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Allein unter dem Posthof schlummert ein mehr als 1500 Quadratmeter großer Atombunker

Spuren des Kalten Krieges unter der Altstadt

Hameln. Mit metallischem Dröhnen rollt die mehr als 20 Tonnen schwere Stahltür vor den Eingang des Bunkers und schließt mit lautem Klacken die Außenwelt aus. Das einzige Licht liefert nun die Notbeleuchtung, fluoreszierende Leitlinien weisen den Weg ins Innere der Anlage. Starke Männer wechseln sich an den Kurbeln der mechanischen Pumpen ab, die Frischluft durch ein komplexes System, von Filtern gereinigt, in den atombombensicheren Untergrund fördern. Über Telefon können sämtliche anderen Luftschutzorte der Stadt kontaktiert werden, können andere Posten nach dem Stand der Dinge befragt werden.

veröffentlicht am 27.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 17:41 Uhr

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Autor:

Jobst Christian Höche
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Was klingt wie eine schaurige Zukunftsvision, hätte bis zum Mauerfall an jedem Tag zur Realität werden können. Das Szenario ist nicht fiktiv, sondern spiegelt wider, wie der Einschluss in den Bunker unter dem Hamelner Posthof ausgesehen hätte.

Fast ist er in Vergessenheit geraten, der größte Bunker Hamelns. Noch Ende der 1980er Jahre ist er grundlegend saniert und mit neuester Sicherheitstechnik versehen worden. Wenig Jahre später war er durch die Wende seiner Existenzberechtigung beraubt. Heute parken Autos im vorderen Teil des Schutzraumes, während das Netz aus Gängen und Räumen, hinter dicken Stahltüren der Öffentlichkeit unzugänglich bleibt. Funkräume, Sanitätsräume, Toiletten, Technik und viel Platz für die Bevölkerung bot die rund 22 Millionen D-Mark (11 Millionen Euro) teure Anlage auf rund 1500 Quadratmetern.

Mehr als 30 funktionsfähige Luftschutzräume und Bunker gab es während der Zeit des Kalten Krieges in der Stadt, die durch regelmäßige Wartungen instand gehalten wurden. Auch einige Privatleute ließen mit finanzieller Unterstützung des Bundes, genauer des Bundesamtes für Bevölkerungs- und Katastrophenschutz, Schutzräume auf beziehungsweise unter ihren Grundstücken errichten. „Leider hat die Stadt keinerlei Aufzeichnungen mehr darüber, wo sich die Räume und Bunker befinden oder befunden haben“, erklärt Stadtsprecher Thomas Wahmes auf Nachfrage.

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  • Beklemmendes Rudiment hermetischer Abriegelung.
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  • Frischluft musste per Kurbel in die Filter gezogen werden.

Sicher ist, dass sich auch unterhalb des BHW-Gebäudes ein großer Bunker befindet. Einige andere große Luftschutzorte sind mittlerweile nicht mehr vorhanden.

Die ehemalige Puddingfabrik Reese war mit einem großen Schutzkeller ausgerüstet, auch unter dem Breckehof gab es eine Anlage. Im Zuge der Neubauten auf den jeweiligen Geländen sind diese Strukturen aber entfernt worden.

In loser Folge versucht die Dewezet anlässlich des 50. Jahrestages der Kuba-Krise, die Spuren des Kalten Krieges in Hameln und dem Weserbergland nachzuzeichnen. Hierbei sind nicht nur Bunker von Interesse, sondern auch die Raketenbatterien, die sich entlang der Bergrücken des Weserberglandes ziehen.

Wer Informationen zu diesen Themen hat, kann sich in der Redaktion melden, um zu einem möglichst lückenlosen Bild des Kalten Krieges in der Region beizutragen. Unter j.c.hoeche@dewezet.de oder per Post nimmt Jobst Höche alle Informationen gerne in Empfang.

Mehr Bilder aus dem Bunker gibt es im Internet unter: dewezet.de



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