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Renate Schulte erklärt beim Landsommer 2009 bekannte Redewendungen

Sprichwörtern auf der Spur – eine besondere Tour durch Hameln

Hameln. „Das kann ja kein Schwein lesen“, stellt die Gästeführerin Renate Schulte am Weserufer an einer Stelle fest und liefert sogleich die Erklärung zur Herkunft dieser Redewendung vor der Kulisse der Elisabeth-Selbert-Schule: „Dieser Satz geht zurück ins 17. Jahrhundert zur Familie Sweyn in Schleswig. Die Mitglieder dieser Familie waren des Lesens kundig, so dass alle Bauern aus der Umgebung zu ihnen gingen, wenn sie Dokumente vorgelesen haben wollten. Und wenn selbst die Familie Sweyn nicht imstande war, die Unterlagen zu entziffern, konnte es eben „kein Schwein“ lesen.“

veröffentlicht am 13.04.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 12.11.2016 um 03:21 Uhr

Gästeführerin Renate Schulte fesselt ihre Zuhörer …

Autor:

Inken Philippi
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Viele solcher Redewendungen, Zitate und Sprüche aus dem Volksmund, gespickt mit historischen Fakten hat Schulte auf Lager und verknüpft sie während ihrer Stadtführung im Rahmen des Landsommers geschickt mit verschiedenen Gebäuden der Hamelner Altstadt. Neben den bekannten, markanten Stationen sind es bei Schultes Tour im Rahmen des Landsommers 2009 die kleinen Ecken und Winkel, die sonst weniger Beachtung finden.

Vor dem alten Webhaus löst sich das Rätsel um die Redewendung „etwas anzetteln“. „Die Längsfäden, die gespannt werden müssen, bevor man mit dem Weben beginnt, nennt man Zettel“, erklärt Schulte ihren Zuhörern. „Im heutigen Sprachgebrauch eher negativ behaftet, bedeutete „anzetteln“ früher die Vorarbeit für das eigentliche Webhandwerk. Und auch für den gebräuchlichen Satz „jemanden zur Minna machen“ liefert die Führerin eine Erklärung, vor dem Dempterhaus: In reichen Kaufmannshäusern waren die Dienstmädchen sprichwörtlich „die Minna“. Sie wurden meist sehr schlecht behandelt, daher spricht man heute noch im unangenehmen Sinn von ihnen. Ähnlich übel wurde auch dem Prügelknaben mitgespielt. Reiche Kinder durften in der Schule nicht geschlagen werden, daher wurde ihnen ein Prügelknabe zur Seite gestellt, der im Falle einer Bestrafung die Schläge für sie einstecken musste erklärt Schulte am Platz der alten Lateinschule am Münster St. Bonifatius.

Keine Stadtführung in der Rattenfängerstadt ohne Station am Hochzeitshaus, und natürlich weiß die versierte Gästeführerin auch dort wieder Historie mit alltäglicher Redeweise zu verbinden: „Früher saßen die Mütter der jungen Mädchen unter einer Kuppel über dem Ballsaal und suchten unter den Tanzenden geeignete Ehemänner für ihre Töchter, daher der Begriff „verkuppelt werden“. Allerdings“, so die Gästeführerin augenzwinkernd, „wurde dieser Bereich, in dem die Mütter saßen, von bereits zu Schwiegersöhnen avancierten Herren auch gern Drachenfelsen genannt.“

… und erklärt Sprichworte an verschiedenen Schauplätzen.
  • … und erklärt Sprichworte an verschiedenen Schauplätzen. Am Platz der früheren Lateinschule wird über den „Prügelknaben“ aufgeklärt. Fotos: phi

2,50 Euro pro Person kostete die Teilnahme an der Führung der Route Nummer 15 des Landsommer-Projektes. „Fast geschenkt“, findet Renate Dominé. Und ihre Begleiterin Rita Porschel aus Hameln ist begeistert: „Das ist mal eine ganz andere Art die Stadt kennenzulernen.“

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