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„Was hier passiert, könnte in jeder Wohnung passieren“: Ausstellung „Rosenstraße 76“ schärft den Blick für Indizien familiärer Gewalt

Spuren der Grausamkeit zerstören die häusliche Idylle

Hameln (sto). Ein festlich gedeckter Tisch in einer modern eingerichteten Wohnung oder eine Bibel im Schlafzimmer – Sinnbild für häuslichen Frieden? Leere Bierflaschen auf dem Küchenschrank, ein Fleischmesser auf der Arbeitsplatte, eine Salbe, die Wunden heilen soll – Hinweise auf häusliche Gewalt? Ein hastig gepackter Koffer auf dem Ehebett, ein Brief auf dem Wohnzimmertisch mit dem Appell „Bitte verzeih mir“ – Indizien für einen Streit?

veröffentlicht am 05.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 21:41 Uhr

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Immer mehr spricht dafür, dass in der Rosenstraße 76 irgendetwas nicht stimmt. Im Kinderzimmer verstärkt sich dieser Eindruck. An der Wand hängen Kinderzeichnungen, die in jedem Pinselstrich die psychische Verzweiflung des kleinen Malers erkennen lassen. Die bittere Erkenntnis, dass in dieser Wohnung Gewalt zum Alltag gehört, offenbart sich auch bei einem Blick in das Gitterbettchen eines Kleinkindes. Wie eine böse Schlange kringelt sich auf der Bettdecke ein Herren-Ledergürtel. Nun besteht kein Zweifel mehr – diese auf den ersten Blick heile Welt ist in Wirklichkeit ein Tatort der Gewalt. Die Fassade für einen Tyrannen, der seine Frau und seine beiden Kinder physisch und psychisch quält und demütigt. Eine Stimme auf einem Anrufbeantworter appelliert, den nächtlichen Krach und das Geschrei einzustellen, ansonsten werde die Polizei verständigt.

Der oben geschilderte Fall wird derzeit dargestellt in einer Ausstellung im Bistro der Elisabeth-Selbert-Schule. Das Besondere: Die Besucher begeben sich in einer gemütlich eingerichteten Dreizimmerwohnung auf Spurensuche. Wer möchte, kann interaktiv tätig werden und beispielsweise Zitate einiger Betroffener auf CD anhören. Diese Zitate sind darüber hinaus auf kleine Kärtchen gedruckt, die sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung schlängeln.

Die Rosentraße 76 steht exemplarisch für alle Räume, in denen die Gewalt zu Hause ist. „Was hinter den Türen der Rosenstraße geschieht, könnte in jeder Wohnung passieren“, betonte Anke Eichler vom Frauenhaus Hameln. Das Frauenhaus ist Veranstalter der Ausstellung, einer bundesweiten Wanderschau, die auf Initiative von Ina Loth nun auch in der Rattenfängerstadt zu sehen ist. Möbel Boss gab die Wohnungseinrichtung als Leihgabe. Mit vielen Gästen, unter ihnen Andrea Buskotte vom Landespräventionsrat Nie-dersachsen, wurde die Aus-stellung mit einer kleinen Feier zum zehnjährigen Bestehen der Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt (BISS) sowie zum fünfjährigen Bestehen der Frauengewaltberatungsstelle eröffnet. „Diese Einrichtungen sind wichtige Säulen des Frauenhauses“, betonte Landrat Rüdiger Butte. Bis Ende 2011 haben 1690 Frauen und 1615 Kinder Zuflucht und Unterstützung in dem 1986 gegründeten Haus gefunden.

„Rosenstraße 76“ ist bis Freitag, 16. März, in der Elisabeth-Selbert-Schule (Langer Wall 2) zu sehen. Montag bis Freitag 15 bis 18, Samstag, 10 bis 16, Sonntag, 11 bis 13 Uhr.



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