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Mehrheitsgruppe denkt über Behindertenbeirat nach / Gremium könnte bei Bau- und Verkehrsplanung helfen

Sprachrohr für Menschen mit Handicap

Hameln. Es ist ein ganz praktisches Beispiel für Integration: Im Viktoria-Luise-Gymnasium gibt es eine Schülerin, die querschnittsgelähmt ist, doch das Schulgebäude ist nicht barrierefrei. Nicht für alle Etagen gibt es zum Beispiel einen Treppenlift. Steht bei der jungen Frau zum Beispiel Bio, Chemie oder Physik auf dem Stundenplan, rückt der Paritätische an, um sie in die Fachräume hinaufzutragen. „Auch die Mitschüler fassen mit an“, sagt Schulleiter Rainer Starke. Eigentlich müsste die junge Frau aufs Albert-Einstein-Gymnasium verwiesen werden, soweit die Theorie. Da sie aber schon lange Schülerin am Viktoria-Luise-Gymnasium ist, die Behinderung erst später auftrat, brachte Starke es nicht übers Herz. Für die Schülerin ein Glücksfall: Sie konnte in der Klassengemeinschaft bleiben, sogar an Klassenfahrten teilnehmen.

veröffentlicht am 27.06.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 17:41 Uhr

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VON ANDREA TIEDEMANN
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Doch nicht immer läuft die Integration behinderter Menschen in Hameln so reibungslos. Die Fraktion der Piraten/Die Linke hatte sich daher dafür ausgesprochen, neben einem Kreisbehindertenbeirat auch einen Behindertenbeirat für die Stadt Hameln einzurichten. Auch die Mehrheitsgruppe im Rat hat nun die Verwaltung gebeten, darüber nachzudenken, wie die Interessen von Menschen mit Behinderung besser wahrgenommen werden können. Ob dies jedoch ein Beirat sein muss, ließen die Politiker offen. „Viele Wege führen nach Rom“, sagte Claudio Griese, das Vorbild Bad Pyrmont sei nur eines von vielen.

„Die Stadt braucht einen Behindertenbeirat“, sagt hingegen ganz klar Gotthard Feist, Vorsitzender des Kreisbehindertenbeirates. Die Stadt müsse sich aber entscheiden: Soll es ein formales Gremium sein, was als Aushängeschild fungiere? Oder wirklich ein Fachgremium, das der Stadt beratend zur Seite stehe? Feist sieht etliche Aufgaben, denen sich ein Beirat widmen könnte. Das betrifft die barrierefreie Ausgestaltung von Neubauten wie die Sporthalle Nord ebenso wie die farbliche Gestaltung von Hinweisschildern, damit auch Sehbehinderte sich gut orientieren können. Nicht zuletzt könnte ein Beirat das Thema Inklusion bündeln.

Eine individuelle Beratung, wie sie sich die Fraktion der Piraten/Die Linke wünscht, könnte allerdings schwierig werden. Denn würde ein Beirats-Mitglied etwa Menschen mit Behinderung darüber aufklären, was sie mithilfe ihres Behindertenausweises verlangen können, ist die Grenze zur verbotenen Rechtsberatung schnell überschritten. Reine Informationen hingegen sind erlaubt – regelmäßige Sprechstunden dafür will die Mehrheitsgruppe einem Beirat im Gebäude von Familie im Zentrum (FiZ) im Eugen-Reintjes-Haus ermöglichen.

Dass als Alternative zu einem neuen Gremium etwa der Seniorenrat in Hameln die Belange von Menschen mit Behinderung wahrnehmen kann – wie in Bad Münder – glaubt Feist nicht. „Die Weltsicht eines 20-jährigen Rollstuhlfahrers ist anders als die eines 80-jährigen rüstigen Rentners.“ Für diese Doppelaufgabe fehle einfach die Expertise, so der 63-Jährige.

Das Gefühl der Gymnasiastin, die Treppen hinaufgetragen zu werden, kennt Feist nur zu gut. Zu einer Sitzung im zehnten Stock des Rathauses hatten ihn einige Ratsherren getragen. „Das sehe ich eigentlich ganz pragmatisch“, sagt Feist. Doch prompt habe es Bedenkenträger gegeben, die auf versicherungsrechtliche Probleme hinwiesen. Nur Fachpersonal dürfe ihn tragen. Und da war es schon wieder vorbei mit der gelebten Inklusion. „Eigentlich schade“, sagt Feist über dieses Erlebnis, „solche Bedenkenträger machen das kaputt.“

Menschen mit Behinderung haben oft einen anderen Blick auf den Alltag: Wie unwegsam ist das Gelände für einen Rollstuhlfahrer? Wie kontrastreich ist ein Verkehrsschild für eine Person mit Sehbehinderung? Ein Beirat für die Stadt Hameln könnte Politikern beratend zur Seite stehen. Dana



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