto eingelegt.

veröffentlicht am 28.12.2015 um 15:01 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:59 Uhr

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Marc Fisser

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Seit Mai dieses Jahres versucht die Stadtverwaltung, zwei Diplomingenieure oder Inhaber des Abschlusses „Bachelor of Engineering“ als Straßenplaner oder Straßenbauleiter zu finden. Dafür wurde in Zeitungen und Fachzeitschriften geworben, außerdem über die Arbeitsagentur und in Internetportalen. Die Rathaus-Vertreter nahmen sogar den direkten Kontakt zu infrage kommenden Fachhochschulen auf. Das Ergebnis waren fünf beziehungsweise vier Bewerbungen. Doch es zeigte sich: Nur ein einziger Interessent erfüllte das Anforderungsprofil der Hamelner Verwaltung – und der zog kurz nach der Einstellungszusage seine Bewerbung zurück.

Das Verfahren zur Stellenbesetzung wurde daraufhin im August neu gestartet. Diesmal kamen für die eine Position acht, für die andere vier Bewerbungsmappen auf den Tisch. Doch die Durchsicht war erneut ernüchternd: Wieder blieb aus Sicht der Auswahlkommission nur ein einziger geeigneter Kandidat im Sieb hängen. Er wird nun zum Jahresbeginn den Posten des Straßenbauleiters einnehmen, also ab dem kommenden Montag, dem ersten Arbeitstag, von seinem Schreibtisch im Betriebshof aus die Verantwortung für den Zustand der Hamelner Straßen wahrnehmen. Dabei geht es besonders um die Überwachung von Fremdfirmen bei Straßenbauarbeiten und das Beschwerdemanagement, gemeldete Schäden überprüfen und beseitigen zu lassen.

Auf seinen Planungskollegen im Rathaus muss der Neue hingegen wohl noch lange warten: „Da die Ausschreibung des Diplom-Ingenieurs Straßenbau/ Planung auch im zweiten Anlauf ergebnislos verlief, bleibt diese Stelle auf unabsehbare Zeit unbesetzt“, teilt die Stadtverwaltung mit. Die Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung führt die Kommune vor allem darauf zurück, „dass auf dem Arbeitsmarkt grundsätzlich sehr wenig Bewerber zur Verfügung stehen“. Um die Nachwuchskräfte werde heftig gerungen: Wirtschaftsunternehmen sprächen sie frühzeitig an und lotsten sie mit attraktiven Angeboten direkt von der Fachhochschule in die Firma. Mit den teils deutlich besseren Gehältern der freien Wirtschaft könne der Öffentliche Dienst nicht konkurrieren, heißt es. Wegen des starren Tarifrechtes bleibe den Verwaltungsvertretern auch kaum ein Verhandlungsspielraum. Für Hameln oder noch kleinere Orte komme hinzu, dass die jungen Kräfte ohnehin lieber Jobs in großen Städten annähmen. Mitunter sind es nur noch familiäre Gründe oder andere private Präferenzen, die den Ausschlag geben, lukrativere Angebote anderswo auszuschlagen und sich mit dem Posten in der Provinz zu begnügen.

Den Fachkräftemangel spürt die Stadtverwaltung nicht nur im Bereich der Ingenieure. Alarm geschlagen wird auch beim Einsatzdienst der Feuerwehr. Zunehmend schwierig sei es ebenfalls, qualifiziertes Personal für die Kinderbetreuung zu gewinnen. Und selbst im allgemeinen Verwaltungsdienst gebe es Engpässe, aktuell vor allem bei den Sachbearbeitern für den Bereich Ausländer-/Asylrecht und in der Ordnungsabteilung. Wie soll das weitergehen? Es ist absehbar, dass auch in den nächsten Jahren kontinuierlich Mitarbeiter pensioniert werden oder aus anderen Gründen ausscheiden. Nachdem im Rathaus lange Zeit nur auf Sparflamme ausgebildet wurde, sehen die Verantwortlichen dort nun die Notwendigkeit, Nachwuchskräfte „soweit möglich selbst auszubilden und Personal rechtzeitig an die Stadt Hameln zu binden, zum Beispiel über das Angebot von Praktika“. Die Zahl der Lehrstellen wird im kommenden Jahr um 4 auf 24 erhöht. Insgesamt hat die Stadt 880 Mitarbeiter auf 720 Planstellen.



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